Styropor-Brandbeschleuniger Feuer auf dem Schulterblatt: So gefährlich ist Wärmedämmung
Qualm steigt aus dem Haus am Schulterblatt auf. Über die Fassadendämmung an der Rückseite breitete sich das Feuer aus.
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Rasend schnell fraß sich das Feuer durch den Altbau am Schulterblatt. Meterhoch loderten die Flammen aus dem Dach, Bewohner konnten nur noch über Drehleitern gerettet werden. Styroporplatten, die in Hamburg tausendfach zur Wärmedämmung eingesetzt werden, sollen ein Grund dafür gewesen sein, dass sich das Feuer ausbreitete.
Sie sollen die Wärme im Haus halten – und sind ein Risiko: In Hunderttausende Häuser werden jährlich Styroporplatten als Wärmedämmung eingebaut. Bei mehr als 80 Prozent aller Einbauten kommen Platten aus Polystyrol zum Einsatz. Laut der Feuerwehr wirken sie wie Brandbeschleuniger.
"Von den Styroporplatten geht im Brandfall eine sehr hohe Gefahr aus. Diese sind leicht entflammbar. Geraten sie in Brand und es sind keine feuerstoppenden Schichten eingebaut, zieht das Feuer wie beim Kamin die Fassade hoch", sagt Daniel Dahlke, Landesvorsitzender vom Berufsverband Feuerwehr.
Auch der Hamburger Feuerwehrchef Klaus Maurer (53) warnt vor den Gefahren der Wärmedämmung. "Die Gefahr einer rasanten Brandausbreitung ist definitiv vorhanden", sagt Maurer. Gängige Dämmstoffe wie Polystyrol seien erlaubt und würden geprüft. Aber "schwer entflammbar" bedeute nicht feuerfest. Diesen Unterschied habe man am Schulterblatt gesehen."
Nach einem Großbrand 2012 in Frankfurt am Main, bei dem eine Hausfassade in Rekordzeit abfackelte – in Feuerwehrkreisen nur die "Frankfurter Fackel" genannt – wurden Prüfverfahren angekündigt. Die Baustoff-Lobby konnte aber Konsequenzen verhindern.
Kürzlich wurde eine Projektgruppe gegründet, die mit Großbrandversuchen genau untersucht, wie sich der Dämmschutz auswirkt. Die Hamburger Baubehörde sieht das Styropor kritisch. 7.000 Bestandswohnungen werden in der Stadt jährlich nachträglich gedämmt. Wer sicherere Steinwolle statt Styropor verwendet, wird laut einer Sprecherin seit Anfang des Jahres stärker gefördert.
Nach Angaben der Feuerwehr wurde das sechsgeschossige Haus am Schulterblatt erst vor Kurzem energetisch saniert. Ob die Styroporplatten der Hauptgrund für die rasante Brandausbreitung waren, wird derzeit noch geprüft. Ob sogenannte Brandsperren eingebaut waren, ist noch unklar.
Die angezündeten Mülltonnen im Hinterhof sollen so ungünstig in einer Mauer-Einbuchtung gestanden haben, dass die Flammen schnell auf das Haus überspringen konnten.
Die Polizei geht derzeit von fahrlässiger oder vorsätzlicher Brandstiftung aus. In diesem Zusammenhang suchen die Beamten zwei Männer als Zeugen, die sich gegen Mitternacht an den Müllcontainern aufgehalten hatten.
Hinweise an Tel. 428 65 67 89