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Schlacht zwischen Kurden und Salafisten: Polizei zu den Krawallen am Steindamm: Es hätte Tote geben können

Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Foto:

Marius Roeer

Die Schlacht um die syrische Stadt Kobane wird immer dramatischer. Seit Tagen toben Kämpfe zwischen Kurden und den IS-Terroristen an der türkischen Grenze. In zahlreichen deutschen und europäischen Städten gehen Kurden immer wieder auf die Straße. In Hamburg besetzten die Demonstranten am Dienstagnachmittag für etwa eine Stunde die Gleise am Hauptbahnhof. Am späten Abend kam es am Steindamm zu blutigen Ausschreitungen zwischen den Protestlern und Salafisten.

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot in St. Georg vor Ort. Je 400 Kurden und Salafisten stehen sich vor einer Moschee gegenüber. Die Stimmung ist aufgeheizt, einige tragen Messer, Macheten, Holz- und Eisenstangen bei sich. Die Polizei ist in höchster Alarmbereitschaft, Zufahrtsstraßen zur Moschee sind abgesperrt. Der Konflikt eskaliert im Bereich Steindamm/Kleiner Pulverteich. Die Gruppen gehen aufeinander los. 14 Menschen werden teils durch Messer-Attacken verletzt - vier von ihnen schwer. Die Polizei versucht die Lage unter Kontrolle zu bringen, Wasserwerfer kommen zum Einsatz. Eine verflucht heikle Situation. Erst gegen 1.30 Uhr beruhigt sich die Lage.

Die Nachrichtenagentur Ruptly hat bei YouTube ein Video veröffentlicht.

In der Moschee waren zum Zeitpunkt der Ausschreitungen mehrere Muslime zum Gebet versammelt, als einige Salafisten versuchten ins Gebäude zu kommen. "Für uns war das eine sehr bedrohliche Situation", sagte Daniel Abhin, Vorsitzender der islamischen Gemeinde, dem "Abendblatt". Plötzlich waren die Gemeindemitglieder der Moschee zwischen den Fronten. Abdin: "Ich hatte Angst um ihre Sicherheit. Wir verurteilen jede Art von Gewalt." Es könne nicht sein, so der Gemeindechef, dass "wir Kriege der Welt nach Hamburg importieren."

Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Polizei-Gewerkschaft DPolG, und der Bundesvorsitzende Rainer Wendt gaben am Mittwoch eine gemeinsame Erklärung ab. Darin bezeichneten sie die Ausschreitungen als "bürgerkriegsähnliche Gewaltexzesse". Lenders: "Ohne professionellen Einsatz der Polizei hätte es wahrscheinlich Tote gegeben." Beide fordern die Abschiebung "nichtdeutscher Gewalttäter".

Schon in der Nacht zum Dienstag artete eine Protest-Aktion in der Hamburger Innenstadt aus: Von der anfangs friedlichen Demo mit etwa 300 Teilnehmern spaltete sich in der Nacht eine Gruppe von rund 50 Personen ab und attackierte einen türkischen Imbiss am Steindamm. Laut Polizeiangaben wurden letztendlich 14 Verdächtige in Gewahrsam genommen.

Auch am Dienstag versammelten sich mehrere hundert Protestierende am Hauptbahnhof. Gegen 14.30 Uhr bildete sich ein Protestzug von rund 500 Menschen und zog durch die Innenstadt. Gegen 17 Uhr setzte sich eine Gruppe von etwa 100 Demonstranten ab und stürmte die Gleise am Hauptbahnhof. Die Bundespolizei sperrte daraufhin vorläufig alle Gleise. Es kam zu erheblichen Verspätungen. Nach 18 Uhr hätten die Kurden die Gleise freiwillig wieder verlassen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Protestaktionen gab es neben Hamburg auch in Berlin, Bremen, Hannover, Düsseldorf, Dortmund, Münster, Frankfurt/Main und Stuttgart. Manche Protestierer trugen Fahnen linksextremistischer Organisationen. Auch Bilder des in der Türkei inhaftierten früheren Chefs der kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, waren zu sehen. Die PKK ist auch in Deutschland verboten und wird in der EU und den USA als terroristische Vereinigung geführt.