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Vor- und Nachteile: Blitz-Kredit aus dem Pfandleihhaus

Viele Menschen bleiben durch den Gang ins Pfandhaus finanziell flüssig.
Viele Menschen bleiben durch den Gang ins Pfandhaus finanziell flüssig.
Foto: dpa

Im Schaufenster glänzt wertvoller Schmuck: Eine Perlenkette, eine goldene Rolex, ein fein gearbeitetes Diadem. Gegenstände, die von ihren Besitzern gegen Bares ins Pfandleihhaus gebracht wurden. Weil immer mehr Menschen auf den schnellen Kredit setzen, boomt das Geschäft der Leihhäuser: „Dabei spielt auch der gestiegene Goldpreis eine Rolle, denn die Kunden erhalten mehr Geld für ihren Schmuck“, sagt Wolfgang Schedl vom Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes.

Jedes Jahr machen sich rund eine Million Kunden auf den Weg ins Leihhaus, schätzt die Verbraucherzentrale. Die Pfandleiher sehen den Vorteil ihres Kredits darin, dass er „für Jedermann und zu jeder Zeit möglich ist“. Die Kunden stehen nicht mit ihrem persönlichen Vermögen gerade wie bei einem Bankkredit. „Sie machen also keine Schulden, sondern haften ausschließlich mit ihrem Pfand“, sagt Wolfgang Schedl.

Wie viel Geld für den Pfandgegenstand ausgezahlt wird, hängt unter anderem von seinem Alter und dem Wiederverkaufswert ab. Aber auch das Leihhaus selbst spielt eine Rolle. „Die Höhe der Auszahlung unterscheidet sich stark je nach Pfandleiher“, sagt Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Deshalb sollten Verbraucher wenn möglich die Angebote mehrerer Pfandhäuser miteinander vergleichen.

Die Experten beantworten die wichtigsten Fragen rund um dem Pfandkredit, damit beim Gang ins Leihhaus nichts schief geht:

Was wird man Pfandleiher?

Die Pfandleiher haben meist eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Bei der Schätzung der Wertegenstände spiele die Erfahrung eine große Rolle, sagt Wolfgang Schedl. „Außerdem belegen die Pfandleiher spezielle Kurse, um sich weiterzubilden. Dort lernen sie etwa, wie man den Wert eines Edelsteins prüft.“

Ein Pfandleihhaus, auch Pfandhaus oder Leihhaus genannt, ist ein Unternehmen, das bei der Abgabe von Wertgegenständen ein Gelddarlehen (Pfandkredit) vergibt. Rund 200 private Pfandkreditbetriebe gibt es in Deutschland. Die meisten sind im Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes zusammengeschlossen. Hinzu kommen die städtischen Leihämter in Mannheim und Augsburg sowie das Nürnberger Leihhaus und die Pfandleihanstalt Stuttgart.

Wie funktioniert ein Pfandkredit?

Ein Kunde (Verpfänder) bringt seinen Wertgegenstand zum Leihhaus und legt einen Ausweis (Personalausweis, Reisepass oder ein vergleichbares Dokument) vor. Der Pfandleiher prüft nun, ob er den Gegenstand, etwa eine Uhr oder einen Fotoapparat, annimmt. Dann macht er dem Kunden ein Darlehensangebot. Der Zins, den der Pfandleiher dafür nehmen darf, ist gesetzlich festgeschrieben. Im Pfandschein, auch Pfandkreditvertrag genannt, werden die Bedingungen schriftlich festgelegt.

Welche Gegenstände sind geeignet?

Vom iPhone über vererbtes Silberbesteck bis hin zum Auto: „Grundsätzlich gilt, dass jede bewegliche Sache beliehen werden kann - mit Ausnahme von Tieren“, sagt Wolfgang Schedl. Seltener bringen heutzutage Kunden ihre Pelzmäntel ins Leihhaus, stattdessen gehe der Trend eher zur teuren Lederjacke oder fein gearbeiteten Tasche. „Sogar Goldzähne sind denkbar“, weiß Schedl.

Bei Elektrogeräten wie Computer, Fernseher, Stereoanlagen oder Mobiltelefon kann es dagegen Probleme geben. Da heute ständig neue Geräte auf den Markt kommen, ist der Wertverfall rasant. Einige Pfandhäuser akzeptieren laut Verbraucherzentrale grundsätzlich nur so gut wie neuwertige Geräte.

Was kostet die Pfänderleihe?

Kosten und Gebühren für Pfandkredite sind in der Pfandleihverordnung bis zu einer Darlehenshöhe von 300 Euro festgeschrieben. Bis zu dieser Höhe berechnet das Leihhaus höchstens ein Prozent Zinsen pro Monat. Hinzu kommen Gebühren für Schätzung, sichere und fachgerechte Aufbewahrung und Versicherung. Diese Gebühren sind abhängig vom jeweiligen Darlehensbetrag und unter 300 Euro ebenfalls festgeschrieben. Bei einem Betrag von 30 Euro fallen pro Monat etwa 2 Euro Gebühren an, bei 300 Euro sind es 6,50 Euro monatlich.

