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Kriminelle Senioren: Chef der Kripo-Gewerkschaft: Gnade für alte Gauner!

André Schulz, Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), vor dem Hamburgischen Oberlandesgericht

André Schulz, Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), vor dem Hamburgischen Oberlandesgericht

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Marius Röer

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Wenn Oma im Supermarkt lange Finger macht, soll sie milder davonkommen. Doch wer die Hilflosigkeit alter Menschen ausnutzt und sie schamlos ausplündert, soll härter bestraft werden: André Schulz (42), Bundesvorsitzender des BDK (Bund Deutscher Kriminalbeamter), fordert ein spezielles „Seniorenstrafrecht“.


„Kriminalität von älteren Menschen wird kontinuierlich zunehmen und deutliche Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Auf diese Entwicklung müssen wir reagieren“, sagt der Hamburger Kriminalhauptkommissar Schulz. Schon jetzt seien sechs Prozent der Tatverdächtigen älter als 60 Jahre – Tendenz steigend. Der Kripobeamte: „70 Prozent davon sind Ersttäter. Das ist bemerkenswert und ein Indikator für steigende Altersarmut.“


Denn laut Schulz liegt der überwiegende Anteil der Straftaten im Bereich der Eigentumskriminalität. Das betrifft aber nicht nur Ladendiebstähle. Im Internet beispielsweise kann mancher „Silver-Surfer“ der Versuchung nicht widerstehen, beim Onlinehandel zu betrügen.


Auch hier, vermutet Schulz, handeln viele Rentner aus Not, etwa weil sie ihre Miete oder sogar ihre Lebensmittel nicht mehr bezahlen können. „Diese besonderen Bedingungen, die Senioren zu Tätern werden lassen, müssen im Strafrecht Beachtung finden“, so André Schulz.


Im Gegenzug fordert er härtere Urteile gegen Verbrecher, die die Hilflosigkeit oder sogar die Demenz älterer Opfer ausnutzen. „Straff organisierte Tätergruppen haben sich auf ältere Opfer spezialisiert, ich nenne nur den „Enkeltrick“, bei dem Senioren von angeblichen Verwandten angerufen und zur Herausgabe hoher Bargeldsummen genötigt werden.“


Laut Schulz gehen viele Opfer aus Scham nicht zur Polizei. Sogar Suizide von Opfern gebe es. Die Täter stammen demnach meist aus Polen und operieren weltweit. Doch obwohl es sich um Organisierte Kriminalität handele, seien die Urteile viel zu milde: „Die Dimensionen der Taten werden von Richtern und Staatsanwälten nicht immer erkannt. Der Rechtsstaat hat diesem Treiben wenig entgegenzusetzen.“ Schulz’ Forderung: „So wie der Missbrauch eines Kindes ein strafverschärfender Tatbestand des sexuellen Missbrauchs ist, muss auch die Ausplünderung eines Senioren ein qualifizierter Straftatbestand werden.“


Das Thema wird umso wichtiger, je stärker die Gesellschaft altert: 2050 werden mehr als die Hälfte der Deutschen über 50 Jahre alt sein. Auch die Justizminister der Länder haben die Problematik erkannt. Unter Federführung Hamburgs wurde die Arbeitsgruppe „AltersgeRecht“ gegründet.


Das Ziel: alle Gesetze auf ihre Altersgerechtigkeit überprüfen. Hamburgs Justizsenatorin Jana Schiedek (SPD): „Ältere Menschen bedürfen eines höheren Schutzes. Diese Herausforderung nehmen wir an.“