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Angriff in der Nacht: Brandanschlag auf die MOPO!

Der Brandsatz war durch ein Fenster in den Keller des Verlagsgebäudes geworfen worden.

Der Brandsatz war durch ein Fenster in den Keller des Verlagsgebäudes geworfen worden.

Foto:

Roeer

Es geschah im Schutz der Dunkelheit: In der Nacht zu Sonntag ist auf das Verlagsgebäude der Hamburger Morgenpost in Bahrenfeld ein Brandanschlag verübt worden. Die MOPO-Mitarbeiter sind geschockt – verletzt wurde aber zum Glück niemand. Der Hintergrund der Tat ist noch unklar. Die Polizei hat zwei verdächtige Männer festgenommen.

Laut Behörden „liegt die Vermutung nahe“, dass die Tat in Zusammenhang mit der MOPO-Titelseite vom 8. Januar steht. Neben der Schlagzeile „So viel Freiheit muss sein“ standen Karikaturen des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, auf das zuvor ein tödlicher Terroranschlag verübt worden war. Beweise für eine Verbindung gab es laut Polizeisprecherin Karina Sadowsky zunächst aber nicht.

Offenbar hatten sich der oder die Täter gegen 2.20 Uhr in den offenen Innenhof der MOPO geschlichen. Dort warfen sie mit mehreren Steinen Fensterscheiben ein und schleuderten mindestens einen Brandsatz in die Kellerräume.

Das dortige Archiv voller Papier geriet sofort in Brand, auch die Raumdecke fing Feuer. Zum Glück war die Feuerwehr nach wenigen Minuten vor Ort und konnte die Flammen schnell löschen. Gleichzeitig leitete die Polizei eine Sofortfahndung mit diversen Streifenwagen ein – und wurde fündig: Am S-Bahnhof Bahrenfeld – etwa 500 Meter von der MOPO entfernt – trafen Beamte auf zwei Männer. Als diese die Polizisten sahen, liefen sie davon und flüchteten in eine abfahrende S-Bahn. Die beiden Verdächtigen –35 und 39 Jahre alt – konnten dann am Bahnhof Altona festgenommen werden. Sie wurden am Nachmittag vom LKA vernommen.

Die Brandermittler und die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamts (LKA) nahmen noch in den Morgenstunden ihre Arbeit auf. Viele MOPO-Mitarbeiter zeigten sich bestürzt, als sie wenig später zum Dienst erschienen. Dass die eigene Zeitung zum Ziel einer solchen Attacke werden würde, hatte man sich zwar nicht vorstellen können – dennoch machten sich alle unbeirrt an die Arbeit, um die Montagsausgabe zu produzieren und die Online-Seite zu aktualisieren. MOPO-Chefredakteur Frank Niggemeier: „Ein solcher Anschlag lässt niemanden hier unberührt. Aber wir werden jetzt weder in Panik noch in Hysterie verfallen.“

Die MOPO hatte nach der Veröffentlichung der „Charlie Hebdo“-Titelseite am Tag nach dem Paris-Anschlag direkte und indirekte Drohungen und Hass-Mails erhalten. Am Sonntag sind die Sicherheitsvorkehrungen am Verlagsgebäude erneut erhöht worden. In den Redaktionsräumen war starker Brandgeruch wahrzunehmen, der Keller des Gebäudes war mit Löschwasser geflutet.

Die Solidaritätsbekundungen aus aller Welt lesen Sie auf der nächsten Seite.

„Wer die MOPO angreift, greift ganz Hamburg an“

CNN, Al Jazeera, „Guardian“, „Independent“, „New York Times“: Die Medienwelt berichtete über den Brandanschlag auf unser Verlagshaus. Und ob via E-Mail, Facebook oder Twitter, ob aus Frankreich, Irland, aus Spanien oder Hamburg: Überall solidarisieren sich die Menschen mit der MOPO. Ihre Botschaft: Lasst euch nicht unterkriegen!

