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Überlebenskünstler feiert Geburtstag: Rüdiger Nehberg: 80 Jahre Abenteuer

Lachend beobachtet der Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg eine riesige Vogelspinne, die er sich auf den Kopf gesetzt hat.

Lachend beobachtet der Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg eine riesige Vogelspinne, die er sich auf den Kopf gesetzt hat.

Foto:

dpa

Er ist neugierig, mutig, sprüht vor Lebensfreude, kämpft für Menschenrechte, seine Batterie scheint nie leer zu sein – Rüdiger Nehberg, der Wahl-Hamburger, hat viele Facetten. Heute feiert der Bäcker, dem einst seine Backstube im Hamburger Osten zu klein wurde, seinen 80. Geburtstag.

„Telefonieren? Irgendwo treffen? Ach, ich komme schnell mal vorbei.“ Und schon steht Rüder Nehberg vor dem MOPO-Verlagsgebäude, läuft in einem Affenzahn die drei Stockwerke hinauf, erzählt ohne Punkt und Komma. 80 Jahre alt wird er heute, der „kleine Bäcker“, wie er sich selbst gern umschreibt. Und versprüht eine Energie, die man jedem 18-Jährigen wünscht.

Nehberg ist in Hamburg ein bunter Hund – und in der Welt zu Hause. Den gelernten Konditor und gebürtigen Westfalen verschlug es 1965 in die Hansestadt, „es war Liebe auf den ersten Blick“, bekennt er. „Der Hafen, der Fluss, der irgendwann in den Weltmeeren mündet, dazu die Weltläufigkeit der Menschen – das war meine Stadt!“

Er blieb, eröffnete eine Backstube in Wandsbek, die zeitweise 50 Mitarbeiter hatte. Mehr über ihn zu sagen gäbe es heute nicht – wäre da nicht diese unbändige Neugier gewesen, diese Abenteuerlust, angefacht durch Bücher von Karl May und Sven Hedin, die ihn zum Abenteurer werden ließen. Und so eroberte der „kleine Bäcker“ die Welt.

Als Erster befuhr er den Blauen Nil, überquert den Atlantik im Tretboot, ließ sich ohne Hilfsmittel über dem Amazonas-Regenwald abseilen. Doch dabei ging es ihm nie allein um das Ausleben seiner Rastlosigkeit, seiner Sehnsucht nach Abenteuern. Seine Begeisterung schlug nie in blinde Schwärmerei um, stets blieb sein Blick wach für die Probleme in der Fremde.

Und so begann er schon früh, seine wachsende Prominenz zu nutzen, um sich für Menschen in Not einzusetzen. Nie pauschal, nie allgemeingültig, sondern stets den Fokus auf ein Thema gerichtet. „Natürlich gibt es viel größere Probleme als jene, denen ich mich widme – aber man kann sich ja immer nur einer Sache annehmen“, sagt Nehberg.

Er kämpfte für die Yanomami-Indianer im Regenwald, die durch Goldsucher bedroht wurden. Dann gründete er den Verein „Target“, kämpft bis heute gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen. Mit beachtlichem Erfolg: So schaffte er es gemeinsam mit Frau Annette, eine Konferenz hochrangiger islamischer Gelehrter in Kairo zu initiieren. Dort wurde die Genitalverstümmelung in Form einer Fatwa als nach islamischem Recht „verboten“ deklariert.

„Es gibt keinen Winkel auf der Erde, den ich unbedingt noch sehen muss“, sagt er heute. Aber einen bislang unerfüllten Traum hat er – und wieder geht es um die Verstümmelung von Frauen: „Ich träume davon, dass der saudische König Salman, der auch Herrscher der Heiligen Stätten in Mekka ist, es zulässt, über der heiligen Kaaba folgende Aufschrift anzubringen: ,Ihr beleidigt eure Religion, wenn ihr eure Mädchen verstümmelt.‘“

Klingt verrückt? Nehberg glaubt daran. Und würde für diese Vision sogar zum Islam konvertieren. Bislang hat er jeden überzeugt – ihm fehlt nur der Zugang zum neuen saudischen König.

Heute feiert Nehberg mit 130 Gästen im Kaisersaal des Rathauses seinen Ehrentag, unter den Besuchern ist ein führender Gelehrter der Kairoer Al-Azhar-Universität, der wichtigsten Institution des sunnitischen Islams. „Ich mache mir nichts aus Feiern“, sagt Nehberg. Und freut sich schon darauf, in sechs Wochen in der äthiopischen Danakil-Wüste zu sein. In Faras Dagge bei den Afar-Nomaden werden er und seine Frau eine Klinik eröffnen. „Target“, zu Deutsch Ziel, muss weiterarbeiten.

Auch mit 80 ist Rüdiger Nehberg eben noch lange nicht im Ziel angekommen.

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„Sir Vivals“ spannendste Aktionen

„Sir Vival“, den Spitznamen hat sich Nehberg redlich verdient. Die MOPO erinnert an die größten Abenteuer und spektakulärsten Aktionen des Überlebenskünstlers und Menschenrechtlers.

Blauer Nil: Nach einem ersten Versuch 1970 gelingt Nehberg 1972 die Erstbefahrung des Blauen Nils in Äthiopien. Bei einer weiteren Fahrt 1975 wird sein Kameramann Michael Teichmann erschossen.

Deutschlandmarsch: 1981 wandert er 1000 Kilometer ohne Geld und Nahrung von Hamburg nach Oberstdorf (Bayern). Er trainiert damit für das Überleben im brasilianischen Regenwald, wo er Kontakt zu den bedrohten Yanomami-Indianern aufnimmt.

Atlantik: 1987 überquert er per Tretboot den Atlantik, 1992 segelt er mit einem Bambus-Floß, im Jahr 2000 auf einer 18 Meter langen massiven Tanne – alles Aktionen für das Überleben der Yanomami.

Urwald: 2003 lässt sich Nehberg von einem Hubschrauber per Seil im brasilianischen Regenwald absetzen – ohne Ausrüstung und Nahrung. Alles, was er braucht, soll der Urwald liefern. Er baut sich ein Floß, treibt einen Fluss abwärts und findet nach rund drei Wochen zurück.

„Karawane der Hoffnung“: 2005 ziehen Nehberg und Lebensgefährtin Annette Weber mit einer Kamelkarawane 500 Kilometer von Oase zu Oase durch die mauretanische Wüste. Damit wollen sie auf ein neues religiöses Rechtsgutachten (Fatwa) hinweisen. In weißer Schrift steht auf grünen Fahnen: „Der Islam sagt Nein zur weiblichen Genitalverstümmelung. Sie ist Sünde.“

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