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Selbstjustiz in Wilhelmsburg: Vater verprügelt Schulhof-Dealer

Marco S. (39), dreifacher Vater aus Wilhelmsburg, sagt: „Ich habe den Mann, der meinen Kindern Marihuana verkaufen wollte, aufgesucht und zusammengeschlagen.“

Marco S. (39), dreifacher Vater aus Wilhelmsburg, sagt: „Ich habe den Mann, der meinen Kindern Marihuana verkaufen wollte, aufgesucht und zusammengeschlagen.“

Foto:

Ruediger Gaertner

Marco S. hat es nicht mehr ausgehalten: „Die Zustände hier sind mittlerweile unerträglich – selbst Zehnjährigen werden Drogen angeboten. Und niemand ist in der Lage, etwas dagegen zu tun“, schimpft der 39-jährige Wilhelmsburger. Der dreifache Vater griff aus Sorge um seine Kinder sogar zur Selbstjustiz: „Ich habe den Dealer meiner Kinder verprügelt!“

„Was sich hier im Viertel abspielt, ist nicht mehr zum Aushalten“, sagt Marco S. (Name geändert). „Meinen drei Kindern – sie sind zwischen 11 und 15 Jahren alt – wird im Umfeld der Stadtteilschule Wilhelmsburg immer wieder Marihuana angeboten“
Mehrfach habe er gegenüber Lehrern und der Polizei auf das Problem aufmerksam gemacht, erzählt er. „Ohne nennenswerten Erfolg.“ Offiziell Anzeige erstattet habe er jedoch nicht.

Der Schulleiter beteuert, dass es an seiner Schule kein Drogenproblem gebe. Allerdings: Suchtexperten beklagen seit Langem, dass Dealer gerade in der Nähe von Schulen ihr Unwesen treiben.

„Als ich irgendwann feststellte, dass sich nichts ändert, habe ich selbst recherchiert“, erzählt der selbstständige Geschäftsmann Marco S. „Ich fand raus, dass der Typ, der meinen Kindern Marihuana verticken wollte, Gino heißt und 28 Jahre alt ist. Ich habe über diesen Typen viele schlimme Dinge erfahren. Die Polizei hat ihn wegen der Dealerei zwar schon mal festgenommen, verurteilt wurde er aber offenbar nicht.“

Anfang des Jahres verliert Marco S. die Geduld: Er findet heraus, dass „Gino“ an der Mannesallee wohnt – und stattet ihm einen Besuch ab: „Ich habe bei ihm geklingelt und so getan, als wolle ich Marihuana kaufen. Als er die Tür öffnete, hab’ ich ihn gepackt und zur Rede gestellt. Als er auf mich losgehen wollte, habe ich ihm mehrfach ins Gesicht geschlagen. Dabei habe ich ihm auch die Nase gebrochen.“

Ein abenteuerliches Vorgehen, das Marco S. jedoch verteidigt: „Es ging mir nicht darum, einen Menschen zu verletzen, sondern darum, ein Zeichen zu setzen. Den Dealern zu zeigen, dass wir Eltern nicht tatenlos zusehen, wie sie ihr Zeug an unsere Kinder verkaufen. Und das scheint Wirkung gehabt zu haben: Gino wurde seitdem nicht mehr im Viertel gesehen!“

Dennoch: Sein Angriff auf den mutmaßlichen Dealer war Selbstjustiz. Und Selbstjustiz ist illegal. Jedoch, so glaubt Marco S., habe er damit vielen Wilhelmsburger Eltern aus der Seele gesprochen: „Hier leben viele alleinerziehende Mütter, die mit den Drogenproblemen ihrer Kinder total überfordert sind. Nach meinem Besuch bei Gino haben mich viele von denen zum Kaffee eingeladen und sich bei mir für die Aktion bedankt.“


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