Spontaner Solidaritätsbesuch in Bahrenfeld: Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und Innensenator Michael Neumann besuchten am Sonntagvormittagdie MOPO-Redaktion. Sie informierten sich nach dem Brandanschlag in der Nacht zu Sonntag bei Chefredakteur Frank Niggemeier, seinem Stellvertreter Frank Wieding und MOPO-Geschäftsführerin Susan Molzow über die Lage und stärkten den Mitarbeitern den Rücken. Scholz zeigte sich bestürzt: „Presse- und Meinungsfreiheit gehören zum Fundament, auf dem die Demokratie ruht. Jeder Angriff auf diese Freiheiten ist in seiner Wirkung und unabhängig von fragwürdigen Motiven ein Angriff auf die Demokratie. Unsere Unterstützung und Solidarität gelten den Beschäftigten der Hamburger Morgenpost“, erklärte der Bürgermeister.

Politik

Dietrich Wersich, CDU-Spitzenkandidat: „Wer auch immer hinter dem Brandanschlag auf die Hamburger Morgenpost steckt: Gewalt – auch gegen Sachen – darf kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Die Meinungs- und Pressefreiheit ist eine der unverzichtbaren Grundbedingungen der Demokratie. Wir dürfen uns durch solche Taten weder einschüchtern noch aufhetzen lassen!“

Parteikollege Marcus Weinberg ergänzt: „Die MOPO gehört zu Hamburg und wir stehen solidarisch an der Seite unserer Hamburger MOPO. Wer die MOPO angreift, greift die ganze Stadt Hamburg an.“

SPD-Fraktionschef Andreas Dressel: „Ganz gleich, welche wirren Absichten hinter dieser Tat auch stehen, solch ein Übergriff zielt direkt auf die Meinungs- und Pressefreiheit – und damit auf das Herzstück unserer Demokratie. Niemand darf die Meinungsvielfalt mit Gewalt attackieren.“

Jürgen Heuer, Vorsitzender der Landespressekonferenz: Die Landespressekonferenz Hamburg bezeichnete den Brandanschlag als „feigen und hinterhältigen Terrorakt gegen die Pressefreiheit“.

Katharina Fegebank, Landesvorsitzende der Grünen: „Dieser Brandanschlag ist zutiefst beunruhigend. Auch wenn die Hintergründe noch unklar sind: Wer eine Zeitungsredaktion angreift, greift die Presse- und Meinungsfreiheit an – und damit eines der höchsten Güter unserer Demokratie. Die Hamburger Morgenpost ist eine meinungsstarke Stimme in unserer Stadt. Hamburg darf sich von so einem Anschlag auf die Grundwerte nicht einschüchtern lassen.“

Katja Suding, FDP-Fraktionschefin in Hamburg: „Der Brandanschlag auf das Gebäude der Hamburger Morgenpost ist ein feiger krimineller Akt, den wir Freie Demokraten auf das Schärfste verurteilen. Wer auch immer dahintersteckt, diese Tat zeigt: Die Meinungs- und Pressefreiheit müssen wir gemeinsam gegen Extremisten, Terroristen und Wirrköpfe verteidigen, in Hamburg, Deutschland und der gesamten freien Welt.“

Kersten Artus, medienpolitische Sprecherin der Linken: „Das ist ein feiger Anschlag auf die Pressefreiheit und auf die Medien. Die MOPO hat sich mit den Ermordeten der ,Charlie Hebdo‘ solidarisch gezeigt, indem sie die Karikaturen mit der Überschrift ,So viel Freiheit muss sein‘ veröffentlichte. Das war ein souveräner, solidarischer Akt, der Respekt verdient. Wir stehen an der Seite der Kolleginnen und Kollegen der MOPO und sagen ihnen: Lasst euch nicht bei eurer Arbeit einschüchtern!“

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich zurückhaltend geäußert. Derzeit werde ermittelt. Es sei klug, „erst Informationen zu bestätigen, wenn sie wirklich sicher sind“. Daher wolle er über die Motivation und die Dimension der Vorgänge keine Auskünfte geben. „Der Vorfall zeigt allerdings, dass wir Grund zur Sorge haben und zur Wachsamkeit. Und bei beidem wird es bleiben.“

