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Techno gegen Leerstand: Party-Meute besetzt „Spiegel“-Hochhaus

Die Beamten sperren die Brandstwiete beidseitig. Rund 200 Polizisten waren in der Nacht auf Sonnabend im Einsatz.

Die Beamten sperren die Brandstwiete beidseitig. Rund 200 Polizisten waren in der Nacht auf Sonnabend im Einsatz.

Foto:

Marius Röer

Rund 300 Partygänger und linke Aktivisten verwandelten die einstige „Spiegel“-Kantine in der Nacht zu Sonnabend kurzzeitig in einen Techno-Club – nach eigenen Angaben, um gegen den Leerstand zu protestieren. Die Polizei wurde mit einer angeblichen „Genehmigung“ in die Irre geführt.

Freitag, Mitternacht: Aus allen Richtungen strömen Menschen zum einstigen „Spiegel“-Hochhaus an der Brandstwiete (Altstadt). Laute Elektro-Beats hallen durch die Nacht. Vor dem Eingang liegt ein roter Teppich, die Feierwütigen werfen mit Konfetti und pusten mit Luftschlangen. Auf dem Dach des zwölfstöckigen Gebäudes erscheinen einige Gestalten, zünden Bengalos und entrollen ein Transparent: „Hochtief lädt ein zur ‚Mietezahlen ist 90er‘-Gala“ steht dort.

Hochtief, die Firma, die die Elbphilharmonie baut, hat das 12-stöckige Hochhaus im August 2012 von der Stadt gekauft. Es steht seit dem Auszug der „Spiegel“-Redaktion im Oktober 2011 leer. Nur im vorletzten Stock sind neuerdings einige hochmoderne Büros.

Leere Büroflächen bei gleichzeitiger Wohnungsnot, auf diesen Missstand wollen sie hinweisen, erklärt ein Aktivist. Eine Hausbesetzung finde aber nicht statt: „Das ist eine Haus-Bespielung: Wir tanzen und feiern, um dem Haus wieder Leben einzuhauchen.“ Für die leeren Büros hat der junge Mann auch schon eine Idee: „Die 300 Flüchtlinge aus Libyen hätten hier Unterschlupf finden können.“

Die Polizei hat die Party-Protestler nach wenigen Minuten eingekesselt. Rund 120 Menschen tanzen in der Kantine, knapp 200 stehen davor. Um die Ecke stehen zwei Wasserwerfer, ein Räumpanzer fährt in die Brandstwiete. Trotzdem bleibt die Stimmung friedlich. Der Polizei wird ein Schreiben übergeben: Angeblich habe eine „Event-Agentur“ die Räume von Hochtief für die Party gemietet.

Der Jurist Marc Meyer verhandelt für die Aktivisten mit der Polizei. Die Einigung: Gegen 1.30 Uhr zieht die Partymeute freiwillig ab, die Polizei verzichtet dafür auf Personalienfeststellung.

„Das erschien uns zu dem Zeitpunkt als gute Lösung“, so eine Polizeisprecherin. Immerhin gab es ja eine Art „Mietvertrag“. Inzwischen ist der Staatsschutz eingeschaltet, weil im Haus Graffiti gefunden wurden. Ob der „Mietvertrag“ überhaupt echt war, prüft die Polizei derzeit.