Würden unten auf der Elbe nicht die Containerpötte vorüberziehen, könnte man schwören: Im „Kaffeegarten Schuldt“ ist die Zeit stehen geblieben.
Der Süllberg in Blankenese, viel vornehmer kann man in Hamburg nicht wohnen. Aber Seemannstochter Ilse von Elm (69) hat mit etepetete nichts am Hut. Seit 130 Jahren betreibt ihre Familie das wahrscheinlich lauschigste aller Cafés mit Elbblick: „Irgendwann um 1880 hat meine Urgroßmutter Anna die ersten Stühle im Gemüsegarten aufgestellt.“ Die Männer des Treppenviertels waren damals viele Monate auf See, als Fischer oder Kapitäne, da mussten die Frauen etwas dazuverdienen.
Urgroßmutters Idee kam an. Die reichen Blankeneser blieben zwar in ihren eigenen Gärten, aber die Ausflügler aus Hamburg stiegen gern vom Dampferanleger den Süllberg hoch: „Die Väter spielten Skat, die Mütter häkelten, so war das damals“, erinnert sich die temperamentvolle Seniorchefin.
Viele Familien brachten damals ihr eigenes Kaffeepulver mit, ließen sich für ein paar Pfennige große Kannen aufbrühen. Schon als kleines Mädchen schleppte Ilse von Elm die schweren Dinger auf die Terrasse: „Da rief ich dann: Wer hat die 94?“ Gehasst hat sie das: „Ich war doch so schüchtern.“
Noch heute gilt der Spruch: „Die Tradition wird nicht gebrochen, hier können Familien Kaffee kochen.“ Der Gag kostet 1,50 Euro für drei Tassen.
Immerhin: Seit wenigen Monaten gibt es im Kaffeegarten auch so neumodischen Kram wie Latte Macchiato. „Wir müssen ja mit der Zeit gehen“, sagt „Juniorchef“ Holger von Elm (51), der regelmäßig die antiken Gartenmöbel restauriert: „Plastikstühle kommen mir nicht auf die Terrasse.“ Oma Anna wäre stolz auf ihren Nachfahren. Die Idylle am Elbhang ist von 14 bis 22 Uhr geöffnet, Montag ist Ruhetag.
Wegweiser ins Paradies: Eine üppig bewachsene Treppe führt zum Kaffeegarten Schuldt, Süllbergterrasse 30. Montag ist Ruhetag.
Foto: Florian QuandtIn dieser Serie zeigen wir Ihnen, wie überraschend, exotisch und aufregend Ihre Stadt ist. 20 Orte, die echtes Urlaubs-Feeling bieten.
