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MOPO.de | Bahrenfeld: Hamburgs größter Grabbeltisch
10. January 2013
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Bahrenfeld: Hamburgs größter Grabbeltisch

Alles Mögliche wird jetzt auf Bierbänken und Tischen feilgeboten.

Alles Mögliche wird jetzt auf Bierbänken und Tischen feilgeboten.

Foto:

Patrick Sun

Vom Glanz des einstigen „Kult-Kaufhauses“ ist kaum was übrig: Drei Wochen vor der Schließung ist aus „1000 Töpfe“ an der Ruhrstraße (Bahrenfeld) der größte Grabbeltisch Hamburgs geworden. Nach 64 Jahren muss alles raus – restlos!

„Wir sind überrannt worden. Die Leute standen vor Neujahr in Dreierreihen vor der Tür. Es hat 20 Minuten gedauert, bis wir den Stau aufgelöst hatten“, sagt Dirk Petersen. Fast drei Jahrzehnte hat der 50-Jährige bei „1000 Töpfe“ auf dem Buckel. „Aber so was habe ich vorher noch nicht erlebt.“ Die besten Teile sind weg, das Lager mittlerweile leer. Ein Stück Hamburger Geschichte schrumpft täglich weiter. Sogenannte „Leichenfledderer“, die bei jeder Auflösung auftauchen, ziehen durch die Gänge, einstige Stammkunden versuchen, ein letztes Schnäppchen zu machen.

Regina Weichler steht vor einer Kommode. Mit melancholischer Stimme erzählt die Künstlerin von ihrer Studentenzeit in St. Georg: „Ich war schon in den 70er Jahren in dem Laden an der Langen Reihe. Man fand immer etwas Besonderes. Für mich war es ein Schock, als ich gelesen habe, dass 1000 Töpfe schließt.“

Durch den Internethandel ist es schwieriger geworden profitabel zu handeln, die Eigentümer zogen die Reißleine. Die restliche Ware wird teils auf Bierbänken und Tischen gestapelt. Blaue Wegweiser, die an Autobahnschilder erinnern, zeigen den Weg zu den Abteilungen. Ab heute wird auch das Inventar verhökert.

Fernseher stehen neben Klimageräten, Bügeleisen und Kaffee-Vollautomaten. Zwischen Koffern und Taschen ist einsam ein rosa Dreirad postiert. Kartons sind aufgerissen. Eine Kundin trägt einen Kerzenhalter quer durch das Geschäft und wirft ihn kurz vor der Kasse auf einen Tisch mit Handytaschen und Büchern. Als „Unsitte“ beschreibt Petersen den Umgang einiger Kunden mit seinen letzten Produkten.
Rund 60 Mitarbeiter räumen um, versuchen, zwischendrin noch zu beraten. Petersen organisiert die Abwicklung in der Foto-Abteilung. Arbeit im Akkord. Selbst für einen wie Petersen, der seit 9645 Tagen im Unternehmen ist, bleibt kaum Zeit für Wehmut: „Als mir der Inhaber von der Schließung erzählte, haben wir beide geheult.“ Das war Ende September. Jetzt heißt es nur noch: Alles muss raus!