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Lärm-und Lichtbelästigung?: Der Windrad-Krieg in den Vierlanden

Für Agnes (61, v.l.) und Jan Kahlbrock (60), Stefan Becker (49), Carsten Jacob (55), Herbert Diercks (53) und Margarete Krooss (77) sind die Windräder keine Belästigung, sondern sinnvoll.

Für Agnes (61, v.l.) und Jan Kahlbrock (60), Stefan Becker (49), Carsten Jacob (55), Herbert Diercks (53) und Margarete Krooss (77) sind die Windräder keine Belästigung, sondern sinnvoll.

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Florian Quandt

Frischen Wind für Hamburg – das will die SPD-Regierung. Heißt: Weg von der Atomkraft. Hin zu alternativen Energien. So sollen besonders im Süden der Stadt neue Windenergieanlagen aufgestellt werden. Doch dort haben die Pläne des Senats einen regelrechten Krieg ausgelöst. Zwei Fronten stehen sich unversöhnlich gegenüber: Gegner und Befürworter.

Für den Senat ist die Windenergie „ein zentraler Bestandteil der Energiewende“. Schon jetzt drehen sich im ganzen Stadtgebiet 59 der dreiflügeligen Räder, die zusammen 50 Megawatt erzeugen. Künftig soll die Leistung auf 100 Megawatt verdoppelt werden. Dafür sollen in den Vier- und Marschlanden neue bzw. höhere Anlagen gebaut werden. Eine ganze Reihe von Anwohnern vor Ort dreht schon jetzt am Rad.

„Wer nicht direkt neben so einer Anlage wohnt, hat leicht reden“, schimpft Karsten Paulssen, Bauingenieur aus Ochsenwerder. „Wir haben Angst um unsere Gesundheit!“ Da sei zum einen die Lärmbelästigung. Zum anderen die ständige Vibration am Horizont, die bei den Anwohnern für Nervosität sorge. Ein weiteres Problem sei die Beleuchtung der nun 150 bis 180 Meter hohen neuen Anlagen (die alten waren gerade mal 90 Meter hoch). „Das Licht sorgt für Schlaflosigkeit“, so die Befürchtung.
Und auch die Schatten, die die Anlagen werfen, empfinden die Anwohner als Bedrohung. Als Einschränkung ihrer Lebensqualität. Mal abgesehen davon, dass sie eine Wertminderung ihrer Grundstücke befürchten.

Paulssen und seine Nachbarn in Altengamme, Ochsenwerder und Neuengamme haben sich zur „Bürgerinitiative Windanlagen Ochsenwerder“ zusammengeschlossen. Sie sammeln Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die geplante Änderung des Flächennutzungsplans. Wobei sie eins klarstellen: „Wir sind nicht gegen regenerative Energien“, so Karsten Paulssen. „Aber wir wollen mindestens 1500 Meter Abstand zwischen den Windrädern und unseren Häusern.“

Der Flächennutzungsplan sehe Abstände von 300 bis 500 Metern vor. So knapp ist es nirgendwo sonst: In Schleswig-Holstein beträgt der Mindestabstand 800, in Brandenburg und Niedersachsen 1000 Meter.

Zwar wirbeln die Gegner der neuen Anlagen ordentlich Sand auf. Doch sie sind nicht die einzigen: Eine Gruppe von Befürwortern versucht ihnen nun den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Klar machen die Räder Geräusche“, sagt Anwohner Jan Kahlbrock (60) vom Kiebitzdeich. „Aber für mich ist das keine Belästigung. In anderen Gegenden Hamburgs leben die Leute an S-Bahn-Linien oder am Flughafen.“

Und die 77-jährige Margarete Krooss aus Altengamme ergänzt: „Die Leute sollten sich lieber Gedanken über die Gefahren der Atomkraft machen. Wir haben hier durch Krümmel ein erhöhtes Leukämie-Aufkommen in der Region. Ich würde mir sogar ein Windrad in den Garten stellen!“


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