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St. Pauli-Koloss: Planer versprechen: Bunker wird wirklich so grün!

Das aufgestockte Bunkerdach

Geplant ist eine Sporthalle und weitere Etagen (Symbolbild).

Foto:

Planungsbüro Bunker Hamburg

Es ist eins der spektakulärsten Hamburger Bauprojekte nach der Elbphilharmonie: die Aufstockung des Feldstraßen-Bunkers um fünf Etagen. Das Kriegsdenkmal soll eine begrünte Mütze bekommen – und einen Dachgarten in 60 Metern Höhe. Kritiker bezweifeln, dass die Begrünung überhaupt funktioniert. Echte Vorbilder gibt es nämlich nicht. Ist der Plan nur ein Köder, mit dem Investor Matzen den Anwohnern die Aufstockung schmackhaft machen will?

Tobias Boeing mit Michael Kuhn und Felix Holzapfel-Herziger

Tobias Boeing  (v.l.) vom Anwohner-Projekt „Hilldegarden“ mit den Architekten Michael Kuhn (Metapol) und Felix Holzapfel-Herziger (L+ Architekten).

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Sun

„Der Vorwurf der Bunker-Kritiker ist Unsinn“, sagt der maßgeblich beteiligte Landschaftsarchitekt Felix Holzapfel-Herziger. „Der Bunker wird sogar im Winter zu 80 Prozent grün sein.“ Größer als ein Fußballfeld sind die Grünflächen, die auf dem Bunker entstehen sollen. Allein auf dem Dachgarten sollen mehr als 100 Bäume plus 30 große Sträucher stehen. Auch auf den Terrassen gibt es 80 Bäume, dazu Büsche, Hecken und hängende Pflanzen.

„Wir rechnen  mit einem Pflegeaufwand wie bei Planten un Blomen“, so Holzapfel-Herziger. „Damit sind allein zwei Gärtner in Vollzeit beschäftigt.“ Die Frage nach vergleichbaren Projekten beantwortet Holzapfel-Herziger eindeutig: „Nein, das ist ganz neu und einmalig.“ Sein Architekturbüro hat auch das Gründach der Umweltbehörde in Wilhelmsburg gestaltet. Die Projekte lassen sich allerdings nicht vergleichen.

Doch worauf lässt sich die Stadt Hamburg da  ein? Was passiert, wenn die Pflanzen dann doch  eingehen? Kritiker der Initiative „Feldbunker“ fürchten, dass am Ende wenig Grün übrig bleibt und dafür umso mehr Fenster-Fassaden für den schönen Blick aus den Hotelzimmern. Denn tatsächlich sollen sich unter der grünen Mütze auf allen fünf Stockwerken die Fenster eines Hotels verbergen. Zum Teil sogar bodentief und mit Balkon. Auf den Bunker-Bildern des Planungsbüros ist davon nichts zu sehen.

„Das liegt zum einen an der Perspektive“, so Holzapfel-Herziger. Daran, dass beim steilen Blick von unten  keine Fenster zu sehen sind. Zudem sei die Fassade auch nicht überall gleich, sondern springe vor und zurück. „Dadurch gibt es Terrassen-Bereiche, in denen viel Platz für Bäume und Sträucher mit Abstand zum Fenster ist. Sie machen die Fassade grün, verdecken die Sicht für den, der hinausschaut, aber nur teilweise.“

Der Blick aus Bunker-Hotelzimmer auf die Stadt

Der Blick aus einem der zukünftigen Bunker-Hotelzimmer auf die Stadt.

Foto:

Planungsbüro Bunker Hamburg

Doch was für Bäume wachsen überhaupt in einer Höhe von 40 bis 60 Metern – direkt Wind und Wetter ausgesetzt und mit nur  wenig Erde zum Wurzeln und für die Wasseraufnahme? Laut Planern vor allem Pflanzen aus dem Bergbereich. Damit das Bunker-Dach im Winter nicht grau ist, wollen die Landschaftsarchitekten außerdem auf immergrüne Gewächse setzen. Vor allem bei den vielen Rankpflanzen an der Fassade.

Bei den Bäumen und höheren Sträuchern sollen Zypressen, Wacholder, Kiefern und Lebensbäume gepflanzt werden. Sie sollen auf den Terrassen eine Höhe von zwei bis drei Metern erreichen können. Auf dem Dach sogar mehr als  fünf Meter.

Laubabwerfende Bäume gibt es nur wenige, dazu gehören in der Planung nur Ahorn und Felsenbirne. Bewässert werden alle Pflanzen über eine ausgeklügelte Bewässerungs-Anlage. Und wenn die Planer sich verschätzen und die Bäume reihenweise eingehen? Die  Bunker-Planer versichern: Wo welche Bäume und in welcher Größe geplant sind, das ist  in den Bauplänen verbindlich festgehalten. 

Das bedeutet: Wenn ein Baum eingeht, ist der Bunker-Besitzer gegenüber der Stadt verpflichtet, ihn zu ersetzen. Holzapfel-Herziger: „Dann muss per Kran oder Lastenaufzug ein neuer Baum hochgebracht und gepflanzt werden.“