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Keine Wohnung, keine Arbeit: Flüchtlings-Frust in Hamburg

Ayman Daher.

Ayman Daher (40) aus Syrien: „Wenn ich nicht bald arbeiten kann, kehre ich in die Türkei zurück“.

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Quandt

Sie haben kaum etwas dabei, wenn sie in Hamburg ankommen – außer meist hohen Erwartungen: Arbeit, Wohnung, ein sicheres gutes Leben – das wünschen sich Flüchtlinge. Umso ernüchternder, wenn der Traum vom „Paradies Deutschland“ an der harschen Realität überfüllter Unterkünfte, langwieriger Asylverfahren und Sprachproblemen zerplatzt. Die MOPO fragte Flüchtlinge: Bereuen Sie die Flucht? Überraschend: Viele überlegen sogar, zurückzukehren.

Gemütlich schlendern die Männer und Frauen vor der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung an der Schnackenburgallee über den Gehweg. Eilig haben sie es nicht. Warum auch. Ist der Papierkram erst einmal erledigt, bleibt neben dem wöchentlichen Deutschkurs-Besuch nichts – außer Warten. „Ich bin seit einem halben Jahr hier und möchte endlich etwas tun“, sagt Ayman Daher (40).

Er will Geld verdienen, um  Frau und Tochter in Syrien zu ernähren. „Wenn ich das nicht kann, hätte ich sie zumindest gerne bei mir“, sagt Daher. Für ihn steht fest: „Wenn sie in einem halben Jahr nicht bei mir sind, verlasse ich Deutschland.“

Das Problem: Nach Syrien kann er nicht zurück – zu gefährlich. „Viele ,Rückkehrer‘ zieht es daher in die Türkei“, sagt Rückkehrberaterin Anne Helberg (61) vom „Flüchtlingszentrum Hamburg“. Die Sehnsucht nach und die Sorge um die Familie sei der häufigste Grund, Deutschland wieder zu verlassen. „Es sind nicht nur Familienväter, sondern auch junge Männer, die sich um ihre Eltern kümmern wollen.“

Seit Januar haben sich insgesamt 70 Flüchtlinge im Flüchtlingszentrum gemeldet, die zurück in die Heimat wollen. Ein Großteil stammt aus Afghanistan – gefolgt von Iran, Irak und Syrien. Weiterer Grund für deren Rückreise: enttäuschte Erwartungen.

„Ich hatte gehofft, ich bekomme schneller einen Job“, sagt Dawad Khalo Ibrahim (24). Er hat im Irak Landwirtschaft studiert. „Einige gehen aber auch, um einer Abschiebung zu entgehen“, erklärt Anne Helberg. Denn: Einmal abgeschoben, wird es extrem schwer, erneut einzureisen. Dem wollen die Flüchtlinge vorbeugen – falls doch noch das rettende Jobangebot aus Deutschland kommt.

Nach ihrem ersten Kontakt zur Flüchtlingsberaterin bis zur Ausreise vergehen circa zwei bis vier Wochen. „Manchmal ist es gar nicht schlecht, dass das Organisatorische etwas dauert“, so Helberg. Denn: In der Zeit überlegen es sich einige doch noch mal, merken, dass ihre Entscheidung vielleicht überstürzt war. „Oft ist es die erste Panik, die bei den Flüchtlingen aufkommt“, so die Beraterin. Die meisten Rückkehrer melden sich nämlich direkt in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft. „Ab und zu bin ich sogar froh, dass sie einen Rückzieher machen. Ich weiß ja, dass es ihnen hier besser geht“, sagt Helberg.

In Gesprächen versucht die Beraterin die Gründe für den Wunsch zu verstehen, hilft dann bei der Organisation der für die Ausreise nötigen Dokumente. Über die „Internationale Organisation für Migration“ erhält der Ausreisende dann das Ticket – und 500 bis 700 Euro staatliche   Rückkehrhilfe. „Je nachdem, in welches Land er geht“, so Helberg. Letztlich ist es nichts anderes als Starthilfe für das neue alte Leben.




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