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MOPO.de | Hafen ist Hauptumschlagplatz für Drogen : Mafia-Experte: Hamburger Zoll hilft Koks-Dealern
26. December 2011
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Hafen ist Hauptumschlagplatz für Drogen : Mafia-Experte: Hamburger Zoll hilft Koks-Dealern

Millionen Container durchlaufen den Hamburger Hafen jährlich. Dabei wird auch tonnenweise Koks umgeschlagen.

Millionen Container durchlaufen den Hamburger Hafen jährlich. Dabei wird auch tonnenweise Koks umgeschlagen.

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dapd

Nach Weihnachten ist für Koks-Dealer Hochkonjunktur: Silvester steht vor der Tür, die Nachfrage explodiert. Einen großen Teil des Handels organisiert die Mafia-Organisation "Ndrangheta" – und wickelt ihn über den Hamburger Hafen ab. Ein Mafia-Experte behauptet jetzt: Die Großdealer bestechen Zöllner, um ungestört tonnenweise Koks umzuschlagen.

Nirgends sind die Gewinne so hoch wie im Drogenhandel. Ein Kilo Kokain kostet in Südamerika etwas mehr als1000 Euro. In Hamburg, London oder Prag zahlen Konsumenten mehr als 100.000 Euro dafür. Deutschland ist Transitland, die Mafia fest verankert.

"Das meiste Kokain kommt über den Hamburger Hafen", sagte Francesco Sbano (48) gegenüber "Spiegel Online". "Und die Ermittler wissen doch, dass die Spediteure den Zöllnern Geld zahlen, das von der ’Ndrangheta kommt."

Sbano wuchs in Kalabrien auf, der Heimat der ’Ndrangheta, und schrieb jetzt als Ghostwriter die Biografie eines Clan-Chefs. "Wenn der Zoll mal etwas findet, dann weil die Mafia nicht genug gezahlt hat. Oder weil es unglaubwürdig wird, wenn man lange Zeit nichts findet." Angeblich fliegt das Ganze nicht auf, weil pro importierter Tonne mehrere Millionen Euro an Zöllner gehen, die das Geld weiterverteilen.

"Wir arbeiten wie eine Handelsfirma", zitiert der "Spiegel" einen angeblichen Mafioso. "Wir kaufen die Ware, lassen sie verpacken, beauftragen Speditionen für den Transport und bezahlen den Zoll." Damit ist Schmiergeld gemeint.

Zoll-Sprecher Arnes Petrick kann das kaum glauben. "Korruption kann man nie ganz ausschließen", sagt er. "Doch dafür müssten immer dieselben Zöllner am selben Platz sitzen." Die Struktur sei aber extra so, dass mehrere Personen und Dienststellen, "die sich nicht kennen und nicht nebeneinander sitzen, unabhängig voneinander Kontrollen veranlassen."

Durchleuchtet, kontrolliert oder von einem Drogenhund untersucht wird auf Verdacht oder nach Hinweisen. Die schiere Menge an Waren macht eine umfassende Kontrolle allerdings unmöglich. Untersucht werden im Schnitt zwischen 0,2 und 5 Prozent der Sendungen.