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Streit um den "Goldenen Reis": Ex-Greenpeace-Chef demonstriert in Hamburg gegen Greenpeace

Greenpeace-Gründer Patrick Moore (66 mit dem gelben Schal) hielt am Freitag eine Mahnwache vor der Zentrale der Umweltschützer in der HafenCity ab.

Greenpeace-Gründer Patrick Moore (66 mit dem gelben Schal) hielt am Freitag eine Mahnwache vor der Zentrale der Umweltschützer in der HafenCity ab.

Foto:

Martin Brinckmann

Patrick Moore (66) ist stinksauer, sein Kopf glüht. "Greenpeace verhält sich kriminell und gehört vor ein Gericht!" Einst war der Kanadier Chef der Umweltorganisation – am Freitag demonstrierte Moore vor der Greenpeace-Zentrale in der HafenCity. Die Aktivisten ließen hungernde Menschen sterben, sagt er. Die MOPO erklärt den Streit.

Wofür kämpft der ehemalige Greenpeace-Chef?
Für die Zulassung von genmanipuliertem Getreide. Vor 14 Jahren entwickelten Biotechniker den sogenannten "Goldenen Reis", der mit zusätzlichen Maisgenen und Vitaminen die Hungersnöte in der Dritten Welt lindern könnte. Nach Zahlen der WHO leiden jährlich zwei Millionen Kinder an Vitaminmangel. Viele erblinden, manche sterben gar. Greenpeace lehnt die grüne Gentechnik jedoch strikt ab.

Was wirft Patrick Moore den Umweltschützern vor?
Mit ihrer Kampagne gegen den "Goldenen Reis" trage Greenpeace zum Hungertod von vielen Menschen bei. "Die Greenpeace-Leute tragen Totenmasken, machen den Menschen auf den Philippinen oder in Bangladesch gezielt Angst", sagt Patrick Moore. Dabei sei das genmanipulierte Getreide in keiner Weise schädlich. Laut Moore fürchtet sich Greenpeace vor einem Dammbruch bei Gen-Lebensmitteln. "Das ist Unsinn. Greenpeace sollte einen Teil seiner 300 Millionen Dollar an jährlichen Spenden in die Forschung stecken", so Moore.

Was sagt Greenpeace zu der Protestaktion?
Der Gen-Reis berge zu viele Risiken, sagen die Umweltschützer. So seien Langzeitwirkung und mögliche Nebenwirkungen noch nicht erforscht. Außerdem werde der Anbau die traditionellen Reissorten verunreinigen, sobald der "Goldene Reis" flächendeckend angebaut wird. "Die Philippinen haben den Vitaminmangel mit Präparaten gelindert – langfristig hilft nur, den Menschen eine ausgewogene Ernährung zu ermöglichen", sagt Michael Hopf von Greenpeace.

Gibt es eine Chance, den Aktivisten-Streit beizulegen?
Kaum. Patrick Moore gehörte zu den Gründungsmitgliedern von Greenpeace, verließ die Organisation Mitte der 80er aber nach 15 Jahren im Zorn. Der Ex-Chefaktivist und die Organisation sind nicht bereit, miteinander zu reden.

Wird der "Goldene Reis" bereits eingesetzt?
Nein. Der Vatikan hatte dem Gen-Reis seinen Segen gegeben, aber unter anderem wegen der Greenpeace-Kampagne wurde der Anbau in Entwicklungsländern immer wieder verschoben. Ab 2016 sollen philippinische Bauern den "Goldenen Reis" anbauen dürfen.