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Karl Remy im Altersheim: Als Karl (77) die Rock-Welt revolutionierte

Karl Remy (77) im Altenheim „Elisabeth“ vor dem Riesengong der Schweizer Firma Paiste.

Karl Remy (77) im Altenheim „Elisabeth“ vor dem Riesengong der Schweizer Firma Paiste.

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Florian Quandt

#bigimage
Die Haare schlohweiß, der Bart ebenso. Ganz in Schwarz gekleidet, erinnert Karl Remy ein wenig an den Zauberer Merlin. Doch dieser kauzige Mann, der die MOPO ins Eimsbütteler Altenheim „Elisabeth“ zu einer „Rockgong-Performance“ einlädt, hat mit der Gründung der Band The Monks Musikgeschichte geschrieben.

Was er den Reportern vorspielt, hört sich an wie ein Bienenschwarm, wird immer lauter und lauter – und dann versetzt Karl Remy den riesigen Gong im Speisesaal des Altenheims am Kleinen Schäferkamp mit seinen Schlägen in Schwingungen. Die erzeugen einen Sound, der dem eines startenden Düsenjets ähnelt.

Dann streichelt Remy seinen Gong und erzeugt so einen ganz sanften Ton. Wer sich auf die „Rockgong-Performance“ des 77-Jährigen einlässt, sollte alles vergessen, was er bisher über Gongs wusste. Wenn er überhaupt etwas darüber wusste. „Ich habe die verloren gegangenen Geheimnisse des Gongspielens neu entdeckt und in Rock umgewandelt“, so Remy. Was die Lautstärke betrifft, hat er definitiv recht.

Remy wurde 1935 in Hamburg geboren, nach dem Krieg fuhr er zur See. Er interessierte sich für Musik, lernte in Indien das Gongspielen und studierte an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Er ging in die Werbung, heimste Preise ein und verdiente gutes Geld.

1965 spazierte er durch Stuttgart und hörte aus einer Beat-Kneipe die Töne einer Band. Remy: „Das waren Stücke der Rolling Stones, nur viel besser gespielt.“ Remy ging rein und bot den fünf ehemaligen G.I.s an, sie zu managen. Remy machte aus ihnen The Monks und schrieb zwölf Stücke für die erste Platte „Black Monk Time“. Die „Anti-Beatles“ waren geboren. Die Monks waren ihrer Zeit weit voraus, verwendeten bereits Elemente des Punk.

In der MOPO stand 1967: „Ihre Musik ist so heiß, so brutal, dass die Twens nicht mehr von der Tanzfläche rücken. Die Töne kommen wie Maschinengewehrsalven aus den Instrumenten geschossen. Jeder windet sich, das Blut kocht.“

Es folgen Konzerte im legendären „Top Ten“ an der Reeperbahn, TV-Auftritte und eine Tour durch Deutschland. Die Texte der zweiten Platte „Golden Monk Times“ schrieb Remy nicht mehr. „Das war nicht mehr der alte Sound, ich zog mich enttäuscht zurück.“ Er wendet sich dem Rockgong zu – und füllte den Malersaal des Schauspielhauses.

Er spielt auf seinem Gong, hält gleichzeitig philosophische Vorträge: „So wie wir heute rocken, so wird es morgen rollen. Und sollte es irgendwann aufhören zu rollen, dann fangen wir wieder an zu rocken.“

Nach Kündigung seines Proberaums verstummt der Gong-Rocker 1980. Doch Remy nimmt den Gong mit, als er 2009 ins Altenheim zieht. Ermutigt von „Elisabeth“-Chef Hans-Jürgen Wilhelm erklingt der Gong dort jetzt wieder: jeden Dienstag um 9.45 Uhr.



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