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Tausende Wohnungen für Touris: airbnb, 9flats: Das dicke Geschäft durch die Wohnungsnot

"Ich vermiete illegal". Robert P. (Name geändert) kassierte bei Touristen ab. Sein Gesicht will er lieber nicht zeigen.

"Ich vermiete illegal". Robert P. (Name geändert) kassierte bei Touristen ab. Sein Gesicht will er lieber nicht zeigen.

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MOPO

Mindestens 40000 Wohnungen fehlen in Hamburg. Jeder Quadratmeter ist heiß begehrt. Und ausgerechnet in dieser Situation vermieten immer mehr Hamburger auf eigene Faust unter – an Touristen!
Nebenjob Vermieter, ein lukratives Geschäft. Dem Schattengewerbe wird oft versteckt hinter dem Rücken der Eigentümer und des Finanzamts nachgegangen. Verbotene Machenschaften zu beweisen ist schwer möglich.
„Ich vermiete illegal“, bekennt Robert P. (Name von der Redaktion geändert). Über die Online-Zimmervermittlungen airbnb.de und 9flats.com bot er einen Großteil seiner Wohnung an – inklusive Küchen- und Badbenutzung.
Ein gutes Geschäft. „Ich habe meine Miete wieder rausbekommen und konnte noch etwas auf die Seite legen“, sagt P.

Eigentlich kein Problem. Untervermietung ist in Hamburg gestattet, solange ein „berechtigtes Interesse“ vorliegt, erklärt Sylvia Sonnemann von „Mieter helfen Mieter“. Der Klassiker: Ein Paar trennt sich, plötzlich ist die Wohnung zu groß, ein neuer Mitbewohner muss her. So aber halten es nicht alle, die bei den großen Internet-Portalen Teile ihrer vier Wände anbieten.

Im Gegenteil. Wer sich die Angebote auf den Portalen anschaut, der stellt fest: Die Wohnungen sind meist tageweise buchbar. Die Preise gehen je nach Lage schnell über 100 Euro – pro Nacht! Ein klares Zeichen der Zweckentfremdung. „Bei Tagespreisen ist sofort der Verdacht einer Ferienwohnungssituation da“, sagt Sonnemann. Teilweise werden ganze Wohnungen angemietet, um sie dann tageweise an Touris abzugeben.

Mehr als 1000 Treffer bekommt man, wenn man bei airbnb.de in das Suchfeld „Hamburg“ eingibt, rund 230 Stück sind es bei 9flats.com. Vor allem wenn der Wohnraum ungenutzt bliebe, würden Privatleute vermieten, sagt Airbnb-Pressesprecherin Lena Sönnichsen und widerspricht Sonnemann: „Davon haben alle was: Touristen lernen das wahre Gesicht einer Stadt kennen und die Gastgeber können sich gerade in Zeiten steigender Mietpreise mit der ansonsten ungenutzten Ressource ein bisschen was dazuverdienen. Eine Zweckentfremdung von Wohnraum findet also nicht statt.“

Es ist eine Nische, die die „Vermieter“ nutzen. Wohnen auch sie in der Bude, ist ein Nachweis schwer. Zumal das Wohnraumschutzgesetz erst greift, wenn mindestens 50 Prozent der Wohnung untervermietet werden.
Die Stadt Hamburg hat vor rund einem Jahr ein Projekt ins Leben gerufen, um genau diese Ferienwohnungen zu finden. Geguckt wird überwiegend nach ganzen Privat-Wohnungen, die Touristen beziehen können. Das Erfolgserlebnis ist überschaubar. Im Bezirk Mitte waren es 2012 nur zwölf „Ferienwohnungen“, die in den normalen Wohnungsmarkt zurückgeführt werden konnten.
Robert P. will sein Nebengeschäft aufgeben. „Ich habe jeden Tag ein schlechtes Gefühl“, sagt er. Es ist die Angst vor dem Wohnungseigentürmer, der von seinen Tätigkeiten nichts weiß. Besonders aber vor dem Finanzamt. Denn, wie wohl die meisten heimlichen Vermieter, hat er seine Nebeneinkünfte nicht versteuert.