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Sie will ihre Töchter schützen: Hamburgerin plant Aufstand gegen Nackt-Reklame

Stevie Schmiedel (40) vor einem Plakat an der Bundesstraße nahe der Emilie-Wüstenfeld-Schule.

Stevie Schmiedel (40) vor einem Plakat an der Bundesstraße nahe der Emilie-Wüstenfeld-Schule.

Foto:

Marius Roeer

Jetzt sind sie wieder auf jeder Werbetafel zu sehen: Frauen, die in zweideutiger Pose Eis schlecken, junge Mädchen, die mit laszivem Blick Bikinis präsentieren. Und Heidi Klums „Topmodels“ sowieso. Bauch, Beine, Po – wohin man guckt. Doch eine Mutter aus Eimsbüttel sagt der Fleisch-Schau jetzt den Kampf an: um ihre Töchter zu schützen!

Zwar regt sich außer dem Papst kaum noch jemand öffentlich über sexistische Plakate auf. Doch Stevie Schmiedel (40) hat „die Schnauze voll“. Geht sie mit ihren Töchtern (5 und 8 Jahre alt) durch Eimsbüttel, sehen diese nicht nur überall Reklame für Bikinis und Reizwäsche, sondern auch ein Plakat von Tierschützern. Unter Playmates im Häschen-Outfit steht der Schriftzug: „Bunnys gehören vernascht, nicht gegessen“.

Dieses Frauenbild will Schmiedel, die in Großbritannien in Geschlechterforschung promoviert hat und an der Uni Hamburg zum Thema lehrte, ihren Kindern nicht vermitteln: „Mädchen werden von Wirtschaft und Werbung viel zu früh sexualisiert. Das ist nicht zum Wohl unserer Kinder.“

Auch Jungs bekämen eine schräge Wahrnehmung des anderen Geschlechts. Doch anders als bei TV, Zeitung oder Internet sei man Straßenreklame ausgeliefert. „Hier wird die Öffentlichkeit mit einem Image besetzt, gegen das man nichts machen kann.“ Sie fordert ein „Ende der sexistischen Werbung“.

Die meisten Flächen vermietet der Senat, macht damit laut Anfrage der Linken 24 Millionen Euro im Jahr. Einfluss auf die Inhalte hat er nicht. „Ein paar Bikini-Plakate sind ja kein Problem, aber Tausende schon“, sagt Schmiedel – da das so vermittelte Frauenbild gefährlich sei.

Eine Studie des Internationales Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) kam gerade zu dem Ergebnis, dass die Sendung „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) bei Mädchen Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper steigere. Selbst Elfjährige fänden plötzlich ihren Bauch und ihre Beine zu dick und planten, weniger zu essen.

„Wenn Mädchen sich trotz normalen Gewichts als zu dick empfinden, sind sie anfälliger für eine Essstörung“, sagt Stephan Herpertz von der Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Er sieht durch bei GNTM verbreitete Frauenbilder ein „nicht zu unterschätzendes Gefährdungspotenzial für junge Frauen“ und fordert einen „öffentlichen Diskurs“.

Für Schmiedel gilt das Gleiche für Werbung. Die Modezeitschrift „Vogue“ etwa erklärte, künftig auf allzu dünne Models zu verzichten. Denn nur zwei Prozent aller Frauen erfüllen das in Show und Werbung gepriesene Maß. Zudem sind immer mehr junge Frauen unzufrieden mit ihrem Körper. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts wies bei 29 Prozent der befragten Mädchen Hinweise auf eine Essstörung nach. Und Schmiedel merkte in Seminaren, dass auch junge Männer nicht mehr so aufgeklärt seien wie noch vor zehn Jahren.

Deshalb will sie einen Ableger der englischen Initiative „Pink Stinks“ („Pink stinkt“) gründen. Die wehrt sich nicht nur gegen sexistische Werbung und Shows, sondern die Rückkehr alter Rollenklischees, ob bei Spielzeug oder Kleidung. „Mädchensachen gibt es heute fast nur noch in Pink“, klagt Schmiedel. „Die werden zu kleinen süßen Prinzessinnen erzogen, die als Berufswunsch Model statt Ärztin angeben.“ Ihre fünfjährige Tochter immerhin wünscht sich nicht nur einen Puppenwagen, sondern auch eine Armbrust dazu.