Wäre es nach Franz Gerber gegangen, würde er jetzt möglicherweise bei irgendeinem Amateurverein spielen. Denn in der Regionalliga-Saison 2003/2004 empfahl der St. Pauli-Trainer Fabian Boll, den Kiezklub mangels Klasse und Perspektive zu verlassen. Doch Gerber flog raus, und seine Nachfolger Andreas Bergmann und Holger Stanislawski standen voll auf Boll.
Der 32-Jährige ist bei den Braun-Weißen längst unverzichtbar. Vor allem in dieser Saison spielt er überragend und trifft so oft wie noch nie in seiner Profi-Karriere. Das Motto bei „Boller“: Je oller, je doller! Sein Kopfball zum 1:0-Sieg in Duisburg war sein sechstes Tor – und das als „Sechser“, dessen erste Aufgabe es ist die Defensivabteilung sicher zu machen. Damit hat er mit Stürmer Marius Ebbers gleichgezogen, ist nun Mittelfeldspieler Max Kruse, der bereits zehnmal eingenetzt hat, auf den Fersen.
Erklären kann sich der Mann, der im Zweit-Job Polizist mit dem Status eines Ober-Kommissars ist, seine Treffsicherheit nicht: „Die überrascht mich selbst. Früher in der 4. Liga habe ich 12 bis 15 Dinger im Jahr geschafft. Ich mache jetzt eigentlich nichts anders als sonst. Mein Spiel habe ich nicht umgestellt. Es gibt offenbar Phasen, in denen man mehr Glück hat und häufiger an der richtigen Stelle steht.“ Dann sinniert Boll, sagt an Anlehnung an eine TV-Mystery-Serie schmunzelnd: „Es ist schon ein Phänomen – ein Fall für Akte X ...“
Zweifelsohne kommen auch ihm die Standards zugute. 14 Treffer nach ruhenden Bällen sind in dieser Runde schon herausgesprungen. Der Scharfschütze: „Das ist eine echte Waffe von uns.“ Genauso auffällig wie seine Tor-Frequenz ist die Tor-Flaute des St. Pauli-Angriffs in den vergangenen drei Partien: Alle „Buden „ in diesem Jahr wurden von den Defensiven gemacht. Boll lacht: „Unsere Offensiv-Abteilung muss sich in der Kabine Hohn und Spott gefallen lassen.“
In Duisburg konnte allerdings kein Stürmer treffen – weil keiner aufgeboten war. Obwohl Marius Ebbers und Petar Sliskovic verletzt passen mussten, blieb Mahir Saglik 90 Minuten auf der Bank. Trainer André Schubert ließ wechselweise Florian Bruns und Kruse in die Spitze stoßen, deutete nach dem Abpfiff an, dass es wohl auch eine Reaktion auf Sagliks Ausraster nach seiner Auswechslung im Bochum-Spiel war.
In Duisburg ging’s auch ohne nominellen Angreifer. Weil auf die Defensiven wieder Verlass war. Vor allem auf den „unheimlichen“ Boll.
| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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