Thomas "Karate-Thommy" Born war einer von sechs führenden Köpfen der "Nutella-Bande", die Ende der 70er bis Anfang der 80er das Rotlichtmilieu beherrscht hat.
In den späten 70er Jahren heuerte der heute 54 Jahre alte Ex-Karate-Europameister bei den "Nutellas" an. "Dort war ich zuständig für den Bereich Stress." Wann immer jemand glaubte, sich an dem einträglichen Geschäft mit den Prostituierten beteiligen zu wollen, war "Thommy" Born gefragt. "Ich bin dann hin zu den Leuten, hab mir den Chef gegriffen und erst mal eine verpasst. Dann hab ich gefragt, ob es Probleme gibt." Die hatten sich damit dann meist erledigt.
Bis zum 22. Oktober 1982. Das bis dahin geltende Gesetz, dass Konflikte nur mit Fäusten ausgetragen werden, wurde aufgehoben. Der Anlass war banal. Zwei Mädchen prügelten sich. Die Jungs vom "Bel Ami" verlangten Verdienstausfall, weil ausgerechnet ihre "Mitarbeiterin" ein blaues Auge davontrug. "Ich also mit ,SS-Klaus' und ,Angie' Becker hin. Dann haben die geschossen." Borns Kollegen waren sofort tot. Er selbst wurde am Bauch und Unterarm getroffen. Mit einem Sprung durch eine verschlossene Holztür rettete er sein Leben.
"Es kann wieder zu Schießereien auf dem Kiez kommen", glaubt Born. "Ich vermute zwar, dass Marek dafür gesorgt hat, dass die Läden auch ohne ihn weiterlaufen. Doch wenn die Gruppe weiter geschwächt wird, dann drängen andere Leute nach." Die jetzigen Zuhältergruppen auf dem Kiez seien gut eingespielt. "Sie sprechen eine Sprache, akzeptieren dieselben Regeln."
Born hat es am eigenen Leib erlebt, was passiert, wenn auf dem Kiez ein Machtvakuum entsteht. Als die größte deutsche Zuhältervereinigung "GMBH" Anfang der 80er an Einfluss verlor, kam es zu tödlichen Schießereien. In den 90ern, als viele Zuhälterchefs im Knast saßen, ballerten sich ausländische Gruppen den Weg frei.
Weitere Razzien und die Ruhe wäre hin. Born: "Es ist gefährlich, bestehende Strukturen zu zerstören. Es gibt dann neue Leute auf St. Pauli und damit neue Probleme.
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