Hamburgs versteckte Paradiese
So überraschend, exotisch und aufregend ist Hamburg. 20 Orte, die echtes Urlaubs-Feeling bieten.

Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 18.7.2011

Teil 11: Wohnprojekt Schröderstift: Hippie-Feeling am Schlump

Von David Siems (Text) und Florian Quandt (Fotos)

Für die wunderschöne Anlage, jenes selbstverwaltete Dorf aus Backsteinhäusern unweit vom Fernsehturm, gibt es viele Synonyme: „die grüne Oase von Rotherbaum“ oder „der Kibbuz im Herzen Hamburgs“, wo „die Glücklichen vom Bahnhof Schlump“ wohnen. Jetzt kommt ein weiteres hinzu, denn es ist eines von „Hamburgs versteckten Paradiesen“.

Eingepfercht zwischen der sechsspurigen Schröderstiftstraße und dem mächtigen wie hässlichen Geomatikum, das hinter dem Gelände in den Himmel ragt, organisieren sich die knapp 100 Bewohner komplett selbst: Ein Mal im Jahr wird ein Vereinsvorstand gewählt, alles läuft auf basisdemokratischer Ebene – inmitten der grünen Oase.

Aus sozialer Verpflichtung ist der schöne Flügelbau auch einmal erbaut worden. 1852 ließ der reiche Hamburger Großkaufmann Johann-Heinrich Schröder die Anlage für „unverschuldet in Not geratene Frauen“ bauen.
Heute laufen Kinder unter riesigen Kastanienbäumen mit Hunden um die Wette, klettern auf das tolle selbst gezimmerte Baumhaus oder setzen sich mit Schwung auf die Schaukeln. Die Erwachsenen sammeln Holz für die Feuerstelle, wo regelmäßig Geburtstagsfeste gefeiert werden. Ein bisschen Hippie-Feeling ist noch da, auch wenn die Studenten von einst langsam selbst ins gemütliche Rentenalter kommen. Dennoch: Hier wirkt alles organisch und selbst gemacht, der alternative Geist der Bewohner ist überall zu spüren.

Doch wo es schön ist, da wollen meist auch gerne ungebetene Gäste hin: Seit Jahren möchte die Universität ihr Gelände erweitern und den Schröder-stiftlern die traumhafte Wiese auf der Rückseite abluchsen. Dabei war in den 70er Jahren bereits ein großer Teil des Schröder-stifts der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Auf der Fläche zwischen Bundesstraße und Beim Schlump errichtete die Uni das monströse Geomatikum.

Den Streit mit der Uni wollen die Anwohner für die kommenden Wochen aber erst mal kurzzeitig vergessen, denn es laufen die Vorbereitungen für das Sommerfest am 19./20. August. Für die Besucher der legendären Veranstaltung gibt es unter anderem Live-Musik von Christian von Richthofen, der Reggae-Band Jahrome & The Unbelievas und Balkanoid. Vielleicht schaut ja auch Nina Hagen bei ihren alten Freunden kurz vorbei – und singt mit krächzender Inbrunst an der Feuerstelle.

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