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Lebensmittel gratis: Die guten Menschen von Eimsbüttel

Marco Scheffler (45, 2. v. l.) verteilt seit fast einem Jahr Lebensmittel an Bedürftige und Anwohner. Tina Strese (46), Achmed (52) und Justus Niemeyer (49, r.) helfen gern.

Marco Scheffler (45, 2. v. l.) verteilt seit fast einem Jahr Lebensmittel an Bedürftige und Anwohner. Tina Strese (46), Achmed (52) und Justus Niemeyer (49, r.) helfen gern.

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Patrick Sun

Auf dem Tisch an der Methfesselstraße in Eimsbüttel türmen sich Erdbeeren und Champignons, daneben Fleisch und Schokolade. Marco Scheffler (45) drückt einer jungen Frau im Vorbeigehen einen Kopfsalat in die Hand: „Nimm mit“, sagt er und sortiert die Kisten mit Lebensmitteln. „Götterspeise“ heißt das Projekt, mit dem er Essen vor der Mülltonne bewahrt.

„Das ist doch kein Abfall“, sagt Barbesitzer Marco Scheffler. Er habe schon als Kind gelernt, dass Essen nicht in den Müll gehört. Elf Millionen Tonnen Nahrungsmittel werden jährlich in Deutschland weggeschmissen. Eine enorme Menge. Mit seiner Aktion will der politisch und sozial engagierte 45-Jährige etwas gegen die Wegwerfgesellschaft tun. Seit fast einem Jahr steht er jeden Abend vor dem Edeka an der Osterstraße, verschenkt Süßigkeiten und frisches Obst.

Am Dienstag hat er schon nachmittags einen Anruf bekommen. Zwölf Kisten mit etwa 50 Kilo Lebensmitteln kann Marco Scheffler beim Supermarkt abholen. Ganz umsonst. Mit Freunden und Kollegen schleppt er alles vor seine Bar an der Methfesselstraße und stellt es dort auf. Jeder, der vorbeigeht, bekommt etwas in die Hand gedrückt. „Mir ist es egal, ob die Leute bedürftig sind oder genug Geld haben. Ich will einfach nicht, dass die Sachen im Müll landen“, sagt er. Oft ist schon nach einer Stunde alles weg.

Anwohnerin Mandy Drebold (25) ging eigentlich nur zufällig an dem kleinen Stand vorbei: „Als Praktikantin kann ich mir nicht viel leisten. Ich bin sehr dankbar für ein paar zusätzliche Leckereien.“ Für Frührentnerin Tina Strese (46) ist das Projekt von Marco Scheffler ein wahrer Segen: „Obst kann ich mir nicht leisten. Deswegen komme ich oft her und nehme etwas mit. Manchmal helfe ich, wie heute, bei der Organisation.“

Um 21.15 Uhr bekommt Marco Scheffler schon wieder neue Ware. Unverkäufliche Reste vom Supermarkt. „Abends kommen meistens Stammkunden“, sagt er. Sie retten Lebensmittel vor dem Müll. Jeden Tag.