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MOPO.de | Hamburger Institution: Schwimmschule Fiedler geht baden
12. April 2012
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Hamburger Institution: Schwimmschule Fiedler geht baden

Junior-Chef Jerk Fiedler (40) mit einigen seiner Schüler. Er ist seit zwölf Jahren Schwimmlehrer. Die Schule übernahm er von seinem Vater Jürgen, der sie mehr als 30 Jahre leitete.

Junior-Chef Jerk Fiedler (40) mit einigen seiner Schüler. Er ist seit zwölf Jahren Schwimmlehrer. Die Schule übernahm er von seinem Vater Jürgen, der sie mehr als 30 Jahre leitete.

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Florian Quandt

Generationen von Kindern aus ganz Hamburg haben hier ihre ersten Erfahrungen mit dem Wasser gesammelt. Die Schwimmschule Fiedler in Eppendorf ist seit 35 Jahren eine Institution. Doch damit ist jetzt Schluss , denn die Fiedlers verlieren ihre Schwimmhalle.

Das Bad liegt versteckt auf dem Gelände der Stiftung Anscharhöhe (Nedderfeld) und ist gar nicht so einfach zu finden. Doch ein Geheimtipp war es noch nie. Wer heute seine Kinder zum Seepferdchen-Kurs von Jerk Fiedler (40) schickt, der hat meist selbst schon beim Senior Jürgen Fiedler Schwimmen gelernt. Und das immer in demselben Becken.

Die kleine Schwimmhalle ist im Besitz der Stiftung Anscharhöhe, und sie entspricht längst nicht mehr modernen Standards. Die Betriebskosten steigen unaufhörlich. Das will die Stiftung auf Dauer nicht mehr bezahlen. Für Jerk Fiedler ist das eine Katastrophe, denn er ist dort nur Mieter und ihm wurde jetzt zu Ende September gekündigt.

Eltern, Kinder und Senioren, die hier regelmäßig zum Schwimmen kommen, wollen am Montag früh vor der Anscharhöhe gegen die Entscheidung der Stiftung demonstrieren. Doch die Aussichten auf Erfolg scheinen gering. „Wir haben keine andere Wahl“, sagt Vorstand Günther Poppinga. „Das Bad wird überwiegend von Herrn Fiedler genutzt, aber wir müssen die Betriebskosten zahlen.“ Und die liegen ein Vielfaches über der Mietsumme. Außerdem steht eine Sanierung des Gebäudes an. „Die Kosten liegen laut Gutachten bei 1,5 Millionen Euro.“ Das könne die Stiftung nicht zahlen.

„Ich suche jetzt dringend nach neuen Räumen, in denen ich meine Schwimmschule fortsetzen kann“, sagt Jerk Fiedler. Doch dafür kommen eigentlich nur Therapie-Einrichtungen und Altersheime infrage. Bäderland hat keine freien Kapazitäten, und die alten Schulbäder sind nicht geeignet, weil das Wasser zu kalt ist.
Für Hamburg wäre das Aus der Schwimmschule ein großer Verlust. Viele Kinder lernen in der Schule nicht richtig schwimmen. Fiedlers Geheimnis: „Ich nehme Kinder ernst, gehe auf ihre Ängste ein und starte nicht zu früh mit dem Schwimmenlernen.“