Ab einer Darlehenshöhe von über 300 Euro sind die Gebühren frei verhandelbar. Sie liegen aber meist zwischen 2 und 3 Prozent der Darlehenssumme. Verbraucherschützer raten hier zur Vorsicht: „Im Vergleich zum Dispo-Kredit oder Bankkredit ist der Pfandkredit aufgrund der Gebühren und Zinsen sehr teuer“, sagt Stefanie Laag. Problematisch ist ein Pfandkredit, wenn er mehrfach verlängert wird. Denn dann steigen die Kosten schnell in die Höhe : „Hochgerechnet kommt man auf einen effektiven Jahreszins von 40 Prozent“, sagt Stefanie Laag.

Für wen lohnt sich ein Pfandkredit?

Wer kurzfristig Geld braucht und über beleihbare Gegenstände verfügt, ist im Pfandleihhaus gut aufgehoben. Auch Kunden, die zum Beispiel aufgrund eines Schufa-Eintrags keine Bandkredite erhalten, kommen auf diese Weise schnell und unkompliziert an Geld.

Unter den Verpfändern sind laut Wolfgang Schedl viele Stammkunden. Auch suchen vermehrt Mittelständler Leihhäuser auf, um einen Kredit für eine Zwischenfinanzierung zu bekommen: „Darunter ist etwa der Arzt, der seine Praxis renovieren möchte und dafür seine Münzsammlung verpfändet.“

Wie viel Geld kann man sich leihen?

Wie hoch der Kredit ist, hängt vom jeweiligen Pfandleihhaus und vom Wert des hinterlegten Pfandes ab. Viele Pfandleihhäuser bieten Kurzkredite von 10 bis 100.000 Euro an. Äußerst selten gibt es Kredite für 5 Euro: „Das lohnt sich in der Regel nicht für den Kunden“, so Wolfgang Schedl. Im Durchschnitt liegt das Darlehen zwischen 200 und 300 Euro. „Aber es kommt durchaus vor, dass Antiquitäten für 80.000 Euro ins Leihhaus gebracht werden.“ In diesen Fällen gibt es meist kein Bargeld, sondern einen Scheck.

In der Regel beträgt das Darlehen 25 bis 50 Prozent des Wertgegenstandes - und ist damit nicht besonders hoch. „Die Kreditnehmer sollten sich das klar machen“, sagt Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale. Den Neuwert bekommt man nie ausbezahlt, in der Regel gibt es viel weniger als erhofft. Kunden müssen einen Sicherheitsabschlag in Kauf nehmen. „Denn der Pfandleiher trägt das Risiko, dass in der Versteigerung kein das Darlehen sowie die Zinsen und Gebühren deckendes Gebot abgegeben wird“, so Wolfgang Schedl. Orientierung geben Pfandkreditrechner, wie sie etwas das städtische Leihamt Mannheim anbietet.

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Eine Rolle spielt auch, was ins Pfandhaus gebracht wird. „Bei Gold gehen wir nach dem Gewicht und dem Feingoldpreis“, erklärt Daniela Germann-Schedl vom Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes. Für wertvolle Uhren hingegen werden etwa 30 bis 40 Prozent des Neuwerts ausgezahlt. Elektronische Geräte wie Fernseher oder Fotoapparate bringen in der Regel kaum Geld, denn sie veralten schnell. Dennoch werden laut Germann-Schedl für eine sehr hochwertige Stereoanlage durchaus 20 bis 25 Prozent des Einkaufspreises als Kredit ausgezahlt.

Wie kann man den Gegenstand wieder auslösen?

Die Laufzeit eines Pfandleihvertrages ist gesetzlich auf mindestens drei Monate festgelegt, hinzu kommt ein Monat Karenzzeit. Der Verpfänder muss sein erhaltenes Darlehen zuzüglich Zinsen und Gebühren bis zum Ende der Vertragslaufzeit an den Pfandleiher zurückzahlen. So kann er sein Pfand wieder auslösen. Zahlt der Kreditnehmer pünktlich den angefallenen Betrag, kann der Pfandkredit beliebig oft um drei weitere Monate verlängert werden.

Bei einem Beleihungsbetrag von 500 Euro kann das laut Verbraucherzentrale satte 20 Euro monatlich kosten. Deshalb sei es empfehlenswert, nur die Summe an Pfandkredit aufzunehmen, „die tatsächlich benötigt wird und auch nur so kurz wie möglich“, sagt Stefanie Laag.

Was passiert mit den nicht ausgelösten Gegenständen?

Weniger als 10 Prozent der hinterlegten Werte werden von Pfandkreditkunden nicht mehr abgeholt beziehungsweise ausgelöst. Diese Gegenstände müssen laut Gesetz öffentlich versteigert werden, frühestens einen Monat nach der Fälligkeit. Für die Versteigerung ist ein Gerichtsvollzieher oder vereidigter Versteigerer zuständig.

Wird bei der Versteigerung eine höhere Summe als der Darlehensbetrag eingenommen, darf der Verpfänder den Überschuss innerhalb von zwei Jahren abholen. Tut er dies nicht, muss der Pfandleiher den Betrag an den Staat abführen.

Versteigerungen von Pfandkreditbetrieben sind übrigens ein Paradies für Schnäppchenjäger.

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