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Saliya Kahawatte: Das unglaubliche Märchen des blinden Kellners aus Hamburg

Saliya Kahawatte

Er kann es immer noch: Saliya Kahawatte mixt Cocktails nach Gefühl – immer genau bis zum Eichstrich.

Foto:

MOPO/Schimkus

Er ist blind und keiner merkt es! Was andere mit den Augen sehen, hört, fühlt und riecht Saliya Kahawatte mit Ohren, Händen und Nase. Der ehemalige Hotelmanager hört am Klang der Gläser, ob sie sauber sind, den Inhalt einer Flasche erfühlt er an ihrer Form. Eine Geschichte, wie sie sonst nur im Märchen-Buch zu finden ist. Jetzt wird er damit zum Kino-Helden.

„Das können Sie nicht“, sagen die Berater beim Arbeitsamt, als Saliya Kahawatte, kurz „Sali“, ihnen erzählt, dass er trotz seiner Behinderung Abitur an einer normalen Schule und eine Ausbildung zum Hotelmanager machen will. Doch der ehrgeizige Sohn einer Deutschen und eines Singhalesen möchte sich seinen Traum um jeden Preis erfüllen.

Dieser Preis: eine lebensbestimmende Lüge. Als Sali im Alter von 15 Jahren wegen einer Netzhautablösung über Nacht 80 Prozent seines Sehvermögens verliert, erzählt er es nur seiner Familie. Obwohl er wie durch eine dicke Milchglasscheibe sieht, versucht der Junge nicht aufzufallen in der Welt der Sehenden. Nachts lesen ihm Schwester und Mutter aus Schulbüchern vor. Das trainiert sein Gedächtnis. „Mein Gehirn arbeitet wie ein Computer“, sagte er vor einiger Zeit im MOPO-Interview.

Die Tricks des blinden Kellners

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Fashion-Zwillinge und Freunde: Kostja Ullmann (32, l.) und Saliya Kahawatte (46).

Foto:

dpa

Mit Hilfe dieses „Computers“ besteht Sali sein Abitur und beginnt eine Lehre zum Hotelmanager in Hannover. Sein Sehvermögen ist mittlerweile auf fünf Prozent geschrumpft – doch das bemerkt niemand. Sali trickst: „Ich zählte Treppenstufen, um ans Ziel zu kommen. Die Getränkekarte, die Preise und die Buchungs-Nummern für die Kasse lernte ich auswendig.“ Sogar Gläser poliert und befüllt er nach ihrem Klang.

In Hamburg wird Sali 1993 sogenannter Stations-Kellner in einem Fünf-Sterne-Hotel. Er bringt Gästen ihr Essen, schenkt ihnen Wein ein und erklärt untergeordneten Kellnern, was sie zu tun haben. Es geht steil bergauf für den damals 24-Jährigen. Er wird zum stellvertretenden Abteilungsleiter, anschließend Bankett-Manager. Ganze 15 Jahre lang verheimlicht er seine schwere Sehbehinderung.

Doch die Lüge macht ihn kaputt. Aus Angst aufzufliegen trinkt er Alkohol in Massen, kokst. Es folgen Suizidversuche und Psychiatrie-Aufenthalte. Als er ganz unten ist, wird Sali klar, wie er alles beenden kann. Er muss die Wahrheit sagen, Schluss mit den Lügen. So kommt er wieder auf die Beine und arbeitet heute als Unternehmensberater.

Ein Schicksal, das auch Deutschlands Filmemachern nicht verborgen blieb. Am kommenden Donnerstag kommt „Mein Blind Date mit dem Leben“ in die Kinos. Der Film zeigt das Leben des heute 46-Jährigen. Gespielt wird er von Kostja Ullmann (32, „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“). Keine leichte Aufgabe, wie der Kino-Schnuckel schnell feststellen musste.

„Das war extrem. Ich war völliger Hilflosigkeit ausgesetzt“, beschreibt er seine Gefühle, als er die 2730 Euro teuren Übungs-Kontaktlinsen einsetzte, durch die er nur noch zehn Prozent seiner Sehkraft besaß.

„Das erste Mal habe ich sie zu Hause eingesetzt, weil ich dachte, da kenne ich mich aus. Falsch gedacht. Ich bin sofort gegen einen Türrahmen gelaufen und habe mir einen schönen blauen Fleck geholt“, so Ullmann im MOPO-Interview. Worte, die Salis Leben und die Art, wie er es meistert, noch unfassbarer erscheinen lassen. „Es war eine Riesen-Herausforderung, jemanden zu spielen, der so etwas Unglaubliches geschafft hat wie er.“ 

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