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Am Rande einer Demo in der City: Im Video: Polizisten treten auf Fotografen ein

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Screenshot

Dieses Video bringt die Polizei in Erklärungsnot: Beamte stoßen am Rande einer Demo in der City einen Mann um - dann treten sie auf den wehrlos am Boden liegenden ein und schlagen mit dem Schlagstock zu. Schließlich lassen sie ihn liegen und laufen weiter. Der Geschlagene ist Eicke H. (21), Mitglied der IG Metall, für die er als Fotograf im Einsatz war – und will jetzt Anzeige erstatten.

„Ich hielt die Hände nach oben und schützte meine Kamera“, erzählt der 21-Jährige geschockt. Einen Presseausweis habe er nicht, dieser sei aber beantragt, da er in einem Medienprojekt der Gewerkschaft mitwirke. Er habe Druckstellen und blaue Flecke, suche nun einen Arzt auf.

Die Szene spielte sich am Sonnabend am Hauptbahnhof ab, dort kam es zu teils massiven Auseinandersetzungen zwischen linken Gruppen und der Polizei. Anlass war eine Demo des Vereins „Besorgte Eltern“ unter dem Motto "Stoppt den Sexualkundezwang an Grundschulen". Ab 11.30 Uhr hatten sich rund 50 Teilnehmer der Initiative am Hachmannplatz getroffen. Ihr Protest richtet sich gegen „Früsexualisierung“ und Sexualkunde-Unterricht an Grundschulen.

Sie spricht sich auch gegen die „Genderbewegung“ aus, die Geschlechterrollen aufbricht. Ablehnung von Abtreibung und Homophobie werfen Kritiker der Gruppierung vor.

Als Reaktion auf deren Demo hatten sich um 11 Uhr bereits rund 400 Gegner zu einer Kundgebung unter dem Motto „Hamburg demonstriert Vielfalt: Gemeinsam für Akzeptanz in Schule und Gesellschaft“ am Hansaplatz versammelt. Ihre Menge wuchs auf mehr als 1000 Teilnehmer an. Später zogen viele von ihnen zum Hachmannplatz, um lautstark und bunt die Elterndemo zu behindern. Es herrschte eine gewisse Party-Stimmung mit Konfetti und Sprechchören, jegliche Ansprachen von Verantwortlichen der Initiative wurden allerdings niedergebrüllt.

Die Polizei bildete gegen 12.30 Uhr am Hachmannplatz einen Schutzring mit Beamten, um die „Besorgten Eltern“ und ihre Kinder abzuschirmen. Gegen-Demonstranten warfen laut Polizei Schneebälle, Eier, Böllern und Plastikflaschen mit gefrorenem Wasser in den Kessel. Ein 15-jähriges Mädchen erlitt dort eine Platzwunde, nachdem ihr eine Fernbedienung gegen den Kopf geworfen worden war.

Der Großteil der friedlichen Gegendemonstranten zog nach gut zweieinhalb Stunden ab. Andere versuchten, den Zug der Eltern-Initiative zu stören und zu blockieren. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, um sie zurückzudrängen. Auf der Steintorbrücke kam es dann zu dem im Video dokumentierten Zwischenfall. Beamte der Bereitschaftspolizei stürmen plötzlich auf die Blockierer los. In einer ersten Szene reißen sie den Fotografen um, ein Beamter versucht offenbar, den jungen Mann mitzureißen, erwischt ihn aber nur an der Kapuzenjacke. In einer zweiten Szene rempeln die Polizisten den Fotografen erneut um, treten auf ihn ein und setzen den Schlagstock ein.

„Es gab Widerstandshandlungen, die gebrochen werden mussten, um das Demonstrationsrecht durchzusetzen“, sagte ein Polizeisprecher in einer ersten Reaktion. Angesprochen auf das Video äußert er sich wie folgt: „Die Video-Sequenz kann ich so nicht bewerten, weil sie nur ein Ausschnitt der Gesamtsituation ist. Es ist nicht erkennbar, was dem vorangegangen ist. Aber wir werden den Fall prüfen!“

Mit einer Eskalation in dieser Form war man offenbar bei der Lageeinschätzung vor den Demos nicht ausgegangen. 200 Beamte waren im Einsatz. Nach MOPO-Informationen hatte der Anmelder der Gegendemonstration die Polizei darauf hingewiesen, dass ein erhebliches Störungspotenzial vorliege und seiner Einschätzung nach zu wenige Beamte vor Ort seien.

Die Eltern-Demo wurde nach dem erfolgten Marsch gegen 16 Uhr für beendet erklärt.