Hamburgs versteckte Paradiese
So überraschend, exotisch und aufregend ist Hamburg. 20 Orte, die echtes Urlaubs-Feeling bieten.

Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 25.7.2011

Teil 16: "Die Reit": Ein Himmelreich für Hamburgs Vögel

Von Thomas Hirschbiegel (Text) und Florian Quandt (Fotos)
Foto: Florian Quandt

Wenn das Tüpfelsumpfhuhn Sie misstrauisch aus dem dichten Schilf heraus beäugt, wenn der Drosselrohrsänger eine Arie zum Besten gibt und die Große Rohrdommel hinterm Bittersüßen Nachtschatten kleine Frösche jagt – ja, dann sind Sie in der Reit, dem Allermöher Naturschutzgebiet, in dem sich allein 200 heimische Vogelarten wohlfühlen.

Vor 120 Jahren spielten Naturschutz und Artenvielfahrt in der Reit keine Rolle. Weil der Boden hier aus „schluffigem Ton“ bestand, wurde die „Aktien-Dampf-Ziegelei-Reitbrook“ gegründet. 1897 produzierten Arbeiter jährlich fünf Millionen Ziegel – vor allem für den Sielbau in Hamburg.

An der Vogelschutzstation werden diese Mini-Schweinchen gehalten.
An der Vogelschutzstation werden diese Mini-Schweinchen gehalten.
Foto: Florian Quandt

1930 war Schluss mit der Ziegelei und 1937 rückte der Reichsarbeitsdienst an und baute den Reitdeich. Mit dabei war Helmut Schmidt, sieben Monate schuftete der spätere Bundeskanzler hier.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Reit zur Brennholzgewinnung fast vollständig abgeholzt, doch seitdem regiert die Natur in dem Areal zwischen Dove- und Gose-Elbe. 1973 wurde die Reit Naturschutzgebiet.

Gerade hat der Senat beschlossen, es von 49 auf 92 Hektar zu vergrößern. Das dürfte den seltenen Kammmolch, die Wasserralle oder die Uferschnepfe freuen. Letztere hat in der Reit ihren letzten Brutplatz in Hamburg.

Ein Rundgang über den Wanderweg mutet an manchen Stellen wie ein Urwaldspaziergang an: Blaue Libellen schwirren, Frösche kreuzen den Weg durch den Sumpf, neben dem umgestürzte Bäume liegen. Mehr Amphibien und Vögel dürfte es auf so kleinem Raum nicht noch einmal in Norddeutschland geben.

Und seit der Reitdeich eine Schranke hat, kommt es auch nicht mehr zum gefürchteten Molch-Massaker. Die Lurche wurden früher nämlich regelmäßig zur Laichzeit im Frühjahr platt gefahren.

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