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Spritzenkur : Hilfe, ich bin allergisch gegen Katzen

Beliebtestes Haustier: In deutschen Haushalten leben 7,8 Millionen Katzen. Jiny W. ist allergisch und weicht den niedlichen Stubentigern möglichst aus.
Beliebtestes Haustier: In deutschen Haushalten leben 7,8 Millionen Katzen. Jiny W. ist allergisch und weicht den niedlichen Stubentigern möglichst aus.
Foto: Uwe Weiser/dpa

Wehe, Jiny W. trifft eine Katze. Dann wechselt sie die Straßenseite, flüchtet aus der Wohnung. Die 23-jährige städtische Angestellte aus Leverkusen ist allergisch gegen Katzen. Sich selber eine anzuschaffen – utopisch. Schon berufsbedingter Kontakt mit Katzenhaltern reichte lange Zeit aus für heftige Niesanfälle und Augenjucken.

„Ich musste mich aus einem Doppelbüro wegsetzen, weil meine Kollegin eine Katze hatte“, erzählt sie, „ich habe es keine zehn Minuten ausgehalten, ohne dass ich anfing zu schniefen.“ Und bevor sie ihr Patenkind besuchen konnte, war umständliches Großreinemachen bei den Katzenliebhabern nötig, alle Teppiche, Fußböden, Sofas saugen, Staub wischen, die Katze wegsperren.

Dieses Theater brachte das Fass zum Überlaufen.

Die Rheinländerin entschloss sich zu einer Spritzenkur – und die ist, anders als bei Pollenallergie, nicht ohne Risiko.

„Es sind sogar Todesfälle beschrieben“, weiß Norbert K. Mülleneisen (57), Lungenfacharzt, Allergologe, Arzt für Innere Medizin und Notarzt aus Leverkusen, „deshalb trauen sich viele Ärzte da nicht ran.“

Das Risiko: Der Doktor spritzt bei der sog. Hyposensibilisierung jeden Monat drei Jahre lang eine winzige Dosis des Allergens, um dem Körper die überschießende Immunantwort auf den eigentlich harmlosen Umweltstoff abzugewöhnen.

Was die Katze absondert, über Haut, Speichel, Fell, Tränendrüsen, „ist sehr fein und schwebt überall in der Luft, im Hausstaub, haftet an Teppichen und Kleidung, und kann bei Allergikern schwerste asthmatische Anfälle auslösen“, weiß der Facharzt. Da kann die Spritze zusätzlich zur Umwelt-Dosis schnell bedrohlich werden.

„Von 26 Patienten, die ich behandelt habe, haben 25 bereits ein Asthma“, so Mülleneisen. „Die eigene Katze muss während der Behandlung auf jeden Fall ins Exil, auch wenn sich die Symptome meist bereits nach sechs Monaten bessern.“ Das bestätigt Patientin Jiny W.. Die Rheinländerin hat den Entschluss zum Start der Prozedur nie bereut.

Die ersten zwei Jahre sind geschafft, ohne das Notfallset (Kortisontabletten, Asthmaspray) zu aktivieren, ihr Patenkind kann sie spontan sehen: „Früher konnte ich keine fünf Minuten zu Besuch sein, ohne dass die Augen tränten, die Nase lief und ich niesen musste.“

Nur der Stubentiger wird nach wie vor für die Tante aus dem Zimmer verbannt. Denn Katzenkontakt ist während der Spritzenkur strikt verboten.

Hunde sind kein Problem – zu „dreckig“

Hunde sind für Allergiker erstaunlicherweise kein Problem. „Vermutlich, weil das Allergen nicht so fein ist wie das in den Sekreten der Katze – und weil Hunde sozusagen dreckiger sind“, weiß Allergologe Mülleneisen.

Es gibt sogar Hinweise, dass das nicht ganz so reine Fell von Bello und Co. Bakterien verbreitet, die unser Immunsystem trainieren. „Insofern sind Hunde im allergiegefährdeten Haushalt sogar eher günstig“, sagt der Experte.

Von Bauernhofkindern weiß man, dass sie seltener Allergien entwickeln, vermutlich dank regelmäßigerer, natürlicher Schmutzkontakte. Mülleneisen: „Der Hund im Haus ist sozusagen der Bauernhof für Großstädter.“

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