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Inszenierung von „Unterwerfung“: Karin Beier (50) sorgt für Proteste von Muslimen

Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier (50).

Theater soll eine Grundlage für Diskussionen sein, findet Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier (50).

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dpa

Frankreich im Jahr 2022: Eine muslimische Partei kommt an die Macht und beginnt den Umbau der Gesellschaft – Vollschleier und Patriarchat sind nun an der Tagesordnung. Skandalautor Michel Houellebecq (59) hat mit seinem Roman „Unterwerfung“ für Furore gesorgt – und für Proteste von Muslimen. Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier (50) inszeniert den Text nun als Monolog mit Edgar Selge als Hauptfigur François.

Ob der provokante Stoff während der Aufführungen Sicherheitsvorkehrungen erforderlich macht, prüft das Schauspielhaus gerade in Beratung mit den Behörden. Karin Beier erklärt im MOPO-Gespräch, warum ihr die Produktion aber dennoch wichtig war.

MOPO: Warum wollten Sie „Unterwerfung“ inszenieren?
Karin Beier:
Es ist einer der wichtigsten Romane des letzten Jahres. Er bietet sich zunächst nicht für die Bühne an, ist aber ein starkes Gedankenexperiment. Deshalb ist es wichtig, ihn zu präsentieren und ihn in die Stadt zu tragen – als Diskussionsgrundlage.

Welche Motive arbeiten Sie aus dem Buch heraus?
Wir fokussieren uns auf den Politkrimi, aber die Egomanie des Erzählers François ist ebenfalls sehr wichtig. Der Kern der Geschichte ist, dass die westliche Welt an sich selbst und ihrem Egoismus zugrunde geht. François unternimmt keine spirituelle Umkehr, sondern er rechnet sich immer aus, was für ihn die meisten Vorteile bringt.

Liebt es, zu provozieren: Der Autor Michel Houellebecq.

Liebt es, zu provozieren: Der Autor Michel Houellebecq.

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dpa

Für wie realistisch halten Sie das Szenario, das Houellebecq in dem Roman entwirft?
Houellebecq spielt und überspitzt in „Unterwerfung“. Er zeichnet kein realistisches Schreckgespenst der Zukunft an die Wand, dass wir irgendwann alle dem Islam angehören. Es geht darum, welche Zeichen der Gegenwart übersehen werden und wie sich die Gesellschaft zu einer veränderten politischen Situation verhält.

Viele Befürworter wie Gegner des Romans haben darin eine Islamkritik gelesen. Wie konnte das passieren?
Es gibt natürlich Themen, die sich in einem aufgeheizten Klima leicht und oberflächlich herauspicken lassen. Aber jeder, der den Roman gründlich liest, muss merken, dass es eine Westkritik ist. Eine humorvolle obendrein.

Haben Sie dennoch die Befürchtung, dass es zu Protesten kommen könnte?
Ich muss das riskieren. Wenn ich permanent Angst habe, dass etwas falsch verstanden werden kann, bin ich handlungsunfähig. Meine Hoffnung ist es, eine Diskussion der Zuschauer untereinander loszutreten. Das ist unsere Aufgabe. Wenn wir heiße Eisen umschiffen, verlieren wir unsere Existenzberechtigung.

Edgar Selge spielt in „Unterwerfung“ die Rolle des François.

Edgar Selge spielt in „Unterwerfung“ die Rolle des François.

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Hasheider/hfr

Sie haben in Ihrem Theater Schlafplätze für Flüchtlinge eingerichtet. Haben Sie sich von der Situation auch mal überfordert gefühlt?
Die Frage, ob wir helfen, war in einer Stunde geklärt. Ich hefte das nicht dem Theater ans Revers, sondern den einzelnen Mitarbeitern, die sich die Nächte um die Ohren geschlagen haben. Es hat aber sicher dazu geführt, dass ich mehr Verständnis habe für Dinge, die in Hamburg passieren.

Werden die Erfahrungen der letzten Monate Auswirkungen auf die Planung der nächsten Spielzeit haben?
Wir diskutieren viel über den Spielplan – und es ist in der Tat sehr schwer. Der Lauf, den wir mit politischen Stücken gerade haben, lässt sich nicht unendlich verlängern. Im Übrigen sind die Zuschauer viel politisierter als vor zwei Jahren.

Muss das Theater Ihrer Meinung nach politischer werden?
Theater erzeugt mehr als andere Medien das Bedürfnis, zu reden. Vielleicht, weil Menschen aus Fleisch und Blut auf der Bühne stehen. Man kann kein Gespräch beginnen, wenn man immer im Einvernehmen mit dem linksliberalen Publikum steht. Da nicken alle nur. Das will ich vermeiden.

Schauspielhaus: 6./10./16./17.2., 20 Uhr, Kirchenallee 39, Karten 9-69 Euro, Tel. 24 87 13



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