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MOPO.de | Interview mit Günter Elste: Warum fährt der Hochbahn-Chef mit dem Auto zur Arbeit?
18. March 2012
http://www.mopo.de/15392182
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Interview mit Günter Elste: Warum fährt der Hochbahn-Chef mit dem Auto zur Arbeit?

Seit 16 Jahren steht Günter Elste (63) an der Spitze der Hochbahn.

Seit 16 Jahren steht Günter Elste (63) an der Spitze der Hochbahn.

Foto:

Florian Quandt

Im Interview spricht Günter Elste über den Kampf gegen Schwarzfahrer, die Haltestellen der Zukunft, hohe Ticketpreise und er beschwert sich, dass die HafenCity später als seine U-Bahn fertig wird.

MOPO: Seit Kurzem müssen Fahrgäste in Bussen vorn einsteigen. Klingeln schon die Kassen?
Elste: Der Umsatz des Fahrkartenkaufs im Bus ist sofort um 15 bis 20 Prozent gestiegen. Es gibt kaum Probleme, die Fahrgäste nehmen das sehr gut an.

Kritiker bemängeln Verzögerungen an Haltestellen. Und die Busfahrer ließen sich leicht austricksen ...
Da wird übertrieben. Es geht uns bei der Sichtprobe auch nicht um hundertprozentige Härte gegen Schwarzfahrer. Jeder Perfektionismus auf Kosten der Pünktlichkeit wäre übertrieben.

Warum stecken Sie das zusätzliche Geld nicht in niedrigere Ticketpreise?
Das wäre eine faule Rechnung. Wir sind das wohl rentabelste ÖPNV-Unternehmen in Europa – aber ohne staatliche Zuschüsse geht es nicht. Für niedrigere Ticketpreise müsste der städtische Haushalt belastet werden. Wir müssen die Kosten z.B. für steigende Spritpreise an die Passagiere weitergeben.

Wie sieht es mit dem Busbeschleunigungssystem aus?
Wir kommen gut voran. Die Reisezeiten werden sich dank der modernen Ampeln und Spuren deutlich verkürzen. So entstehen zusätzliche Kapazitäten, die wir zumindest auf den MetroBus-Linien auch dringend benötigen.

Und der Individualverkehr leidet?
Das ist Unsinn. Wenn sich die Grünphase um ein paar Sekunden verlängert, wird eine intelligente Ampel die Phase für den Querverkehr auch wieder um diese Zeit verlängern. Es wird keine wesentlichen Beeinträchtigungen für den Individualverkehr geben.

Bleibt es dabei, dass die U4 ab Herbst in die HafenCity fährt?
Ja. Wir sind im Plan, auch bei den Kosten. Uns betrübt allerdings, dass die Investoren in der HafenCity hinterherhinken. Sie haben zur Bedingung für ihr Investment gemacht, dass die U-Bahn zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein soll – aber durch die Finanzmarktkrise bis zu zwei Jahre verspätet angefangen zu bauen.

Was heißt das?
Wir sind fertig und um unsere beiden Haltestellen herum sind noch Baugruben.

Fährt die U4 also zunächst in die Wüste?
Vorsichtig ausgedrückt: Die Fahrgastzahlen werden noch nicht sofort das angestrebte Niveau erreichen. Das ist irre. Was sollen wir machen? Wir haben uns an die Vorgaben gehalten. Nun werden wir etwa am Überseequartier von den benachbarten Baustellen fordern müssen, dass es gegen Baustellenrisiken gesicherte Zugänge zu den Haltestellen gibt – damit den Unilever-Mitarbeitern auf dem Weg zur Arbeit nichts auf den Kopf fällt. Das ist eigentlich ein Witz, wenn es nicht so traurig wäre.

Wie reagieren Sie darauf?

Möglich ist, dass die Haltestelle HafenCity Universität erst 2013 angefahren wird und wir sie bis dahin nur zum Kehren nutzen. Vielleicht fährt die U4 zunächst in einem 10-Minuten-Takt.

Was macht der Sprung über die Elbe?
2017 könnte die U4 bis zu den Elbbrücken fahren. Wann der Sprung über die Elbe folgt, hängt vom Wohnungsbau südlich der Elbe ab 2020 ab. Die „Stage Entertainment“ hat noch eine Idee zur Elbquerung: eine Seilbahn. Die Idee mag charmant und insbesondere für Touristen attraktiv sein, hat mit Nahverkehr aber nichts zu tun. Das ist eher etwas für einen Vergnügungspark.

Eine persönliche Frage: Warum fährt ausgerechnet der Hochbahn-Chef mit dem Auto zur Arbeit?

Es ist nicht so, dass ich mich überall hinkutschieren lasse. Ich fahre mindestens ein Dutzend Mal in der Woche mit Bus und Bahn. Manchmal habe ich aber auch schwere Akten dabei, da ist das Auto besser. Und manchmal ist es die einzige Möglichkeit, pünktlich zu Terminen zu kommen.

Sie sind seit 16 Jahren Hochbahn-Chef. Was für Innovationen haben Sie noch im Köcher?

Ich will das Rundum-sorglos-Paket für Fahrgäste. Wer etwa mit der Bahn am Freitag nach der Arbeit mit der Familie an die Nordsee fahren will, braucht einen Mietwagen. Wir sorgen dann mit einem Autovermieter dafür, dass der genau um 14.15 Uhr an der entsprechenden Haltestelle steht. Das ist nur ein Beispiel.

Wann geht es damit los?
In einem Jahr sollen die ersten Service-Punkte stehen. Dort gibt es dann Ladeplätze für E-Bikes und Elektroautos, Leihfahrräder an den richtigen Stellen, organisierte Parkplätze für Mietautos. In zehn Jahren soll jede dritte Haltestelle so ausgebaut sein. Und der Kunde sucht sich mit einer einzigen Chipkarte oder seinem Handy das jeweilige Verkehrsmittel.


Das Interview führten Erik Trümpler und Christoph Heinemann

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