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MOPO.de | Flüchtlings-„Ghettos“: Herbe Kritik an Olaf Scholz
19. January 2016
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Flüchtlings-„Ghettos“: Herbe Kritik an Olaf Scholz

Heinz Buschkowsky

Heinz Buschkowsky war am Dienstag als Redner im Hamburger Rathaus zu Gast.

Foto:

Sun

Der frühere Neuköllner Bürgermeister und beliebte Talkshow-Gast Heinz Buschkowsky (67, SPD) nimmt auf Einladung der FDP-Bürgerschaftsfraktion als Sachverständiger an der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses teil - und es kommen so viele Zuhörer, dass der große Festsaal des Rathauses reicht nicht ausreicht, um alle aufzunehmen. Thema: Flüchtlingsunterkünfte. Rund 500 Bürger hatten zuvor vor dem Rathaus gegen „Ghettos“ demonstriert.

„Die Städte werden Gebiete kriegen, in denen es Paralellgesellschaften gibt“, warnt Buschkowsky und das Publikum bricht in Applaus aus. „Die Großstädte werden den Zulauf nicht bewältigen, die werden an den Rand des Zerbrechens kommen.“

Als er Unterkünfte für mehrere tausend Flüchtlinge als „Beginn von Brennpunkten“ bezeichnet, gibt es wieder Jubel und Klatschen. Der Ausschussvorsitzende Jörg Hamann (CDU) bittet um Ruhe.

Demo gegen Ghettos vor dem Rathaus

Rund 500 Bürger demonstrieren vor dem Hamburger Rathaus.

Buschkowsky ist kurz irritiert („wenn jemand einen roten Faden findet, bitte abgeben, das ist meiner“), berichtet dann von Erfahrungen in Norwegen: „Dort gibt es in den Siedlungen Ombudsmänner, die die Sprache der Bewohner sprechen und Ordnungsfunktionen haben.“

Sein Fazit: „Es hat keinen Sinn, in den Quartieren Schulen und Kitas nur für Flüchtlinge zu bauen, die Größe der Quartiere sollte sich unbedingt in Grenzen halten.“ Das Publikum hält sich an die Anweisung des Vorsitzenden und klatscht nicht.

Der große Festsaal ist überfüllt

Mit diesem Andrang hatte wohl keiner gerechnet: Der große Festsaal des Rathauses ist vollkommen überfüllt.

Noch vor Sitzungsbeginn hatte Buschkowsky sich kritisch zur Politik seines Parteikollegen Olaf Scholz geäußert: „Ich finde Unterkünfte für mehr als 5000 Menschen integrationsfeindlich.“

Kurz nach Buschkowskys Beitrag verlassen immer mehr Zuhörer den Saal. Die sechs weiteren Sachverständigen, etwa vom DRK, der Saga, sowie mehrere Professoren, stoßen auf deutlich weniger Interesse.

Einmal wird es noch laut:  Als der Migrationsforscher Jens Schneider von der Uni Osnabrück spricht. „Hamburg entwickelt sich auch ohne Flüchtlinge zu einer Stadt, in der diejenigen ohne Migrationshintergrund wie alle anderen zu einer Minderheit gehören werden. Die Einheimischen werden vielfältig sein, je eher wir uns darauf einstellen, desto besser.“ Laute Buhrufe aus dem Publikum.