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„Critical Mass“: Gemeinsam auf Tour mit den Rad-Rebellen

MOPO-Reporterin Ankea Janssen bei der Fahrrad-Demo.

MOPO-Reporterin Ankea Janssen bei der Fahrrad-Demo.

Foto:

Marius Roeer

Jeden letzten Freitag im Monat gehören Hamburgs Straßen den Radfahrern, jetzt ist es wieder so weit. Wenn sich die Gruppe "Critical Mass" zur Protestfahrt trifft, brauchen Autofahrer einen langen Atem. Mit einem kollektiven Klingelkonzert kämpfen die Radler für Gleichberechtigung im Straßenverkehr. MOPO-Reporterin Ankea Janßen (24) fuhr einen Abend mit.

Erst wenige Stunden vor der Abfahrt erfahre ich auf Facebook den Startpunkt der "Critical Mass": Moorweide am Dammtor, 19 Uhr. Es gießt in Strömen und trotzdem kommen an diesem Freitagabend (laut Polizei) 4200 Radfahrer zusammen.

Es fühlt sich an wie ein riesiges Familientreffen. Alte, Junge, Väter und Mütter mit Kindern im Fahrrad-Anhänger. Sie alle sind gerne mit dem Rad unterwegs und haben heute eine Mission.

Die Dachdecker Patrick (32) aus Harburg, David (27) aus Winsen und Max (33) aus Heimfeld haben ein altes Postfahrrad zur fahrbaren Disco umfunktioniert. Aber sie wollen heute nicht nur Party machen. "Auf Fahrradfahrer muss einfach mehr Rücksicht genommen werden", sagt Patrick. Rentner Jan Maßmann (67) erzählt mir, dass er jeden Tag mit dem Rad in Hamburg unterwegs sei - und das sei immer wieder gefährlich.

Ich selbst fahre auch jeden Tag mit dem Fahrrad in die Redaktion. Auf dem Hinweg teile ich mir die Simon-von-Utrecht-Straße mit Autos und Lastern. Der Rückweg führt mich eigentlich über die Reeperbahn - für Radler eine absolute Horrorstrecke. Also fahre ich Umwege. Das dauert zwar länger, ist aber deutlich entspannter.

Umso schöner ist das Gefühl, bei der "Critical Mass" plötzlich Platz zu haben und als Radfahrer endlich einmal wahrgenommen zu werden. Die "Critical Mass" darf auf der Fahrbahn fahren, weil es die Straßenverkehrsordnung erlaubt. Schließen sich 16 Radfahrer zusammen, gelten sie als Verband und dürfen unter Einhaltung der Verkehrsregeln auf der Straße fahren (§ 27 Abs. 1 StVO).

Von der Spitze bis zum letzten Fahrer gilt der Verband als Fahrzeug. Fließend durch Hamburg fahren, bis raus an den Stadtrand nach Niendorf - keine einzige rote Ampel zwingt uns zum Stehenbleiben. Ein tolles Gefühl, das zusammenschweißt.

Damit alle Teilnehmer heil über die Kreuzungen kommen, gibt es sogenannte "Corker". Sie stellen sich mit ihren Rädern vor die Autofahrer und schützen die Masse. Und genau hier gibt es immer wieder Konflikte.

Tausende Radler machen ein Durchkommen unmöglich. Einem Passat-Fahrer platzt beim Anblick der über zwei Kilometer langen Kolonne der Kragen: "Ich komme zu spät zur Arbeit!" Verzweifelt wendet er sich an einen Motorradpolizisten, vergebens.

Heute gehört die Stadt den Radlern. Heute sind wir mal die Stärkeren. Obwohl ich die Tour als sehr harmonisch und friedlich empfinde, lese ich später auf Facebook viele kritische Kommentare. Das Motto der "Critical Mass" ("Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind Teil des Verkehrs") sei in Gefahr: Betrunkene und Rambo-Radler, die in den Gegenverkehr rasen, würden die gesamte Aktion gefährden.

Der Protest, nicht die Party solle im Vordergrund stehen. Am Fischmarkt ist nach mehr als zweieinhalb Stunden Schluss - 35 Kilometer bin ich gefahren und habe es irgendwie gar nicht richtig gemerkt.

Auf dem Nachhauseweg ist mein Platz wieder auf dem Radweg und am Straßenrand - leider!

Sehen Sie hier das Video:

„Critical Mass“: Auf Tour mit den Rad-Rebellen
Jeden letzten Freitag im Monat gehören Hamburgs Straßen den Radfahrern. Wenn sich die Gruppe „Critical Mass“ zur Protestfahrt trifft, brauchen Autofahrer einen langen Atem. Die MOPO war dabei...
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