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Wissenswertes rund um die Geldanlage, zum Beispiel Tagesgeld, Festgeld und Aktien, sowie Tipps zum Thema Kredite, Schulden und Sparen

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Zinstief: Geld anlegen mit Bedacht

Wenn Anleger in Zeiten niedriger Zinsen nicht nur kleine Renditen erwirtschaften wollen, müssen sie ihre Strategie ändern. Ein wenig mehr Risikobereitschaft könnte helfen.
Wenn Anleger in Zeiten niedriger Zinsen nicht nur kleine Renditen erwirtschaften wollen, müssen sie ihre Strategie ändern. Ein wenig mehr Risikobereitschaft könnte helfen.
Foto: dpa

Das Angebot liest sich auf den ersten Blick nicht schlecht: 1,0 Prozent bekommen Verbraucher, wenn sie ihr Geld auf ein Tagesgeldkonto bei einer Sparkasse einzahlen. Allerdings gibt es einen Haken: „Die Kunden verlieren damit eigentlich Geld“, erklärt Prof. Martin Weber vom Institut für Investmentbanking an der Universität Mannheim. Denn die Inflationsrate ist weit höher als der Zinssatz des Geldinstituts. Im August lag sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland bei 2,1 Prozent.

Anleger stecken derzeit in einem Dilemma. Denn vor dem Hintergrund der Finanz- und Schuldenkrise sind die Zinsen seit langem auf Talfahrt. Anfang Juli hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf 0,75 Prozent gesenkt – der niedrigste Stand seit Einführung des Euro. Auch in anderen großen Währungsräumen liegen die Sätze unter 1 Prozent. Die US-Notenbank Fed will daran in nächster Zeit auch nichts ändern. Im Gegenteil: Der Zinssatz von derzeit fast 0 Prozent soll bis 2014 auf diesem Niveau bleiben.

Deutsche wollen Sicherheit

Anleger haben damit immer größere Schwierigkeiten, eine akzeptable Rendite zu erwirtschaften. „Von dieser Niedrigzinsphase sind viele Anlageklassen betroffen“, erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Denn nicht nur für Einlagen auf dem Tagesgeld- oder dem Festgeldkonto gibt es weniger Zinsen. Auch bei Lebensversicherungen sinken die Renditen.

Besonders für die Deutschen scheint das ein Problem zu sein. Laut dem Bundesverband deutscher Banken verfügen die Bundesbürger zwar über ein Geldvermögen in Höhe von 4,7 Billionen Euro. Dieses Geld investieren sie aber vor allem in vergleichsweise renditeschwache Anlagen. Laut einer aktuellen Verbraucheranalyse im Auftrag der Axel Springer AG und der Bauer Media Group haben 70 Prozent der Deutschen ein niedrigverzinstes Sparbuch. Aktien, bei denen die Renditen weit höher sein können, besitzen demnach gerade mal 6,6 Prozent der Bundesbürger.

Klar werden über die Ziele

„Es gibt hierzulande einen starken Hang zur Sicherheit“, sagt Prof. Weber. Die Zahlen des Bankenverbandes bestätigen das: Über 1,9 Billionen Euro des Geldvermögens sind Spar-, Sicht- oder Termineinlagen bei den Banken und Bargeld. Weitere 1,4 Billionen Euro stecken in Versicherungen und nur 222 Milliarden Euro in Aktien. Dass viele Banken ihren Kunden keine hohen Zinsen zahlen, kann Max Herbst von der FMH Finanzberatung den Geldinstituten sogar nachvollziehen. „Viele Kunden sind ja bereit, ihr Geld für 0,25 Prozent Zinsen anzulegen. Warum sollen die Geldinstitute mehr zahlen?“, so der Finanzexperte.

„Anleger müssten eigentlich ihre Anlagestrategie überdenken“, sagt Niels Nauhauser. „Denn nur die Hände in die Taschen zu stecken, hilft nichts.“ In hektischen Aktionismus brauchen sie dabei aber auch nicht verfallen. „Wichtig ist erstmal, sich um die grundlegenden Dinge zu kümmern“, erklärt der Verbraucherschützer. Dazu gehören: Schulden abbauen, Rücklagen bilden und sich über die langfristigen Anlageziele klar werden.

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Langfristig müssten deutsche Anleger mehr Risiken eingehen, sagt Prof. Martin Weber. „Die Grundregel lautet: Keine Mehr-Rendite ohne Risiko.“ Vor allem die Aktienquote sollte in den deutschen Depots nach seiner Ansicht steigen. Denn damit beteiligten sich Anleger am Produktivkapital und profitierten direkt von der wirtschaftlichen Entwicklung des jeweiligen Unternehmens.

Allerdings müssten Anleger in diesem Fall lernen, mit schwankenden Kursen zu leben – und mit der Angst vor Verlusten. „Wenn man jeden Tag die Kurse anschaut, ist das nicht gut“, rät Weber nervösen Anlegern. Denn dadurch werde man zu sehr beeinflusst. Schließlich seien Börsenkurse eine Momentaufnahme und sinkende Werte nicht gleich ein Anzeichen dafür, dass es einem Unternehmen schlecht geht.

„Möglichst breit aufgestellt sein“

Außerdem sind auch andere Anlageklassen mit Risiken verbunden. So gibt es zwar für Unternehmensanleihen sieben Prozent Zinsen oder mehr. „Da muss man sich aber auch die Frage stellen, warum eine Firma einen so hohen Zinssatz zahlen muss“, sagt Weber. Möglicherweise liege das daran, dass das Unternehmen von Banken keine Kredite mehr bekomme. „Solche Risiken blenden Anleger aber aus.“

Deshalb gilt: „Das Depot sollte möglichst breit aufgestellt werden“, sagt Niels Nauhauser. Denn dann können Wertverluste der einen Anlageklasse mit Gewinnen der anderen Anlageklasse ausgeglichen werden. Von der aktuellen Nachrichtenlage sollten sich Anleger bei ihrer Entscheidung aber nicht zu sehr beeinflussen lassen, rät Prof. Weber. Es sei wichtig, eine gute Mischung aus sicheren und riskanteren Anlagen zu finden. „Die Zukunft kann ohnehin niemand vorhersagen.“

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