Hamburg historisch
Hamburg blickt auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurück. Diese Tage machten Geschichte.

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Hamburg historisch: Der Tag, an dem Fritz Honka gefasst wurde

Serienmörder Fritz Honka (M.) wird festgenommen.
Serienmörder Fritz Honka (M.) wird festgenommen.
Foto: Archiv

Eigentlich ist er eine bemitleidenswerte Kreatur: Er hat einen Sprachfehler, das Gesicht ist entstellt, er ist geistig zurückgeblieben. Aber andererseits ist er eben auch gemeingefährlich. Ein Serienmörder. Sogar der schlimmste, den Hamburg je hervorgebracht hat. Fritz Honka. Am 17. Juli 1975 stoßen Feuerwehrleute auf sein furchtbares Geheimnis.


Zeißstraße 74 in Ottensen. Es wird später das „Horror-Haus von Hamburg“ heißen. An diesem Tag bricht in dem Gebäude, in dem Honka wohnt, ein Feuer aus. Ein Nachbar hat den Strom nicht bezahlt, verwendet statt Lampen Kerzen. Eine davon fällt um – und als die Feuerwehrleute zum Löschen kommen, fallen ihnen im Dachgeschoss aus einem Verschlag blaue Müllsäcke entgegen. Sie sind prall gefüllt mit abgeschnittenen Armen und Beinen.


Eins muss man bei Honka berücksichtigen: Leicht hat er es nie gehabt. Geboren wird er 1935 in Leipzig. Der Vater, von Beruf Heizer, ist Alkoholiker, stirbt im KZ. Fritz Honkas Gesicht wird bei einem Fahrradunfall entstellt. Er trägt einen Hirnschaden davon. Liebe und Zuneigung kennt er nicht. Er wird misshandelt, vergewaltigt, geschlagen. Frauen lachen über ihn. Wenn ihn jemand spüren lässt, wie unzulänglich er ist, wird er wütend. Sehr wütend.

Die Opfer von Fritz Honka: Anna Beuschel, Gertraud Bräuer, Frieda Roblick, Ruth Schult
Die Opfer von Fritz Honka: Anna Beuschel, Gertraud Bräuer, Frieda Roblick, Ruth Schult
Foto: Archiv

1951 geht Honka nach Hamburg, verdingt sich erst als Hafenarbeiter, wird später Nachtwächter im Shell-Neubau in der City-Nord. Abends lungert er in Spelunken wie dem „Goldenen Handschuh“ herum oder im „Elbschlosskeller“. Manchmal trinkt er zehn Cola-Rum nacheinander, raucht Kette.


Er lebt in einer 18-Quadratmeter-Dachgeschosswohnung in Ottensen: Schäbiges Sofa. An den Wänden Pin-up-Girls. Der Tisch übersät mit Zigarettenschachteln, vollen Aschenbechern und Flaschen mit Fusel. Manchmal nimmt er aus der Kneipe Frauen mit nach Hause: Fünf-Mark-Nutten und Stadtstreicherinnen, für die es kein bergab mehr gibt. Doch wehe, sie tun nicht alles, was er will.

Im Dachgeschoss der Zeißstraße 74 lebte Fritz Honka.
Im Dachgeschoss der Zeißstraße 74 lebte Fritz Honka.
Foto: Olaf Wunder

Sein erstes Opfer ist Gertraud Bräuer, die sich bei ihm bewusstlos trinkt. Als Honka am frühen Morgen Sex will, lehnt sie lallend ab. Sie kann nicht mehr. Ihr Todesurteil. Er reißt die Gardine vom Fenster, legt sie der Frau um den Hals, zieht zu.
Anna Beuschel, wie Honka Stammgast im „Goldenen Handschuh“, muss 1974 sterben, „weil sie“, so sagt Honka später im Prozess, „im Bett lag wie ein Brett“.


Frieda Roblick ist Honka zwar im selben Jahr beim Sex gefällig, aber sie versucht ihn zu bestehlen. Er erdrosselt sie. Zur Strafe.


Und Ruth Schult zieht er 1975 eine Kornflasche über den Kopf, weil sie ihn auslacht. Mit einem alten Damenstrumpf gibt er ihr den Rest.


Das Polizeipräsidium am Berliner Tor, Zimmer 717. Hier wird Honka von Peter Seeler von der Mordkommission und Hauptkommissar Hans-Peter Untermann verhört. Tagelang ist aus dem Mann, in dessen Abseite die Leichenteile gefunden wurden, nicht mehr als „weiß nicht“ oder „schon möglich“ rauszuholen. Honka isst nichts, trinkt dafür umso mehr schwarzen Kaffee, raucht eine „Sheffield“ nach der anderen. Dann, nach 60 quälenden Stunden, sagt er plötzlich: „Ich glaub’, mir fällt da noch was ein.“


Jetzt sprudelt alles aus ihm heraus. Zu Protokoll gibt Honka, er habe im Auftrag von „Jack the Ripper“ gehandelt, er nennt sich selbst den „König der Ganoven“. Über Einzelheiten seiner Taten redet er nicht gerne. Über die Frauen, die er ermordete, sagt er nur: „Ich habe sie halt gebumst.“

Seriemörder Fritz Honka auf der Anklagebank.
Seriemörder Fritz Honka auf der Anklagebank.
Foto: Archiv

1976 der Prozess. Dunkler Anzug, Krawatte, klobige Schuhe. So sitzt Honka auf der Anklagebank. Viel sagt er nicht. Zu sehr schämt er sich seines Sprachfehlers. Seit ihm Zähne im Unterkiefer herausgebrochen sind, kann er kein „Sch“ sprechen. Es klingt deshalb ziemlich komisch, als er – trotz Geständnisses – ruft: „Ich bin unschuldig.“


Honkas Staranwalt Bossi erreicht ein überraschendes Urteil: Honka kommt in die Psychiatrie, wird 15 Jahre lang weggesperrt. Ab 1993 ist er ein freier Mann, lebt noch ein paar Jahre unter dem Namen „Peter Jensen“ in einem Altenheim in Scharbeutz. Am 19. Oktober 1998 stirbt er im Alter von 63 Jahren.

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