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Er saß Jahre im Knast Dieter Gurkasch: Vom Mörder zum Yoga-Lehrer

Der Mörder Dieter Gurkasch (51) bei einer Yoga-Übung am Alsterufer in Ohlsdorf – nur ein paar Hundert Meter von Santa Fu entfernt.

Der Mörder Dieter Gurkasch (51) bei einer Yoga-Übung am Alsterufer in Ohlsdorf – nur ein paar Hundert Meter von Santa Fu entfernt.

Foto:

Florian Quandt Lizenz

Das Wimmern seines Opfers störte ihn, da sprang Dieter Gurkasch der Besitzerin eines Tante-Emma-Ladens auf den Kopf, tötete die 55-Jährige. Später lieferte er sich mit der Polizei ein wildes Feuergefecht. 25 Jahre saß der heute 51-Jährige deswegen im Knast. Seit wenigen Monaten ist der Mörder frei und will unter dem Namen „Yogidigu“ als Yoga-Lehrer ein neues Leben beginnen.

Mit seiner blonden Mähne, seiner suggestiven Stimme und dem intensiven Blick hat der Ex-Verbrecher etwas von einem Guru. Und er hat auch eine Botschaft. Die lautet: Jeder Mensch kann sich ändern. Auch jemand, der 1985 als 24-Jähriger an der Brahmsallee (Rotherbaum) eine 55-Jährige in ihrem Laden überfiel? Die Frau mit dem Revolver niederschlug. Ihr dann von einem Absatz aus mit Kampfstiefeln auf den Kopf sprang, weil ihm „das Wimmern auf den Sack ging“?

Gurkasch windet sich, die Antwort kommt stockend: „Das war monströs, ich war ein Monster“, sagt er. Auf die Frage nach dem Warum, findet der Ex-Knacki keine Antwort. Er spricht von Tablettensucht und dass er die ganze Welt gehasst hat. „Ich kann nicht sagen, warum ich das getan hab’, woher dieser Hass kam. Ich bin eigentlich ein höchst sensibler Mensch.“
Gurkasch erzählt davon, dass er ein verhätscheltes Kind gewesen sei, „fast ein kleines Mädchen“. Dass er in der Schule Probleme gehabt habe und dann darauf kam, dass „Gewalt eine Lösung“ ist, sich oft prügelte.
Das Urteil für den Mord an der Kauffrau: 13 Jahre Haft. Empfand er hinter Gittern so was wie Scham oder Reue? „Nein“, sagt Gurkasch. „Ich blendete das aus, hab’ mich an meinem Zorn festgeklammert, wollte Krieg gegen die Gesellschaft führen.“

Die Gesellschaft nimmt die Kriegserklärung nach seiner Haftentlassung an. Nach einem Streit mit einer Gruppe Türken am Bahnhof Lutterothstraße (Eimsbüttel) wird Gurkasch 1997 gestellt. Er feuert auf Polizisten, wird in den Rücken getroffen, überlebt nur knapp. „Ich war der harte Kerl auf einem Selbstmordtrip“, sagt Gurkasch. Das Urteil diesmal: 12 Jahre. Der Gangster kommt nach Santa Fu, sitzt jahrelang in Einzelhaft.

Im Jahr 2000 bekommt Gurkasch ein Yoga-Buch in die Hände. „Ich war nach 14 Tagen aus der Weltmeisterschaft im Böse-Gucken raus. Knast heißt böse gucken und das konnte ich gut.“ Gurkasch wird verhöhnt, angespuckt. Doch er reagiert nicht wie üblich, prügelt sich nicht mehr. Ende 2011 kommt er frei.

Gurkasch hat Verständnis, wenn man ihm die Wandlung nicht abnimmt: „Nach 25 Jahren Knast bin ich natürlich kein normaler Mensch. Aber ich hab’ meine Wut zu Trauer werden lassen und das heilt. Ich werde nie mehr Straftaten begehen.“

Am Donnerstag hält er in einem Gefängnis in Nordrhein-Westfalen seinen ersten Yoga-Workshop.