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Immer mehr Hamburger sagen: Wir tragen echten Pelz, na und?!

„Ich finde Pelz modisch und warm“
Lela J. (25) aus Serbien: „Ich bin gerade zu Besuch in Hamburg. Meine Jacke habe ich mir in Serbien gekauft, mit einem Echtpelzkragen aus Fuchs. Ich finde sie modisch und warm.“

„Ich finde Pelz modisch und warm“

Lela J. (25) aus Serbien: „Ich bin gerade zu Besuch in Hamburg. Meine Jacke habe ich mir in Serbien gekauft, mit einem Echtpelzkragen aus Fuchs. Ich finde sie modisch und warm.“

Foto:

Schimkus

Fell-Flut in der City: Am Jackenkragen, am Stiefelsaum, als Mützenpuschel – kaum ein Kleidungsstück kommt in diesem Winter ohne Pelzbesatz aus. Was lange verpönt war, ist wieder in Mode. Todschick oder moralisch verwerflich? Die MOPO fragte unter Hamburgern nach.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Über modische Ethik schon. Mehr als 80 Prozent der Deutschen lehnen das Töten von Tieren für die Pelzproduktion ab. Komisch nur, dass seit einigen Jahren wieder mehr Pelz verkauft wird – und dabei handelt es sich bei den wenigsten Produkten um Kunstfell!

„Pelz wird heute mehr als Accessoire wahrgenommen“, erklärt Jan Peifer vom Deutschen Tierschutzbüro. Das Gefühl zum Pelz habe sich verändert, bestätigt Frank Schmidt, Kampagnenleiter bei Peta: „Einem Pelzkragen sieht man nicht an, dass dafür Marderhunde lebendig gehäutet oder Hunde und Katzen totgeknüppelt wurden.“

Zumal Echtpelz nicht gekennzeichnet sein muss. Und: Kunst- und Echtpelze, die meist aus Asien oder Nordosteuropa stammen, sind im Preis nicht mehr zu unterscheiden. Dass die Produktion für die Tiere äußerst qualvoll ist: Kaum einen der befragten Pelzträger kümmert’s. Hauptsache, schick und warm.

Im Internet kursieren schockierende Videos. Von Füchsen und Nerzen, die in engen Käfigen gehalten werden. Um schließlich erschlagen, erdrosselt oder mit Stromschlägen getötet zu werden.

Vor einigen Jahren trauten sich Pelzträger kaum mehr auf die Straße. Mäntel wurden mit Farbe beschmiert oder zerschnitten, ihre Träger beschimpft. Heute regt sich kaum noch Widerstand, der Pelz ist im Mode-Discounter angekommen – und damit in der Mitte der Gesellschaft.

Möglicherweise habe man sich nach den Erfolgen der 90er Jahre zurückgelehnt, sagt Thomas Pietsch von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“: „Wir haben die Aufklärung vernachlässigt, uns auf die politische Arbeit konzentriert.“ Mit Erfolg: Pelztierhaltung wurde in Belgien und den Niederlanden verboten. Neue Bestimmungen in Deutschland führten zur Schließung von Nerzfarmen.

„Jede Generation muss neu aufgeklärt werden“, erklärt Frank Schmidt. Tierschutzvereine setzen dabei auch auf Schockkampagnen, verteilen etwa mit einem blutigen Pelzmantel Flyer. Um die Konsumenten aus ihren flauschigen Träumen zu reißen.