Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?

Ja Nein
Aktuelle Nachrichten aus Hamburg, der Welt, zum HSV und der Welt der Promis.
MOPO.de | Diskussion um Mindestlohn: Die am miesesten bezahlten Jobs Deutschlands
24. February 2013
http://www.mopo.de/7114128
©

Diskussion um Mindestlohn: Die am miesesten bezahlten Jobs Deutschlands

"8,50" stehend für ein Mindestlohn von 8,50 Euro, fordern Demonstranten vor dem Bundeskanzleramt in Berlin.

"8,50" stehend für ein Mindestlohn von 8,50 Euro, fordern Demonstranten vor dem Bundeskanzleramt in Berlin.

Foto:

dpa

Berlin - In Deutschland tobt jetzt die Debatte um den Mindestlohn. Viele arbeiten 160 Stunden oder mehr im Monat – trotzdem reicht das Geld nicht zum Leben.

Gerade mal 1390 Euro brutto verdienen Friseure im Schnitt (siehe Tabelle). Stundenlöhne von unter fünf Euro sind nicht ungewöhnlich. In Deutschland verdienen 1,4 Millionen Menschen in vielen Branchen oft weniger als fünf Euro in der Stunde, zum Beispiel Kellner, Putzfrauen.
Dazu kommt das Problem Leiharbeit: Auf den Flughäfen streikt darum das Sicherheitspersonal. Der Internet-Riese Amazon kam auch mit Dumping-Löhnen in die Kritik.

Bisher haben sich zwölf Branchen freiwillig auf einen Mindestlohn (zwischen 7,50 und 13,70 Euro) geeinigt: u.a. das Elektrohandwerk, die Abfallwirtschaft, Gebäudereiniger, Dachdecker, Maler und Lackierer sowie Dienstleister in der Sicherheitsbranche, im Bergbau, in der Pflege und der Zeitarbeit.

Die SPD-geführten Bundesländer wollen mehr. Sie wollen mit ihrer Mehrheit (und dem CDU-geführten Saarland) im Bundesrat am 1. März einen Gesetzentwurf für einen einheitlichen Mindestlohn einbringen. Dieser beträgt erst einmal 8,50 Euro. Künftig soll dann eine „Mindestlohnkommission“ die Höhe jährlich neu festsetzen. Mitglieder des Gremiums: je drei Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter sowie drei Sachverständige.

Nach dem Gesetzentwurf soll aber das Bundesarbeitsministerium das letzte Wort haben. Es muss der Empfehlung nicht folgen. Verstöße gegen das Mindestlohngesetz sollen mit Geldbußen von bis zu 500000 Euro geahndet werden. Ob es genau so kommt, ist noch offen. Denn auch der Bundestag muss dem Gesetz zustimmen. Und dort haben CDU/CSU und FDP die Mehrheit. Die wollen von einem allgemeinen Mindestlohn nichts wissen.

Die CDU bevorzugt Untergrenzen, die je nach Branche und Region bestimmt werden. Die FDP ist jetzt vorsichtig auf diesen Kurs eingeschwenkt (MOPO berichtete). Bisher hatten die Liberalen das Thema stets abgeblockt. Nun wolle man vor der Bundestagswahl „etwas Gutes hinbekommen“, hatte Rainer Brüderle (FDP) gesagt.
Immerhin: Bei den Friseuren scheint eine Einigung in Sicht. Ab April geht’s um Details. Damit sind die Haarsylisten weiter als die Politiker.

Durchnschnittslöhne: wenig Geld*

BerufMonatslohn Stundenlohn
Friseure13908,30
Wachpersonal195210,12
Reinigungskräfte179410,53

Glas- und

Gebäudereiniger

1869 10,70
Kellner1925 11,18
Möbelpacker 204011,28
Köche1987 11,59

*Bruttolohn in Euro, Basis: Befragung von 32000 Arbeitgebern, die Daten von 1,9 Millionen Beschäftigten weitergaben.
Quelle: Statistisches Bundesamt

„Bin der Gesellschaft nichts wert“

Er arbeitet viel, bis zu 260 Stunden im Monat, muss oft stundenlang stehen. Uwe Schubert (60) ist Wachmann im Museum für Kunst und Gewerbe – verdient im Schnitt 1200 Euro netto im Monat. „Mein Lohn zeigt, dass ich der Gesellschaft wenig wert bin“, sagt er. Jetzt führt Hamburg den Mindestlohn von 8,50 Euro ein. Lange überfällig, findet Schubert.

Essen, wohnen, schlafen. Mehr könne er sich nicht leisten, sagt Uwe Schubert, „und dafür muss ich richtig rackern.“ Gerade einmal 7,50 Euro Stundenlohn bekommt der 60-Jährige von der HRC Sicherheitsdienste GmbH, bei der er angestellt ist. Würde er seine Arbeitszeit auf ein normales Pensum reduzieren und 40 Stunden pro Woche arbeiten, blieben Schubert am Ende des Monats gerade einmal 850 Euro netto. „Das ist schon nicht schön“, sagt er.
Das Gehalt sei schließlich immer auch ein Maß für die Wertigkeit der getanen Arbeit. Und Schubert ist sicher: „Das, was wir leisten, ist viel mehr wert als das, was am Ende für uns rauskommt.“

Wenn alles gut geht, wird Uwe Schubert schon bald einen Euro mehr die Stunde verdienen. Erst am Mittwoch brütete der Sozialausschuss in einer Sondersitzung über dem Thema Mindestlohn. „Wie es aussieht, könnte er bereits Anfang Mai gelten“, sagt Tim Golke, Fachsprecher für Arbeitsmarktpolitik der Linksfraktion.
Allerdings hält Golke 8,50 Euro Stundenlohn noch immer für zu wenig. Bei einer 40-Stunden-Woche blieben den Angestellten gerade einmal 1,73 Euro mehr als einem Hartz-IV-Empfänger. Im Monat! „Wenn man sich anguckt, was die Wohnungen in Hamburg kosten, wären zehn Euro angebracht“, sagt er.

Uwe Schubert freut sich, dass sich überhaupt etwas tut. „Meine Frau und ich arbeiten so viel, dass wir uns kaum sehen. Komme ich aus der Nachtschicht, frühstücken wir noch zusammen, dann geht sie.“ Bei einem Euro mehr pro Stunde, könnte er endlich wieder etwas mehr Zeit zu Hause verbringen. „Das wäre auch für meine Gesundheit besser.“
Der Senat verspricht, Arbeitsverträge wie den von Uwe Schubert so schnell wie möglich an den Mindestlohn anzupassen – sobald dieser eingeführt ist.

nächste Seite Seite 1 von 2