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Geburten: Der Kaiserschnitt zum Wunschtermin

Geburten per OP zu einem Wunschtermin sind in Deutschland noch recht selten.
Geburten per OP zu einem Wunschtermin sind in Deutschland noch recht selten.
 Foto: dpa-tmn

Promi-Mamas wie Victoria Beckham gebären zum Wunschtermin. Töchterchen Harper kam am 4. Juli 2011 zur Welt, dem Hochzeitstag der Beckhams, alles genau geplant. Auch bei uns steigen Kaiserschnitt-Geburten. Doch sie sind nicht ohne Risiko.

In Deutschland steigt die Zahl der Kaiserschnitte seit Jahren. Vor 20 Jahren lag der Anteil nur halb so hoch. Zudem gibt es regional starke Unterschiede, wie der Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann-Stiftung kürzlich ergab.

„Laut Weltgesundheitsorganisation erfolgen durchschnittlich zehn Prozent der Kaiserschnitte wegen einer deutlichen Gefährdung für Mutter oder Kind“, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin Petra Kolip von der Universität Bielefeld. Doch warum sind die Kaiserschnitt-Raten deutlich gestiegen? „Eines ist klar: Der vielzitierte Wunschkaiserschnitt, beispielsweise von Frauen, die die Geburt mit dem Terminkalender ihres Mannes abstimmen, ist selten, der Anteil liegt bei zwei Prozent der Schwangeren“, sagt Kolip, Mitautorin des Faktenchecks.

Infektionen und Wundheilstörungen

Das bestätigt auch Prof. Klaus Friese, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. „Für das besondere Datum 12.12.2012 hatten wir nur drei geplante Kaiserschnitte im Terminkalender, bei 4400 Geburten im Jahr“, sagt der Leiter der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtsmedizin am Uniklinikum München. Die Techniker Krankenkasse hatte jedoch zuletzt gemeldet, dass sie am 11.11.2011 mehr als doppelt so viele Kaiserschnitte verzeichnet hatte als an „normalen“ Tagen.

„Für die Mutter ist das Risiko bei einem Kaiserschnitt insgesamt nicht mehr so viel höher als bei einer vaginalen Geburt“, sagt Friese. Zu den Risiken des Kaiserschnitts gehörten Infektionen und Wundheilungsstörungen oder die erhöhte Gefahr einer Thrombose. Andererseits könne auch eine natürliche Geburt mit Problemen einhergehen, einem gerissenen Damm oder Blutungen etwa. „Die Frauen müssen darauf bestehen, ausführlich aufgeklärt zu werden“, rät er.

Ärzte haben Ermessensspielraum

Als eindeutige Gründe für eine operative Geburt nennt Friese, wenn der Mutterkuchen direkt vor der Vagina liegt und so den Weg für das Kind bei der Geburt versperren würde. „Diese Fehllage der Plazenta könnte zu lebensgefährlichen Blutungen führen.“ Auch eine Querlage des Kindes, ein drohender Riss in der Gebärmutter oder eine mangelnde Versorgung des Babys mit Sauerstoff könnten einen Kaiserschnitt notwendig machen.

In anderen Fällen gibt es laut Kolip einen Ermessensspielraum. Dazu zählen ein vorausgegangener Kaiserschnitt, die Beckenendlage, also wenn der Po des Kindes und nicht der Kopf als erstes im Geburtskanal liegt, oder Zwillingsgeburten.

Angst und Unsicherheit gehören dazu

Der Deutsche Hebammenverband in Karlsruhe kritisiert seit jeher die hohe Rate an Kaiserschnitten. „Die regionalen Unterschiede, die sich nicht medizinisch belegen lassen, lassen uns zusätzlich ins Grübeln kommen“, sagt Sprecherin Edith Wolber. Oft werde von Seiten der Ärzte zu schnell ein Kaiserschnitt als „technische Lösung“ angeboten.

Zahlen und Fakten zu Geburten in Deutschland und weltweit lesen Sie in der Bildergalerie.

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