Hamburgs versteckte Paradiese
So überraschend, exotisch und aufregend ist Hamburg. 20 Orte, die echtes Urlaubs-Feeling bieten.

Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 21.7.2011

Hafen: Der einsamste Beach-Club der Stadt

Von Mathis Neuburger
Foto: Florian Quandt

Laster donnern vorbei, Schornsteine rauchen, es ist laut und vielerorts stinkt es sogar. Paradiesisch ist was anderes. Doch der Hafen bietet, was hübsche Parks und nette Cafés nicht haben: brachiale Gegensätze, industriellen Charme und das schönste Farben- und Lichterspiel der Stadt. Am schönsten ist es nach Feierabend.

Klar kann man sein Bier dann am Elbstrand genießen. Oder in einer x-beliebigen Szene-Bar. Doch während dort längst Schatten herrscht, kann man die Füße vom Fähranleger Neuhof (Wilhelmsburg) baumeln lassen und zugucken, wie der Sonnenuntergang die Wolken erst gelb und dann rosa färbt, wie über einem die Lichter der Köhlbrandbrücke anfangen zu glimmen, dann immer stärker leuchten und ein helles Band in den Himmel zeichnen.

Still wird es dann im industriellen Herzen der Stadt. Drei Angler sprechen mit gedämpften Stimmen und holen Aale aus dem Wasser, eine Barkasse tuckert vorbei. Links spiegeln sich die Lichter des Containerterminals Altenwerder im Köhlbrand, rechts die Altonas. Und ein Mal am Abend kommt ein Party-Boot vorbei. Doch das ist schnell wieder weg.

Schnell mussten vor 32 Jahren auch die 2400 Bewohner des Stadtteils Neuhof verschwinden, als der Senat Bagger schickte. Die Köhlbrandbrücke hatte man ihnen bereits über die Köpfe gebaut, jetzt wurden ihre Häuser plattgemacht, um den Hafen zu erweitern. Zuvor mussten bereits die letzten Fischer ihre Hütten räumen.

Bis zum Reiherstieg erstreckte sich damals der stolze Werftarbeiter-Stadtteil. Nur eine Mietskaserne am Neuhöfer Damm ist übrig geblieben. In der hausen jetzt osteuropäische Billig-Arbeiter.

Einen Steinwurf entfernt, direkt hinter der Reiherstieg-Klappbrücke, haben früher wohl auch die Neuhofer auf den gesprungenen Betonplatten gesessen und den schnurgeraden Kanal entlanggeguckt, an dessen Ende die Abendsonne die Türme der Hauptkirchen ins rechte Licht setzte.

Heute leuchten zur Rechten kühn gestapelte Containertürme bunt wie ein Pastellgemälde, in der Ferne funkelt die Elbphilharmonie. Und hinter einem donnert ein Laster entlang.

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