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Großstadt-Oase Der Beet-Club in Suttnerpark

Die Hobby-Gärtner vom Suttnerpark (v.l.): Ingo Müller-Popkes (51), Jana Melling (32), Jupp Hartmann (56), Angela Banerjee (49), Johanna Koch (32) und Henri (1)

Die Hobby-Gärtner vom Suttnerpark (v.l.): Ingo Müller-Popkes (51), Jana Melling (32), Jupp Hartmann (56), Angela Banerjee (49), Johanna Koch (32) und Henri (1)

Foto:

Florian Quandt Lizenz

#bigimage
Lila blühen die Akeleien. Violett die Fuchsien. Die Erdbeerpflanzen tragen erste Früchte, gleich daneben stecken Mohrrüben in der Erde. Mitten zwischen den Hauptverkehrsstraßen Altonas liegt dieses Idyll. Ein Idyll mit botanischen – aber auch mit politischen Wurzeln.

Elf Quadratmeter ist die Fläche groß, die Benjamin Bruno, Jana Melling und die rund 15 weiteren Mitglieder der Initiative „Freundeskreis Suttnerpark“ bepflanzt haben. Direkt vor der Christuskirche in der eher unbekannten Grünanlage zwischen Holstenstraße, Max-Brauer-Allee und Stresemannstraße hat die bunt gemischte Truppe aus Künstlern, Grafikern, einem Werbe-Texter, Arzt und einem Kita-Leiter ein Hochbeet errichtet, das gerade in voller Blüte steht.

Doch ums Gärtnern an sich geht es den Anwohnern nur in zweiter Linie. „Entstanden ist die Idee aus dem Widerstand gegen die Vattenfall-Moorburg-Trasse“, erzählt Jana Melling. „Uns wurde bewusst, dass der Suttnerpark in der Stadt gar nicht so bekannt ist.“

Um das zu ändern und den von der Abholzung bedrohten Park aufzuwerten, setzten die Anwohner Blumen in die Erde. Blumen als Zeichen des Protests. Blumen statt Barrikaden.

Inzwischen ist die Moorburg-Trasse längst Geschichte. Und aus dem „Guerilla Gardening“-Projekt ist eine „Urban Gardening“-Initiative geworden, die sogar von der Stadt finanziell unterstützt wird. Die blühenden Beete sorgen im Stadtteil für einen ganz neuen Zusammenhalt.

„Hier schaffen Leute etwas gemeinsam, die sonst nie miteinander in Kontakt kommen würden“, sagt Jana Melling. „Nachbarn lernen sich kennen, Passanten bleiben neugierig stehen und stellen Fragen.“ Sogar die Alkis von der Parkbank packen mit an und karren Erde heran. Jana Melling: „So etwas hab ich noch nie erlebt.“

Ein Mal die Woche, immer dienstags um 20 Uhr, trifft sich die für alle offene Gruppe am Beet und schmiedet Pläne. Ein Parkfest soll es geben, eine Kunstausstellung, philosophische Spaziergänge und Infoveranstaltungen beispielsweise zum Thema Ökologie. Und wenn die Ernte es hergibt, werden die Möhrchen, die Paprika, der Porree und die Küchenkräuter Zutaten eines großen Gemeinschaftsessens sein.

Ein bisschen machen sich die Hobby-Gärtner aber auch Sorgen um die Auswüchse ihres blühenden Projekts. „So tragen wir ja auch in gewisser Weise zur Aufwertung des Stadtteils bei. Nicht, dass wir am Ende dafür bezahlen müssen!“, sagt Angela Banerjee. Denn dann würden die Leute vom „Freundeskreis Suttnerpark“ etwas befördern, das sie eigentlich bekämpfen: steigende Mieten und den schleichenden Prozess der Yuppisierung.