Tragödie in Rosengarten Julian (†11) starb in der Feuer-Hölle
Flammen schießen aus dem Dach des Hauses: Das Feuer war im Erdgeschoss ausgebrochen. Julian (11) ging in die dritte Klasse, war bei Mitschülern beliebt. Er konnte sich nicht vor den Flammen retten.
Rüdiger Gaertner Lizenz
Sein kleiner Bruder konnte sich noch rechtzeitig ins Freie retten – doch Julian (†11) und sein kleines Schwesterchen Mia (2) starben im Flammenmeer in dem Zweifamilienhaus. Die Pflegemutter der Kinder (49) kämpft im Krankenhaus um ihr Leben.
Das Leben auf dem Land, eine große Familie, die große Liebe: Als Stefan (51) und Stefanie M. (49) vor etwa acht Jahren in den Ortsteil Eckel der Gemeinde Rosengarten (13000 Einwohner, Landkreis Harburg) zogen, fanden sie ihr Glück. Sie kauften eine Doppelhaushälfte und – da sie keine eigenen Kinder hatten – nahmen sie gleich vier in Pflege.
In der Nachbarschaft gilt die Familie als herzlich. Der Schulleiter einer nahe gelegenen Grundschule beschreibt die Kinder als wohlerzogen und gepflegt. Die Pflegemutter engagierte sich stets bei Schulfesten oder Sportveranstaltungen. Stefan M. arbeitet als Koch bei einem großen Catering-Unternehmen. Das pure Familienglück – jetzt wurde es durch eine Tragödie zerstört.
Die Nacht zu Donnerstag, gegen 0.55 Uhr: Durch die unbeleuchtete Straße schallen Kinderschreie. Dann gibt es einen lauten Knall, eine Scheibe platzt. Nachbarn rennen im Schlafanzug auf die Straße. Aus dem Erdgeschoss des Hauses schlagen Flammen, ein Kind sitzt mit seinem Hund auf dem Dach und weint.
Bevor die Feuerwehr eintrifft, schieben Männer aus der Nachbarschaft eine große Mülltonne zum Haus und holen Benjamin (8) und das Tier auf den Boden.
Der Junge wird dem Rettungsdienst übergeben. Feuerwehrmänner beginnen sofort mit den Löscharbeiten, stürmen mit Gasmasken ins Haus, suchen nach Menschen. Stefanie M. hat da bereits schlimmste Verbrennungen erlitten, aber sie atmet noch. Julian und seine Pflegeschwester Mia sind dagegen tot.
Bis zu 150 Feuerwehrleute sind vor Ort. Die Brandbekämpfung ist jedoch schwierig: Die Fenster sind durch Rollläden versperrt. Auf der Rückseite des Daches stört eine Solaranlage. Zu den Brandherden im Inneren zu gelangen, erfordert viel Kraft. 20 Kräfte des Rettungsdienstes kümmern sich zudem um Nachbarn, die bei der Rettung des Jungen eine Rauchvergiftung erlitten haben.
Stefan M. und der älteste Sohn Maximilian (13) sind zur Zeit des Brandes nicht zu Hause. Sie besuchen die Großeltern in Süddeutschland. Maximilian hatte am Donnerstag Geburtstag.
Über Mias Schicksal gab es anfangs Ungewissheit. Doch am Nachmittag die schreckliche Wahrheit: Ein Spürhund findet die Leiche des kleinen Mädchens in den Trümmern.
Die Brandursache war gestern noch unklar. Die ganze Nachbarschaft steht unter Schock. Freunde der Familie kamen zum Haus, brachen in Tränen aus. Kinder brachten ein Plakat: „Juli“, steht dort. „Du warst so wundervoll. Wir werden dich vermissen.“
Die örtliche Grundschule Klecken mobilisierte gestern die Eltern, um in dieser schweren Zeit die Familie zu unterstützen. Es wird zudem einen Termin für Sachspenden geben sowie ein Spendenkonto eingerichtet werden.