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Rahlstedts Mütter: Angst vor dem Kinderschänder

Der Alte Zollweg in Rahlstedt. In einer Seitenstraße fiel der bislang nicht gefasste Täter über die 14-Jährige her.

Der Alte Zollweg in Rahlstedt. In einer Seitenstraße fiel der bislang nicht gefasste Täter über die 14-Jährige her.

Foto:

Ruediger Gaertner

In Rahlstedt geht die Angst um. Nach dem sexuellen Missbrauch einer 14-Jährigen in deren Elternhaus ist der Täter noch immer auf der Flucht. Die Menschen sind besorgt, dass er erneut zuschlagen könnte.


„Ich habe große Angst, wenn meine Töchter draußen unterwegs sind“, sagt Arzthelferin Tanja W. (46) aus Rahlstedt. „Ich habe mit meinen Kindern über den Fall gesprochen. Meine Ältere, sie ist 16, sagt dann immer: ,Mama, mir passiert schon nichts.‘“

Mandy M. (21) hingegen ist schon einmal etwas „passiert“: „Das war vor etwa drei Wochen“, erinnert sich die medizinische Fachangestellte. „Ich war auf dem Weg zum Auto und wurde von einem fremden Mann gepackt und festgehalten. Zum Glück konnte ich mich losreißen.“ Seit dem Vorfall habe sie große Angst, sagt Mandy M. „Ich kann nur noch mit Licht einschlafen und traue mich kaum noch allein auf die Straße.“


Der Vorfall, der Rahlstedt – mit rund 86000 Einwohnern der bevölkerungsreichste Stadtteil Hamburgs – schockiert, hatte sich am Donnerstagnachmittag ereignet: Die 14-Jährige ist auf dem Weg nach Hause. Ihr Elternhaus liegt in einer kleinen Nebenstraße zwischen dem Alten Zollweg und der Bargteheider Straße in Rahlstedt. Die genaue Adresse verrät die Polizei zum Schutz des Opfers nicht. Vor der Haustür wird das Mädchen von einem etwa 25 Jahre alten Mann angesprochen. Die Schülerin reagiert ablehnend, geht ins Haus.
Unglaublich: Der Fremde folgt ihr und drängt sie in den Flur. Die 14-Jährige wehrt sich. Doch davon lässt sich der Täter nicht abschrecken: Laut Polizei nimmt er „sexuelle Handlungen“ an ihr vor.


Erst als die Mutter, die sich im Obergeschoss aufhält, wegen der Schreie ihrer Tochter ins Wohnzimmer stürmt, flüchtet der Täter. Die 47-Jährige kann ihn noch knapp 200 Meter weit verfolgen, dann verliert sie ihn aus den Augen. Eine Fahndung der Polizei bleibt ohne Erfolg.


Das Landeskriminalamt 42 (Fachkommissariat für Sexualdelikte) übernimmt die Ermittlungen. Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach dem Täter. Ob DNA-Spuren sichergestellt werden konnten, ist nicht bekannt. Bisher ist ein Foto der Jacke des Täters der einzige Hinweis, den die Ermittler öffentlich machten. Die Polizei hält den Mann für sehr gefährlich: Er sei schließlich ein großes Risiko eingegangen, indem er seinem Opfer bis ins Haus folgte. Zeugen werden dringend gebeten, sich unter Tel. 4286-56789 zu melden.


Auch wenn in Rahlstedt nun die Angst vor dem Kinderschänder umgeht: Die Anzahl der zur Anzeige gebrachten Gewalttaten im Stadtteil war zuletzt rückläufig. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik ist die Zahl der Gewalttaten – dazu gehören neben Mord, Totschlag, Körperverletzung oder Raub auch Sexualdelikte – in Rahlstedt mit 259 Fällen im Jahr 2011 leicht gesunken (3 Prozent weniger als im Vorjahr). 72,6 Prozent der Taten konnte die Polizei aufklären.