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MOPO.de | Absurde Extrakosten : So dreist treiben Miet-Abzocker die Preise hoch
13. April 2012
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Absurde Extrakosten : So dreist treiben Miet-Abzocker die Preise hoch

So soll es bald aussehen: Doch die Mieten am Wiesendamm dürften eher abschreckend sein.

So soll es bald aussehen: Doch die Mieten am Wiesendamm dürften eher abschreckend sein.

Foto:

hfr

Abzocke im sozialen Wohnungsbau. Ein Vermieter von Sozialwohnungen in Barmbek dreht ordentlich an der Mietschraube. Für Abstellkammer, Pkw-Stellplatz und Kanu-Parkplatz (!) muss jeder Mieter 251 Euro extra zahlen – egal, ob er die Extraleistungen braucht, oder nicht.

Unterm Strich schlägt die „Dr. G. Clausen Hausverwaltung“ monatlich 251 Euro zusätzlich auf die Kaltmiete von 541,50 Euro drauf. So kostet die 90 Quadratmeter große Sozialwohnung am Wiesendamm 55 a-c (Barmbek, bezugsfertig im Sommer), die nur von Mietern mit einem Wohnberechtigungsschein (§5) bezogen werden darf, 792,50 Euro kalt.

Gesetzlich vorgegeben sind im geförderten Wohnungsbau 5,80 Euro pro Quadratmeter. Vermieter Gerhard Clausen mutet seinen Mietern 8,48 Euro zu. Auch gibt es seit vergangenem Jahr einen Grenzwert der Wohnungsbaukreditanstalt (WK) für Pkw-Stellplätze. Sie dürfen pro Monat nur zwischen 50 und 65 Euro kosten.

Doch das ist nicht alles, was sich „Dr. G. Clausen“ an weiteren Kosten hat einfallen lassen. So lesen die potenziellen Mieter im Vertrag (liegt der MOPO vor), dass sie einen Anteil von 4510 Euro für den Parkettfußboden (Eiche) übernehmen sollen. Auch für die Einrichtung von Badezimmer und Küche fallen Tausende von Euro an.

„So etwas ist mir noch nie untergekommen“, sagt Andree Lagemann vom Verein „Mieter helfen Mietern“. Wer einen solchen Vertrag bereits unterschrieben habe, könne dagegen angehen, so Lagemann. Deutliche Worte findet der GAL-Abgeordnete Olaf Duge, Fraktionssprecher für Bauen und Wohnen: „Es ist frech und unverschämt, wie in diesem Fall Fördergelder der Stadt abgegriffen und Mieter von Sozialwohnungen mit Knebel-Klauseln abgezockt werden sollen. In der derzeitigen Lage am Wohnungsmarkt können Vermieter anscheinend alles verlangen.“

Er sieht die Stadt in der Pflicht: „Wenn für einen Auto-Stellplatz 177 Euro pro Monat fällig werden, kann man das nur als versteckten Wucher bezeichnen. Der Senat muss die Angelegenheit jetzt schnell aufklären und dafür sorgen, dass solche Fälle künftig nicht mehr möglich sind.“

Der Vermieter Gerhard Clausen versteht die Aufregung nicht. „Hier läuft überhaupt nichts Unzulässiges.“ Es handele sich um ein innovatives, teures Bauprojekt nach Passivhausstandards. Zudem habe die Wohnungsbaukreditanstalt einer „besonderen Vereinbarung in Bezug auf die Stellplätze zugestimmt“, so Clausen.

Seiner Ansicht nach hätten „§5-Schein-Inhaber des oberen Spektrums“ Interesse an solchen Extras. Gerhard Clausen: „Sie freuen sich, mit eigenem Kanu direkt vom Bootssteg Hamburgs Kanäle zu befahren.“ Kritik an den Extra-Kosten für die Abstellkammer kann Herr Clausen nicht verstehen.

Die Wohnungsbaukreditanstalt meint: „Die Gebührenbegrenzung für die Stellplätze wurde erst 2010 eingeführt. Der Wiesendamm ist davon nicht betroffen. Aber eine Kopplung mit dem Wohnraum-Mietvertrag ist nicht zulässig.“