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Der Kiffer-Supermarkt vom Kiez: Hier gibt’s Hanfsamen für zu Hause

Nicky Wichmann (39) ist Geschäftführerin von „Mediseed“. Sie verkauft Hanfsamen zum eigenen Anbau – der ist in Deutschland aber verboten.

Nicky Wichmann (39) ist Geschäftführerin von „Mediseed“. Sie verkauft Hanfsamen zum eigenen Anbau – der ist in Deutschland aber verboten.

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MOPO

Sie heißen „White Russian“, „Caramelo“ oder „Cotton Candy“. Und sie kosten zwischen 20 und 70 Euro. Es geht nicht um Mode, sondern um „Seeds“ – Hanfsamen zum privaten Anbau im Wohnzimmer. Ein neuer Shop auf der Reeperbahn bietet sie nun ganz offen zum Verkauf an. Natürlich nur zu medizinischen Zwecken. Hamburgs Kiffer wird’s trotzdem freuen.

„Zutritt ab 18 Jahren“ steht an der Tür. Drinnen prangen bunte Graffitti an den Wänden und zahllose Plakate von Hanfpflanzen mit kuriosen Namen. Eine Apotheke sieht anders aus.

Seit vergangenem Sonnabend können Kunden bei „Mediseed“ aus 250 verschiedenen Samensorten wählen. Laut Katalog wirken sie entspannend, euphorisierend oder narkotisierend. Käufer müssen die Ware – wie Süßigkeiten im Bahnhof – am Automaten ziehen: Drei davon stehen im Laden, garantieren einen anonymen Einkauf. Und sollen den Betreiber rechtlich absichern.

EC-Karte rein und schon bekommt man seine gewünschten Grassamen. Gleichzeitig akzeptiert der Kunde damit die rechtlichen Hinweise des Ladens.
Die hängen an den Wänden, sollen Besucher über die Rechtslage aufklären. „Wir weisen unsere Kunden ausdrücklich darauf hin, dass der Anbau von Cannabis nur mit einer medizinischen Erlaubnis legal ist“, sagt Geschäftsführerin Nicky Wichmann (39) von „Mediseed“, dem neuen Kiffer-Paradies in Hamburg. Da die Samen kein THC enthalten, seien sie legal verkäuflich.

Bisher haben nur 147 Menschen in Deutschland eine Ausnahmegenehmigung von der Bundesopiumstelle. Sie dürfen legal in der Apotheke Gras kaufen. „Das sind Einzelfälle. Eine offizielle Erlaubnis für den Anbau von Cannabis gibt es bis heute jedoch nicht“, sagt Franjo Grotenhermen, Vorstandsvorsitzender bei der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoid-Medikamente. „Einen Kundenkreis für dieses Geschäft kann es also eigentlich noch gar nicht geben.“ Außerdem sei der Verkauf von Cannabissamen eine juristische Grauzone.

Die Zielgruppe von „Mediseed“ seien besonders Menschen mit wenig Geld, sagt die Betreiberin. Viele Schmerzpatienten würden ihr Cannabis in der Apotheke kaufen. Das ist jedoch sehr teuer und wird von den Krankenkasse nicht übernommen. „Mediseed“ möchte solchen Patienten eine Plattform bieten, ihr „Medikament“ günstig zu bekommen.

Wird deutlich, dass ein Kunde andere Gründe für den Kauf von Samen hat, sich also nur berauschen will, „fliegt er sofort wieder raus. Wir müssen häufig Leute wegschicken“, sagt der Ehemann der Betreiberin und und Pressesprecher, Michael Wichmann (42).

Aber: eine Kontrolle, ob medizinische Gründe vorliegen, gibt es nicht. Kaufen kann jeder ab 18 Jahren. „,Mediseed GmbH’ ist nicht verantwortlich für das Handeln der Kunden“ steht auf einem Sternchenschild am Tresen. Damit entzieht sich der Shop jeder Verantwortung.