Boote schaukeln in der Brandung, der Sand ist fast weiß und superfein, die Sonne lacht, einige Wolken ziehen vorbei: Nein, die Rede ist nicht von der Karibik, sondern von Hamburg. Genauer: Schweinesand, dem wohl schönsten Flecken der Stadt.
Im Halbkreis schmiegt sich eine Sandbank an ein kleines Wäldchen. Zwei kleine Strände, gerade groß genug für ein paar Picknicker und Sonnenanbeter. Nur das Wasser ist nicht türkis, sondern schlickbraun. Und statt endloser Weite hinterm Horizont gibt es Blankenese zur Linken, den Hafen in der Mitte und rechts die Airbus-Anlagen.
Wegen der weltweit drittgrößten Flugzeugwerft ist Schweinesand streng genommen auch kein Eiland, sondern ein Dreiland. Die Nazis baggerten den sogenannten Neßhaken aus, um Platz für Wasserflugzeuge zu schaffen. Das „Mühlenberger Loch“ entstand, den „Neß“-Sand kippten sie hinter Schweinesand in die Elbe. Eine weitere Insel entstand so, bei Ebbe sind beide verbunden.
1965 wurde die Elbe mal wieder ausgebaggert, mit dem Schlick wurde dann die vor Wedel liegende Insel Hanskalbsand mit Neß- und Schweinesand verbunden.
Mit dem Segelboot ist Anna (26, Ottensen) nach Schweinesand gefahren. Hinter ihr sieht man Blankenese, rechts die Airbus-Werft und den Hafen.
Foto: Florian QuandtAcht Kilometer lang und manchmal nur ein paar Meter breit ist dieses menschengemachte Paradies, das zu drei Bundesländern gehört und einen Eindruck vermittelt, wie die Elbe aussah, bevor die Hamburger sie begradigten und ihre Ufer befestigten: lange Strände, Priele und Watt, üppig bewuchert und Heimat zahlloser Tiere.
Noch heute leben hier gefährdete Arten wie Löffelenten, Nonnengänse, Zwergmöwen und Trauerseeschwalben. Seehunde umkreisen die Inseln wegen des Fischreichtums. Und seit vier Jahren ist sogar der Seeadler wieder heimisch.
Denn während auf Hanskalbsand am Wochenende große Feste gefeiert werden und heimliche Dauercamper den Sommer genießen, gehört Schweinesand der Natur. Nur der Strand darf betreten werden. Und dafür braucht man – schlecht für Entdecker, gut für Tiere – ein Boot, am besten mit Motor. Denn wegen der Strömung und des Schiffsverkehrs ist die Überfahrt von Blankenese aus gefährlich. Leichter geht es vom Cranzer Elbdeich auf der anderen Seite des Flusses. Wer es einmal geschafft hat, genießt karibisches Flair, während direkt vor der Nase die Container-Riesen vorbeidampfen.
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