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Sohn (18) des Serien-Vergewaltigers: „Meinem Vater ist nicht mehr zu helfen!“

Mark S. (damals 23) während der Gerichtsverhandlung im Februar 2001

Mark S. (damals 23) während der Gerichtsverhandlung im Februar 2001

Foto:

Juliane Garstka/ MOPO Archiv

Wuscheliges Haar, schlaksiger Körper, verzweifelter Blick: Andreas S. (Name geändert) ist der 18-jährige Sohn des Serien-Vergewaltigers Mark S. (35). Dass sein Vater nur wenige Tage nach seiner Haftentlassung wieder straffällig wurde, macht ihn fertig: „Dem ist nicht mehr zu helfen!“


Über seinen gewalttätigen Vater zu sprechen, fällt Andreas S. schwer. Zu viel Wut hat sich in ihm gestaut. Immerhin wanderte Mark S. hinter Gitter, als der Junge vier Jahre alt war. Jetzt kam er frei, verbrachte gerade einmal zehn Tage beim Sohn in Ottensen – bis Mark S. auf einem nahen Friedhof wieder eine Frau vergewaltigte.

„Was soll ich dazu noch sagen?“, fragt der 18-Jährige. Sein Vater ist ein Serien-Vergewaltiger, der wegen des Missbrauchs von fünf Frauen zwölf Jahre lang im Knast saß. Mitte Januar ließ die Justiz ihn laufen. Einfach so – ohne Sicherungsverwahrung, ohne dauernde Observation. Und das, obwohl es absehbar war, dass der Mann wieder zuschlagen würde.


Jetzt kommt heraus: Der Polizei, der Staatsanwaltschaft und dem Gericht waren schlicht die Hände gebunden – wegen eines psychiatrischen Gutachtens!


Der juristische Ablauf: Im Jahr 2001 wird der damals 23-Jährige zum ersten Mal verurteilt, weil er eine 44-jährige Frau vergewaltigt und schwer verletzt hatte. Er muss 6,5 Jahre ins Gefängnis. Im Jahr 2003 werden dem Häftling anhand von DNA-Spuren vier weitere Vergewaltigungen nachgewiesen! Es gibt einen neuen Prozess. Beim Staatsanwalt schrillen die Alarmglocken, er beantragt vor Gericht eine Sicherungsverwahrung nach der Entlassung – Mark S. sollte hinter Gittern bleiben.


Doch der Richter lehnt ab, verurteilt den Serien-Vergewaltiger nur zu insgesamt zwölf Jahren Haft. Grundlage der Entscheidung war das Gutachten eines Psychiaters. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass „bei dem Beschuldigten kein Hang zu erheblichen Straftaten“ besteht! Wieso der Arzt so urteilte, ist unklar.

Im Nachhinein konnten also weder Polizei noch Justiz etwas tun. „Für eine Sicherungsverwahrung fehlten schlicht die gesetzlichen Grundlagen“, so Gerichtssprecherin Ruth Hütteroth. Auch nachträglich hätte man sie aus juristischen Gründen nicht mehr verhängen können, da Mark S. nach seiner ersten Verurteilung keine weiteren Straftaten begangen hatte – die anderen Vergewaltigungen hatten ja vorher stattgefunden. Und auch während der Haftzeit hat sich Mark S. nichts zu Schulden kommen lassen, keine Angriffe auf Bedienstete, keine Übergriffe auf Mithäftlinge, nichts.


Dass ein weiterer Gutachter vor der Entlassung vor einem Rückfallrisiko warnte, spielte da keine Rolle. Auch eine Observation war laut Polizei nicht möglich. Denn dies ist nur bei einer konkreten Gefahr möglich – die streng juristisch nicht gegeben war. Zwar wurde eine elektronische Fußfessel beantragt. Doch der Richter lehnte ab. „Die hätte ihn nicht von Straftaten abgehalten“, so das Landgericht.


Jetzt, nach der Vergewaltigung einer 65-Jährigen, sitzt Mark S. im Knast. Wie lange, ist noch unklar. Man kann nur hoffen, für immer.





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