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Horn: Hier kommt der Bettler-Express

Weddestraße in Horn, morgens um 8.15 Uhr. Obdachlose, steigen in den weißen Reisebus. Darunter auffallend viele Leute, die Krücken bei sich haben, sie aber nicht benutzen.

Weddestraße in Horn, morgens um 8.15 Uhr. Obdachlose, steigen in den weißen Reisebus. Darunter auffallend viele Leute, die Krücken bei sich haben, sie aber nicht benutzen.

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Schimkus

Osteuropäische Bettler, die sich an Krücken dahinschleppen und Passanten ihren Pappbecher unter die Nase halten, gehören inzwischen zum Hamburger Stadtbild. Aber wer hätte gedacht, dass die Stadt sogar einen Shuttle-Service unterhält, der sie jeden Morgen von ihren Schlafplätzen in die Innenstadt bringt, und zwar ganz kostenlos? Vom „Bettler-Express“ ist schon die Rede.

8.15 Uhr. Weddestraße in Horn. Ein topmoderner weißer Reisebus hält. Die zwei Dutzend Menschen, die einsteigen, sind gut zu Fuß. Trotzdem haben einige Krücken dabei, die sie aber nicht benutzen.

Was das soll? Das wird 20 Minuten später am Hauptbahnhof klar, wo der Bus die Leute wieder ausspuckt: Denn plötzlich sind jede Menge „Gehbehinderte“ unter den Fahrgästen. Die kommenden Stunden werden sie sich humpelnd über die Mönckeberg- und die Spitaler Straße schleppen – bis der Bus sie abends wieder einsammelt und zurückbringt. Mit ihrer Mitleidstour verdienen sie in der Zwischenzeit gut 30, 40 Euro.

Wieso Weddestraße? Weil sich dort eine Außenstelle der Hamburger Winternothilfe befindet. „Fördern & Wohnen“ hat ein Schulgebäude angemietet, in dem Obdachlose übernachten können. Der Shuttle-Bus sorgt dafür, dass die Schlafgäste morgens in die City zurückgebracht werden.

Erstens, um Ärger mit den Bewohnern des Stadtteils zu vermeiden. Und zweitens, weil viele Obdachlose darauf bestehen, den Tag an ihrem angestammten Platz, also auf ihrer „Platte“, verbringen zu können. Andernfalls würden sie das Schlafplatz-Angebot gar nicht nutzen.

Der Bus ist also im Grunde eine sinnvolle Einrichtung, da hat Marcel Schweitzer, Sprecher der Sozialbehörde, sicher recht. Aber er räumt auch ein: „Als der Service vor etlichen Jahren geschaffen wurde, haben wir an unsere klassischen Hamburger Obdachlosen gedacht.“ Nicht an die bulgarischen und rumänischen Roma, die teilweise gewerbsmäßig zum Betteln nach Hamburg kommen und das Hilfe-System für sich (aus)zunutzen wissen.Durch sie erst wurde der Shuttle-Bus zum „Bettler-Express“.

Hamburgs „König der Bettler“, ein Mann aus Titesti in den Südkarpaten, ist einer von denen, die den „Fahrservice“ in Anspruch nehmen und sich was ins Fäustchen lachen. Dieser Mann, den der „Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe „Sandu“ nennt, soll ein Heer von Bettlern befehligen. Während seine Leute nachts beim Winternotprogramm unterkommen, wohnt er vergleichsweise feudal in einer Pension.

Er kann sich das leisten, liefern doch seine „Angestellten“ den größten Teil des erbettelten Geldes bei ihm ab. So bringt er es angeblich auf Einkünfte von täglich 800 bis 900 Euro.

Dank des „Bettel-Express“ muss er nicht mal die Bustickets davon bezahlen.