Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?

Ja Nein
Aktuelle Nachrichten aus Hamburg, der Welt, zum HSV und der Welt der Promis.
MOPO.de | Einsturzgefahr auf dem Kiez: Esso-Häuser in der Nacht geräumt, Hunderte demonstrieren
15. December 2013
http://www.mopo.de/4018786
©

Einsturzgefahr auf dem Kiez: Esso-Häuser in der Nacht geräumt, Hunderte demonstrieren

Die Esso-Häuser sind inzwischen von einem Bauzaun eingeschlossen.

Die Esso-Häuser sind inzwischen von einem Bauzaun eingeschlossen.

Foto:

Florian Quandt

Aufregung auf dem Kiez: Putz bröckelt von den Wänden, Lampen wackeln, Anwohner hören seltsame Geräusche. Die Polizei rückt mit der Feuerwehr an - und sperrt mitten in der Nacht Teile des Spielbudenplatzes. Einsturzgefahr der maroden Esso-Häuser!

Gegen 22.25 Uhr geht ein Anruf bei der Polizei ein: "Die Lampe bei mir schaukelt hin und her. Die Nachbarn waren auch schon hier, da ist es genauso. Das ganze Haus zittert!" Die Beamten rücken sofort an - und entscheiden gemeinsam mit der Feuerwehr: Die Esso-Häuser werden evakuiert, dutzende Anwohner aus den Blocks 5a, 5b und 5c müssen ihr Zuhause am Spielbudenplatz räumen!

Nach einer ersten Überprüfung der Häuser durch einen Statiker weitete die Polizei die Evakuierung dann sogar aus. Je ein Haus in zwei angrenzenden Straßen, der Taubenstraße und der Kastanienallee, werden geräumt. Genau wie angrenzende Bars, Restaurants und Diskotheken, darunter das Molotow und die Esso-Tankstelle sowie Teile des Spielbudenplatzes.

Die evakuierten Anwohner mussten zunächst in Bussen der Hochbahn ausharren, bevor sie gegen 2 Uhr für die Nacht in einer Turnhalle an der Struenseestraße (Altona) untergebracht wurden. Ältere oder schwerbehinderte Anwohner kamen in Hotels unter.

Statiker waren seit 12 Uhr vor Ort, am Sonntagmittag sollte feststehen, wann die Anwohner in ihre Wohnungen zurückkehren können. Inzwischen ist sicher: Nie wieder! Das erklärte Bezirksamts-Chef Andy Grote (45, SPD). Die Anwohner können sich auf dem Spielbudenplatz bei einem Zelt melden, um organisiert ihr Hab und Gut zu holen - in ihre Wohnungen kommen sie jedoch nie wieder zurück! Grote sagt: "Wenn man sich darin aufhält, besteht das Risiko, dass man Schaden an Leib und Leben nimmt!"

Mieter dürfen nie wieder zurück

Zwar wissen die Mieter der umstrittenen Häuser seit langem, dass sie im kommenden Sommer ausziehen müssen, weil die Gebäude abgerissen werden sollen. Dass es aber so schnell so weit kommen könnte, hatte keiner erwartet.

Der Hamburger Tierschutzverein hat inzwischen angeboten, die Tiere der evakuierten Mieter vorrübergehend aufzunehmen. In einer Mitteilung heißt es, dass die Tiere, die "wegen der akuten Einsturzgefahr zunächst zurückgelassen" wurden, heute geborgen und kostenfrei im Tierheim wohnen können, "bis für Mensch und Tiere Obdach gefunden wurde".

Die "Initiative Esso-Häuser" gibt indes auf ihrer Facebook-Seite dem Eigentümer die Schuld für die nötige Evakuierung: "Die Verantwortung dafür trägt die Bayerische Hausbau, die die Häuser seit Jahren verfallen lässt." Diese Meinung wurde auch auf einer Spontan-Demo auf dem Spielbudenplatz kundgetan.

Rund 750 Menschen versammelten sich, um gegen die Wohnungspolitik des Senats zu demonstrieren. "Wir haben es hier nicht mit einer Naturkatastrophe zu tun, sondern mit einem Zustand, der über Jahrzehnte herbeigeführt worden ist", kritisierte ein Redner. Es dürfe sich nicht lohnen, Häuser "kaputt zu besitzen". Seit Jahren werfen Bewohner und Initiativen dem Besitzer der Gebäude vor, nicht in die Instandhaltung zu investieren.

Am kommenden Sonnabend will sich die Initiative der Großdemonstration der "Rote Flora"-Aktivisten anschließen.





Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?