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Anti-Nazi-Demo in Hamburg: Frau klagt an: „Hier verprügelt mich die Polizei“

Manuela K. (42) liegt rücklings auf dem Boden. Ein Polizist soll sie kurz zuvor mit voller Wucht über einen Betonpoller geschubst haben.

Manuela K. (42) liegt rücklings auf dem Boden. Ein Polizist soll sie kurz zuvor mit voller Wucht über einen Betonpoller geschubst haben.

Foto:

Iven Einszehn / hfr

Die Kritik am Polizeieinsatz während der Neonazi-Demo reißt nicht ab. Jetzt soll ein Untersuchungsausschuss die Fehler aufklären. Während angeblich gegen linke Chaoten nicht hart genug vorgegangen wurde, seien friedliche Demonstranten mit äußerster Brutalität behandelt worden, so der Vorwurf.

Ein mutmaßliches Opfer von überzogener Polizeigewalt ist die 42-jährige Friseurin Manuela K. (Name geändert) aus Eimsbüttel. Sie erlitt eine Schädelbasisfraktur, hat eine Platzwunde am Kopf, kann auf dem linken Ohr nichts hören, und ihr linker Oberschenkel ist total blau.

Bereits am Montag hatte die MOPO über den Fall berichtet. Wir zeigten das Foto einer unbekannten Frau, die verletzt fortgetragen wird. Am Dienstag meldete sich Manuela K. in der MOPO-Redaktion: „Die Frau, über die ihr da schreibt, das bin ich.“

Für sie sei es garantiert die letzte Demo ihres Lebens gewesen. „Beim Anblick einer Polizeihundertschaft werde ich wohl für immer in Panik geraten. Ich bin wütend, dass ich, eine friedliche Demonstrantin, so schlimm zugerichtet wurde.“ Sie erwäge jetzt, Strafanzeige wegen Körperverletzung zu erstatten.

Manuela K. wurde vor drei Jahren belobigt als „wachsame Zeugin“, weil sie sich am Weckmannweg in Eimsbüttel einem Handtaschendieb in den Weg stellte und für dessen Verhaftung sorgte. „Ausgerechnet ich werde wie ein Staatsfeind behandelt“, sagt sie kopfschüttelnd.

Ereignet hat sich der Vorfall am späten Sonnabendnachmittag: Sie habe ein Zeichen setzen, sich den Nazis in den Weg stellen wollen, erzählt sie. Dann seien Polizisten angerückt. „Als ein älterer Mann neben mir brutal angefasst wurde, bin ich laut geworden. Schon schlug ein Beamter mit einem Schlagstock nach mir. Tränengas drang in meine Augen.“ Sie krachte mit dem Kopf auf den Asphalt, musste im AK St. Georg behandelt werden. Sogar aus dem Ohr habe sie geblutet. Das so genannte Felsenbein, ein Schädelknochen, ist gebrochen. Es wird Wochen dauern, bis sie wieder ganz gesund ist.

Das Vorgehen der Polizei sei „total unverhältnismäßig“ gewesen, sagt Reuters-Fotograf Fabian Bimmer (44), der das Geschehen beobachtete. Genauso sieht es Johannes L., ebenfalls ein Augenzeuge: Die Polizeibeamten hätten gerufen „Verpisst euch, ihr Hurensöhne!“ und seien auf die friedlichen Demonstranten los. Manuela K. sei mehrfach gestoßen worden. „Als sie sich in Sicherheit wähnte, drehte sie sich um und wurde von einem Beamten mit voller Wucht rückwärts über einen Betonpoller geschubst.“

Bei den Polizisten soll es sich um Beamte aus Sachsen gehandelt haben. Hamburgs Polizeisprecher Mirko Streiber hatte den Einsatz noch am Sonntag als Erfolg gewertet.



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