Justizminister Heiko Maas (SPD) via Twitter: „Pressefreiheit ist durch keine Gewalt zu stoppen. Anschlag auf MOPO feige und schäbig. Ganze Solidarität dem MOPO-Team.“

EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos sagte in Brüssel, dieser neue Angriff unterstreiche, dass umfassender Respekt für die Meinungs- und Pressefreiheit nötig sei. „Wir werden unsere Werte verteidigen.“

Leserbriefe

Linda Amon, Journalistin: „Liebe Redaktion, danke, dass Sie die Karikaturen veröffentlicht und so der Pressefreiheit zu ihrem Recht verholfen haben. Obwohl Sie sicherlich wussten, dass das riskant ist. Umso mehr gebührt Ihnen Respekt. Alle westlichen Zeitungen hätten Ihrem Beispiel folgen müssen.“

Thilo Bock: „Bitte lassen Sie sich nicht einschüchtern, Sie sind sicher nicht allein.“

Dirk von Bröckel: „Halten Sie den Kopf hoch! Wir stehen hinter Ihnen und gewiss viele andere auch.“

Twitter

Unter dem Hashtag #IchBinMopo drücken bei Twitter zahlreiche Nutzer ihre Betroffenheit über den Anschlag aus – auch weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus.

„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann: „Solidarität mit den Kollegen der MOPO.“

Niall Dammeri: „Wieder feiger Angriff auf die Meinungsfreiheit. Nach #JeSuisCharlie jetzt #IchBinMopo. In Gedanken bei der MOPO.“

Der Buchmacher: „Every cowardly attack on freedom of press will force more resistance“ (Jeder feige Angriff auf die Pressefreiheit wird mehr Widerstand bewirken).

Quim: „Si el miércoles era #JeSuisCharlie hoy soy #IchBinMopo“ (Am Mittwoch war ich JeSuisCharlie, heute bin ich MOPO).

Q: „Zusammenstehen. Macht bitte weiter so wie bisher. Die Feder ist mächtiger als das Schwert.“

Hamburg Airport: „Liebe MOPO! Was für ein Schreck. Wir wünschen alles Gute und eine schnelle Aufklärung.“

Facebook

Patrick Mering: „Macht weiter so! Denn die MOPO gehört zu Hamburg. Und nach Hamburg gehören Meinungs- und Pressefreiheit. Hier ist kein Platz für Terror.“

George Kyle (Schottland): „To all involved at this paper: Well done for having the courage to reprint the cartoons of ,Charlie Hebdo‘! Please continue in your bravery!“ (An alle Mitarbeiter der Zeitung: Ein Lob, dass ihr den Mut hattet, die Karikaturen von ,Charlie Hebdo‘ zu drucken. Weiter so mit eurem Mut!)

Sébastien Soules aus Frankreich: „Frankreich ist mit euch. La France avec vous!“

Steff Mueller: „Hochachtung der Hamburger Morgenpost.“

Ute Stefanie Haak: „Haltet durch, liebe MOPO. Und bitte passt auf euch auf!“

Andrew Armstrong (Irland): „Thank you for your courage.“ (Danke für euren Mut.)

Jimmy Pertuis: „Soutiens depuis la France! Nous sommes Européens! Contre le terrorisme!“ (Unterstützung aus Frankreich! Wir sind Europäer! Gegen den Terrorismus!)

Weitere Stimmen

Reporter ohne Grenzen: „Gewalt darf in Deutschland kein Mittel der Auseinandersetzung mit missliebigen Meinungen oder Veröffentlichungen werden“, so ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Pressefreiheit ist ein nicht verhandelbares Grundrecht. Brandanschläge auf Medien oder Journalisten sind damit völlig unvereinbar.“

Matthias Kaiser, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Tabita-Gemeinde in Ottensen/Othmarschen: „Mit Bestürzung habe ich eben vernommen, dass bei euch ein Brandanschlag verübt wurde. Auch wenn nur Papier gebrannt hat und Gott sei Dank kein Menschenleben zu Schaden kam, möchte ich alle Mitarbeiter meine Unterstützung und mein Mitgefühl wissen lassen.“

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