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Revolte in der Amtsstube: Inge Hannemann will Hartz IV kippen

Inge Hannemann hat gegen Hartz IV gepestet und verlor ihren Job im Arbeitsamt.

Inge Hannemann hat gegen Hartz IV gepestet und verlor ihren Job im Arbeitsamt.

Foto:

Patrick Sun

„Hartz IV ist gescheitert!“, sagt Inge Hannemann. Die 45-Jährige war Jobvermittlerin, ihre Aufgabe unter anderem: Sanktionen verhängen, wenn ihre langzeitarbeitslosen „Kunden“ beispielsweise nicht zum Termin erscheinen. Doch das tat sie nicht.

Deshalb ist sie inzwischen von der Arbeit freigestellt – und kämpft vor Gericht um ihren Job.

Journalisten, Fernsehteams, Fotografen: Ein wahrer Medienrummel findet am Donnerstag Morgen vor dem Arbeitsgericht in Barmbek statt. Mittendrin: Inge Hannemann (45). Suspendierte Arbeitsvermittlerin aus Altona und bekennende Hartz IV-Gegnerin. „Es geht hier nicht um mich, es geht um die Millionen Erwerbslosen“, sagt sie.

Über Monate hatte Hannemann sich in ihrer Funktion als Arbeitsvermittlerin beim Jobcenter Altona geweigert, ihren langzeitarbeitslosen „Kunden“ – so der offizielle Sprachgebrauch – Sanktionen aufzuerlegen, also die Bezüge zu kürzen. Das ist üblich, wenn Hartz IV-Empfänger beispielsweise nicht zum Termin erscheinen oder ein Jobangebot ignorieren. „Das ist menschenunwürdig“, findet Inge Hannemann.

Ihrer Meinung nach reicht das Geld, dass ihre „Kunden“ bekommen, ohnehin hinten und vorne nicht. Überhaupt gebe es „gravierende Missstände“. Das schrieb sie auch auf ihrer Internetseite, ein Blog. Immer wieder übte sie dort Kritik an Hartz IV, den Jobcentern. Im April reichte es ihrem Arbeitgeber dann: Inge Hannemann wurde von der Arbeit freigestellt, durfte ihr Büro nicht mehr betreten. Ihr Anwalt findet klare Worte dafür: Inge Hannemann wurde vom Jobcenter „kaltgestellt“.

In der Begründung für die Suspendierung heißt es, dass sie „Störungen des Betriebsablaufs“ verursacht habe. „Hier geht es um Demokratie. Ich werde solange weiterkämpfen, bis ich vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte lande!“, sagt Hannemann und geht – begleitet von zahlreichen Unterstützern und Journalisten – ins Gericht.

Im Saal 113 wird es eng. Eine knappe Stunde trägt Inge Hannemann mit ihrem Anwalt ihren Standpunkt vor. Sie wolle weiterarbeiten, die Suspendierung sei unberechtigt. Ihre Noch-Chefs sehen das anders. Und am Ende entscheidet das Gericht: Die Entscheidung wird vertagt.


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