Ein kleiner lauschiger Hinterhof zwischen schäbigen Altbauten. Fackeln erleuchten die Szenerie. Die Gäste genießen Zander an Spitzkohl, trinken dazu ein Glas feinen Riesling. Das Restaurant „Mess“ ist wirklich ein kleines Paradies mitten im Karoviertel. Doch der Weg dahin war für Inhaber Tobias Strauch (43) steinig.
Es war 1994, als sich der damals 25-jährige Vollblut-Gastronom langweilte. Er war für den Einkauf eines Tagungshotels bei Hannover verantwortlich. Kein Job, der Tobias Strauch ausfüllte. Da bekam er ein etwas heruntergekommenes Kellerlokal an er Turnerstraße angeboten. Strauch gefiel es sofort. Doch damals war das Karoviertel – gelinde gesagt – etwas heruntergekommen. Und Strauch träumte davon, richtig gute Küche und exzellente Weine zu fairen Preisen anzubieten. „Es funktionierte, immer mehr Stammgäste kamen“, so Strauch.
Doch dann kamen ungebetene Gäste. Maskierte Aktivisten der linken Szene griffen Heiligabend das Lokal an, verschütteten Buttersäure, zertrümmerten Scheiben, verklebten die Schlösser. Sie wollten so gegen „Yuppisierung“ kämpfen. Strauch: „Ich schuftete sieben Tage die Woche, versuchte mir eine Existenz aufzubauen, und dann kamen solche Idioten und wollten mir alles kaputt machen.“ Fast ein Jahr lang gab es immer wieder Attacken.
Doch der Jung-Gastwirt gab nicht auf: „Ich hatte gar keine andere Wahl, mein ganzes Geld steckte doch im ,Mess‘“. Inzwischen hatte Strauch relativ viel schwules Publikum, er ließ in der linken Szene verbreiten, dass die Attacken deswegen ja „schwulenfeindlich“ wären. Das half, die Angriffe stoppten endlich.
17 Jahre später ist das „Mess“ immer noch das beste Lokal im Karoviertel und die Weinkarte die beste der Schanze. Strauchs Erfolgs-Rezept für sein „verstecktes Paradies“: „Wir bieten Top-Qualität, aber das ohne Gastro-Moden nachzulaufen und zwanglos serviert.“
In dieser Serie zeigen wir Ihnen, wie überraschend, exotisch und aufregend Ihre Stadt ist. 20 Orte, die echtes Urlaubs-Feeling bieten.
